Indien: Leitzinsanhebungszyklus nähert sich dem Ende


12.12.22 10:44
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die indische Notenbank hat auf ihrer Sitzung am 7. Dezember den Leitzins erwartungsgemäß um 35 Basispunkte auf 6,25% angehoben, so die Analysten der DekaBank.

Gegenüber den zuvor getätigten Schritten um jeweils 50 Bp signalisiere dieses verminderte Straffungstempo, dass man sich dem Ende dieses Anhebungszyklus nähere. Die Analysten der DekaBank würden erwarten, dass der Leitzins beim nächsten Entscheid im Februar um 25 Bp auf dann 6,50% angehoben werde und dann auf diesem Niveau verbleibe. Die Konjunkturentwicklung setze der Zentralbank hierbei keine engen Grenzen. Das Bruttoinlandsprodukt sei im dritten Quartal 6,3% yoy gestiegen. Im zweiten Quartal habe der Zuwachs bei hohen 13,5% yoy gelegen, doch sei dies dem schwachen, von Lockdowns belasteten Vorjahresquartal zuzuschreiben gewesen. Die Konjunktur kühle sich etwas ab, was vor allem auf den Gegenwind einer schwächeren globalen Konjunktur zurückzuführen sei. Daher erscheine es angemessen, dass Straffungstempo zu drosseln. Gleichzeitig halte die robuste Inlandsnachfrage die Dynamik aber ausreichend hoch, um ein etwas höheres Zinsniveau verkraftbar zu machen. Höhere Zinsen seien notwendig, um die Inflationserwartungen zu verankern und der noch immer zu hohen Kerninflation Rechnung zu tragen. Die Inflationsrate sei im Oktober von 7,4% auf 6,8% gefallen, bleibe damit aber noch deutlich oberhalb des Inflationsziels von 4%, um das allerdings ein Toleranzband von jeweils 2 Prozentpunkten nach oben und unten gelegt werde. Die Zielverfehlung sei in Indien geringer als in den meisten Industrieländer, und bei einer weiteren Konjunkturabschwächung könnte sich bereits in der zweiten Jahreshälfte 2023 schon wieder Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik eröffnen. Die Exportschwäche (-16,6% yoy im Oktober) bedeute allerdings, dass die Probleme in der Leistungsbilanz zunächst bestehen bleiben dürften, was dafür spreche, die zinspolitischen Zügel nicht zu früh zu lockern.

Perspektiven: Die Hoffnung, Indien könne zur nächsten großen Wachstumsgeschichte werden, sei in den vergangenen Jahren regelmäßig enttäuscht worden. Angesichts fundamentaler Schwächen würden auch nach der Überwindung der Corona-Krise mittelfristig Raten von deutlich mehr als 7% eher optimistisch erscheinen. So gebe es große Mängel in der Infrastruktur, im Bildungswesen und in der öffentlichen Verwaltung. Anders als in früheren Jahren wolle die Regierung nun die Wirtschaft allerdings durch eine expansive Fiskalpolitik stärken. Der Grenzkonflikt mit China habe das Verhältnis der beiden Länder nachhaltig belastet. Chinesische Unternehmen dürften sich in den kommenden Jahren mit Investitionen in Indien zurückhalten. Indien wolle allerdings grundsätzlich eine klare Parteinahme in den geopolitischen Auseinandersetzungen vermeiden, um nationale Interessen nicht zu gefährden. So halte sich die Regierung mit offener Kritik an China ebenso zurück wie am Angriff Russlands auf die Ukraine.

Länderrisiko: Moody’s habe das Rating für indische Fremdwährungsverbindlichkeiten 2020 auf Baa3 gesenkt und vor allem die strukturelle Wachstumsschwäche kritisiert. In der Krise sei die Staatsverschuldung gestiegen. Die Staatsfinanzen hätten schon vor der Krise zu den Schwachpunkten im indischen Bonitätsprofil gezählt. Im Oktober 2021 habe Moody’s aber den Ratingausblick auf stabil verbessert und damit das Risiko einer weiteren Herabstufung in den Junk-Bereich reduziert. Fitch und S&P würden ebenfalls einen stabilen Ausblick vergeben und das Land ebenso wie Moody‘s auf der untersten Stufe des Investment-Grade-Bereichs einstufen. Die Abkehr von der eher konservativen Fiskalpolitik früherer Jahre erhöhe das Risiko einer Herabstufung. Angesichts der geringen Auslandsverschuldung Indiens stehe die Zahlungsfähigkeit des Landes jedoch nicht in Frage. (Emerging Markets Trends vom 09.12.2022) (12.12.2022/alc/a/a)




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