Indische Notenbank belässt den Leitzins unverändert bei 6,5%


14.06.23 11:00
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die indische Notenbank hat erwartungsgemäß auf ihrer Juni-Sitzung den Leitzins unverändert bei 6,5% gelassen, so die Analysten der DekaBank.

Zwar habe sie sich bemüht, Wachsamkeit gegenüber bestehenden Inflationsgefahren zu demonstrieren, doch eine weitere Zinsanhebung erscheine unwahrscheinlich und eine erste Senkung dürfte spätestens Anfang nächsten Jahres erfolgen. Der Inflationsdruck habe in den vergangenen Monaten deutlich abgenommen. Im Mai habe die Inflationsrate bei 4,3% gelegen. Noch im Februar habe sie bei 6,4% und damit außerhalb des Toleranzbands (2% bis 6%) gelegen. Es erscheine allerdings wahrscheinlich, dass sich der Inflationsrückgang nicht weiter fortsetze. Die Zentralbank erwarte, dass sich die Inflationsrate in den kommenden Monaten um die 5% bewegen werde. Trotz des gesunkenen Inflationsdrucks könne die Notenbank zunächst abwarten, bevor sie Signale einer Wende zu niedrigeren Leitzinsen sende. Denn die Wirtschaft habe sich im ersten Quartal besser entwickelt als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt sei um 6,1% yoy gestiegen, nachdem der Zuwachs im Vorquartal noch bei 4,5% yoy gelegen habe. Wichtigste Treiber seien die Anlageinvestitionen sowie der Außenbeitrag gewesen.

Die Einkaufsmanagerindices würden darauf hindeuten, dass sich die Wirtschaft auch im zweiten Quartal gut entwickle: Der PMI für das Verarbeitende Gewerbe sei im Mai von 57,2 auf 58,7 Punkte gestiegen. Der Index für das Dienstleistungsgewerbe sei zwar leicht um 0,8 Punkte zurückgegangen, habe mit 61,2 Punkten aber nahe dem mehrjährigen Hoch gelegen. Aufgrund des guten Konjunkturverlaufs im ersten Quartal hätten die Analysten ihre BIP-Prognose für das laufende Jahr von 5,8% auf 6,3% angehoben. Besondere Bedeutung für Konjunktur und Inflationsentwicklung komme dem Monsunregen zu, weil dieser das Ernteergebnis des Agrarsektors maßgeblich beeinflusse. Würden die Niederschläge zwischen Juni und September zu gering ausfallen, führe dies in der Regel zu steigenden Nahrungsmittelpreisen. Klimaforscher sähen eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich 2023 El-Nino-Bedingungen einstellen würden. Trete dies zeitnah auf, könnte sich dies negativ auf die Monsun-Saison in Indien auswirken. Die Notenbank weise auf die Unsicherheit um die Monsun-Situation explizit hin.

Die Hoffnung, Indien könne zur nächsten großen Wachstumsgeschichte werden, sei in den vergangenen Jahren regelmäßig enttäuscht worden. Angesichts fundamentaler Schwächen würden mittelfristig Raten von deutlich mehr als 7% eher optimistisch erscheinen. So gebe es große Mängel in der Infrastruktur, im Bildungswesen und in der öffentlichen Verwaltung. Der Grenzkonflikt mit China habe das Verhältnis der beiden Länder nachhaltig belastet. Chinesische Unternehmen dürften sich in den kommenden Jahren mit Investitionen in Indien zurückhalten. Indien wolle zwar eine klare Parteinahme in den geopolitischen Auseinandersetzungen vermeiden, um nationale Interessen nicht zu gefährden. Trotzdem habe die indische Regierung ein Abkommen geschlossen, das die Zusammenarbeit mit den USA auch im militärischen Bereich intensivieren solle.

Alle drei großen Ratingagenturen würden Indien mit Baa3/BBB- auf der untersten Stufe des Investment-Grade-Bereichs einstufen. Der Ausblick stehe bei allen Agenturen auf stabil. Einer der Schwachpunkte im Bonitätsprofil seien die hohen Staatsschulden, die in der Corona-Krise nochmals gestiegen seien. Das Budget für das Fiskaljahr 2023/2024 bedeute eine Rückkehr zu weniger expansiven Kurs. Doch dürfte das öffentliche Defizit unter Einrechnung der Bundesstaaten auch 2023 bei rund 9% des BIP liegen. Ein weiterer Schwachpunkt sei das fortgesetzte Leistungsbilanzdefizit. Pluspunkte seien die geringe Auslandsverschuldung sowie die gute Ausstattung mit Währungsreserven. (Ausgabe vom 13.06.2023) (14.06.2023/alc/a/a)






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