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Inflation - Disinflation - Deflation. Und was jetzt?
18.07.23 16:40
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Ausgelöst durch den russischen Einfall in der Ukraine war die ganze Welt im 1. Halbjahr 2022 von einer Inflationswelle erfasst worden, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Sie habe in den USA 9% erreicht, in Deutschland 10,1%. Die Inflation sei inzwischen von einer Disinflation abgelöst worden. In dieser Phase würden die Preise zwar immer noch, aber immer langsamer steigen. In den USA sei die Rate inzwischen auf 3% gesunken, in Deutschland auf 6,4%. Das Ziel der Notenbanken von 2% sei noch nicht erreicht, doch es rücke näher. Mit dieser Entwicklung könnten die Zentralbanken zufrieden sein.
Doch sie müssten schon weiterdenken. Wenn die Preissteigerungsraten im gleichen Maße weiter sinken würden, dann drohe sogar eine Deflation. In einer solchen Phase würden die Preise unter das Vorjahresniveau sinken. Sie werde von den Volkswirten besonders befürchtet und sei deswegen für Zentralbanken und Finanzminister keine Option.
Bei einer Deflation würden sich Konsumenten und Investoren zurückhalten, denn durch Abwarten könnten sie das gleiche Gut in einem Jahr günstiger erwerben. Niemand kaufe eine Immobilie jetzt, wenn er erwarten könne, dass sie im nächsten Jahr 5 bis 10% billiger sein werde. Doch diese Zurückhaltung bewirke gesamtwirtschaftlich eine Depression. Dabei sinke das BIP, steige die Arbeitslosigkeit, die Armut nehme zu, Sozialausgaben könnten nicht mehr im gleichen Maße geleistet werden. Die Folgen seien in der Regel politische Unruhen, Demonstrationen, Gewaltausbrüche. Sie würden das um sich greifende Chaos verstärken.
Doch Deflation sei nur ein theoretisches Modell, keine Prognose. Ihre Verhinderung sei in aller Interesse. Besonders die Eurozone sei davon weit entfernt. Hier stelle sich die Inflationsrate im Juni immer noch auf 5,5%. Deshalb würden die Märkte mit einer weiteren Leitzinserhöhung durch die EZB rechnen. Aber auch hier wie in den USA werde die Konjunkturberuhigung immer deutlicher.
Als Bremse wirke zudem die Abschwächung der Weltwirtschaft. In China sei das BIP-Wachstum im 2Q23 um einen Prozentpunkt schwächer gewachsen als die ursprünglichen Prognosen. Der wichtigste Exportmarkt leide unter den Nachwirkungen der Pandemie. Das erschwere den Zentralbanken den Übergang von einer restriktiven Geldpolitik zu einer neutralen, die weder expansiv noch restriktiv wirke.
Das langfristige Inflationsziel der FED und der EZB sei 2%. Diese Zielvorgabe erleichtere den Zentralbanken ihre Leitzinsentscheidungen. Bei einer tatsächlichen Rate von deutlich über 2% könne die Notenbank eine Zinserhöhung begründen. Bei niedrigeren Raten könne sie eine Zinssenkung vornehmen. Dies erleichtere den Marktteilnehmern, wie zum Beispiel den Investoren, ihre Planungen. Allerdings sei nicht bekannt, was unter "langfristig" hier zu verstehen sei. Wenn einmal das Ziel um einen Monat verfehlt werde, könne die Notenbank durchaus begründen, warum sie nicht sofort aktiv werde. Das sei in der Vergangenheit schon geschehen. Deshalb bleibe im Markt weiterhin ein Unsicherheitsmomentum. Die Bundesbank habe in früheren Zeiten, d. h. vor der EZB, die Märkte stets ein wenig in Unsicherheit gehalten.
Die Märkte für Edelmetalle würden von den Zentralbanken in geringerem Maße beeinflusst. Der Anteil an den Währungsreserven habe sich in den USA und der Eurozone seit Jahren nicht mehr geändert. Der Preis bewege sich gegenwärtig immer noch nahe seinem Allzeithoch. Viele Gründe würden dafür sprechen, dass dieses Hoch durchbrochen werde.
Folgerung: Die Notenbanken würden in nächster Zeit weiter an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten, doch der Übergang zu einer neutralen Geldpolitik werde schwierig. (18.07.2023/alc/a/a)
Sie habe in den USA 9% erreicht, in Deutschland 10,1%. Die Inflation sei inzwischen von einer Disinflation abgelöst worden. In dieser Phase würden die Preise zwar immer noch, aber immer langsamer steigen. In den USA sei die Rate inzwischen auf 3% gesunken, in Deutschland auf 6,4%. Das Ziel der Notenbanken von 2% sei noch nicht erreicht, doch es rücke näher. Mit dieser Entwicklung könnten die Zentralbanken zufrieden sein.
Doch sie müssten schon weiterdenken. Wenn die Preissteigerungsraten im gleichen Maße weiter sinken würden, dann drohe sogar eine Deflation. In einer solchen Phase würden die Preise unter das Vorjahresniveau sinken. Sie werde von den Volkswirten besonders befürchtet und sei deswegen für Zentralbanken und Finanzminister keine Option.
Bei einer Deflation würden sich Konsumenten und Investoren zurückhalten, denn durch Abwarten könnten sie das gleiche Gut in einem Jahr günstiger erwerben. Niemand kaufe eine Immobilie jetzt, wenn er erwarten könne, dass sie im nächsten Jahr 5 bis 10% billiger sein werde. Doch diese Zurückhaltung bewirke gesamtwirtschaftlich eine Depression. Dabei sinke das BIP, steige die Arbeitslosigkeit, die Armut nehme zu, Sozialausgaben könnten nicht mehr im gleichen Maße geleistet werden. Die Folgen seien in der Regel politische Unruhen, Demonstrationen, Gewaltausbrüche. Sie würden das um sich greifende Chaos verstärken.
Als Bremse wirke zudem die Abschwächung der Weltwirtschaft. In China sei das BIP-Wachstum im 2Q23 um einen Prozentpunkt schwächer gewachsen als die ursprünglichen Prognosen. Der wichtigste Exportmarkt leide unter den Nachwirkungen der Pandemie. Das erschwere den Zentralbanken den Übergang von einer restriktiven Geldpolitik zu einer neutralen, die weder expansiv noch restriktiv wirke.
Das langfristige Inflationsziel der FED und der EZB sei 2%. Diese Zielvorgabe erleichtere den Zentralbanken ihre Leitzinsentscheidungen. Bei einer tatsächlichen Rate von deutlich über 2% könne die Notenbank eine Zinserhöhung begründen. Bei niedrigeren Raten könne sie eine Zinssenkung vornehmen. Dies erleichtere den Marktteilnehmern, wie zum Beispiel den Investoren, ihre Planungen. Allerdings sei nicht bekannt, was unter "langfristig" hier zu verstehen sei. Wenn einmal das Ziel um einen Monat verfehlt werde, könne die Notenbank durchaus begründen, warum sie nicht sofort aktiv werde. Das sei in der Vergangenheit schon geschehen. Deshalb bleibe im Markt weiterhin ein Unsicherheitsmomentum. Die Bundesbank habe in früheren Zeiten, d. h. vor der EZB, die Märkte stets ein wenig in Unsicherheit gehalten.
Die Märkte für Edelmetalle würden von den Zentralbanken in geringerem Maße beeinflusst. Der Anteil an den Währungsreserven habe sich in den USA und der Eurozone seit Jahren nicht mehr geändert. Der Preis bewege sich gegenwärtig immer noch nahe seinem Allzeithoch. Viele Gründe würden dafür sprechen, dass dieses Hoch durchbrochen werde.
Folgerung: Die Notenbanken würden in nächster Zeit weiter an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten, doch der Übergang zu einer neutralen Geldpolitik werde schwierig. (18.07.2023/alc/a/a)
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