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Inflation - tot oder nur vergessen?
06.04.16 09:24
Franklin Templeton
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Erst vor wenigen Wochen hat die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik weiter gelockert, so Dr. Michael Hasenstab von Franklin Templeton.
Ziel der Anfang Februar verkündeten Maßnahmen sei unter anderem, die Inflation in Richtung des Inflationsziels der Notenbank von rund 2% zu bewegen. Auf der anderen Seite des Atlantiks würden sich die Währungshüter um FED-Chefin Janet Yellen bedächtig geben - der nächste Zinsschritt werde frühestens im Sommer erwartet, und anstatt vier seien nur noch zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr wahrscheinlich. All dies zeige deutlich, dass die Sorge vor einer Deflation nach wie vor hoch sei.
Dr. Michael Hasenstab und sein Team - die Templeton Global Macro Group - seien anderer Ansicht und würden davon ausgehen, dass sich die Inflation in absehbarer Zeit wieder auf einem normalen Niveau bewegen werde.
In den letzten Monaten sei in vielen Industrieländern die Gesamtinflation durch den Einbruch der Rohstoffpreise und insbesondere des Ölpreises gedrückt worden. Allerdings sei das ein vorübergehender Effekt, und die Kerninflation sei nach wie vor stabil. Außerdem dürfe nicht vernachlässigt werden, dass in einigen Schwellenländern die Inflation deutlich oberhalb der jeweiligen Zielwerte liege. Sowieso würden globale Faktoren eine dominierende Rolle für die Inflationsentwicklung in den einzelnen Ländern spielen. Berechnungen würden zeigen, dass sich die globale Produktionslücke allmählich vergrößere, und im Zuge der Erholung in den Schwellenländern dürfte sich diese Entwicklung fortsetzen, was Aufwärtsdruck für die Inflationsraten bedeute.
Als wichtigster Motor der Weltwirtschaft würden die USA eine entscheidende Rolle für die weltweite Entwicklung der Inflation spielen. Aus diesem Grund habe das Templeton Global Macro Team eine detaillierte Analyse der dortigen Lohn- und Inflationstrends angestellt.
Aktuell stehe der US-Arbeitsmarkt kurz vor der Vollbeschäftigung, und noch vorhandene Überkapazitäten würden rasch wieder absorbiert. Das Wachstum der Durchschnittslöhne sei trotzdem mäßig geblieben, was oft als Beleg dafür angeführt werde, dass die Inflation extrem niedrig bleiben werde. Den Analysen von Franklin Templeton nach beschleunige sich der Lohnzuwachs jedoch allmählich. Außerdem würden sich die am stärksten mit dem Lohnzuwachs korrelierenden Arbeitsmarktkennzahlen, wie etwa die Kündigungsquote, stetig verbessern. Denn Arbeitnehmer würden in der Regel nur kündigen, wenn sie einen besseren und höher dotierten Job gefunden hätten oder glauben, einen zu finden. Den Berechnungen nach sei bei den herrschenden Konjunkturbedingungen ein Lohnwachstum von rund 2,7% wahrscheinlich.
Eine stärkere Lohndynamik impliziere allerdings nicht gleich eine höhere Inflation, aber sie sollte den privaten Konsum und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage weiter ankurbeln, was die Verbraucherpreise unter sonst gleichen Bedingungen stützen dürfte.
Wie bereits erwähnt, habe der Verfall des Ölpreises einen erheblichen Effekt auf die so genannte Headline-Inflation gehabt, welche im Gegensatz zur Kerninflation die Preise für Lebensmittel und Energie einschließe. Allein im Jahr 2015 habe der Rückgang des Ölpreises die Headline-Inflation in den USA um 1,3% und die Kerninflation aufgrund von Sekundäreffekten um rund 0,6% gedrückt. Solch ein Inflationseffekt sei allerdings nicht von Dauer. Würden sich die Ölpreise stabilisieren, würden die Basiseffekte wegfallen und die Wirkung auf die Verbraucherpreise lasse nach, da sich auch diese auf dem jeweiligen Niveau einpendeln würden. Selbst wenn der Ölpreis langfristig bei rund 30 US-Dollar notieren sollte, seien die Basiseffekte bis Januar 2017 weg. Sollte sich der Ölpreis allerdings erholen, steige die Inflation dementsprechend schneller an.
Ähnliches gelte auch für den US-Dollar. Sollte sich der Greenback aufgrund der unterschiedlichen Geldpolitik weiter Richtung Parität zum Euro bewegen, sollte sich dies nur noch minimal auf den Preisdruck auswirken. Ansonsten dürften auch diese Basiseffekte mittelfristig nachlassen und sich nach und nach umkehren.
Das Gespenst der Deflation sei kein neues Phänomen - schon seit geraumer Zeit herrsche weltweit Angst vor sinkenden Preisen. Mit verschiedenen geldpolitischen Maßnahmen würden daher die großen Notenbanken versuchen, dem entgegenzuwirken.
Auch wenn die FED inzwischen die Zügel wieder enger halte, dürfe nicht das Ausmaß der Ungleichgewichte und Verwerfungen vergessen werden, die durch mehrere Jahre Nullzinspolitik und quantitative Lockerung entstanden seien. Als Reaktion auf die globale Finanzkrise hätten die Zentralbanken in den USA, der Eurozone und Japan ihre Bilanzen massiv erweitert. Gleichzeitig seien die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und der Geldschöpfungsmultiplikator rapide gefallen, was eine plötzliche Entschuldung und ein Einfrieren des Finanzsystems erkennen lasse.
Wenn Umlaufgeschwindigkeit und Geldmengenmultiplikator allerdings wieder auf ihre Vorkrisenniveaus steigen würden, würde dies eine deutliche Zunahme der Inflation in den zweistelligen Bereich implizieren, selbst wenn die Entwicklung langsam verlaufe. Auf kurze Sicht seien derartige Preissteigerungen unwahrscheinlich. Eine teilweise Korrektur der Umlaufgeschwindigkeit und Geldmengenmultiplikatoren in Richtung der historischen Norm sei jedoch plausibel und würde zusätzlichen Inflationsdruck bedeuten.
Unter Berücksichtigung all dieser Punkte kämen Dr. Michael Hasenstab und sein Team daher zu dem Schluss, dass die allgemeine Unterschätzung der zukünftigen Inflation das Feld für eine signifikante Korrektur bei den Renditen von US-Schatzanleihen bereite. (Ausgabe 51 - April 2016) (06.04.2016/alc/a/a)
Ziel der Anfang Februar verkündeten Maßnahmen sei unter anderem, die Inflation in Richtung des Inflationsziels der Notenbank von rund 2% zu bewegen. Auf der anderen Seite des Atlantiks würden sich die Währungshüter um FED-Chefin Janet Yellen bedächtig geben - der nächste Zinsschritt werde frühestens im Sommer erwartet, und anstatt vier seien nur noch zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr wahrscheinlich. All dies zeige deutlich, dass die Sorge vor einer Deflation nach wie vor hoch sei.
Dr. Michael Hasenstab und sein Team - die Templeton Global Macro Group - seien anderer Ansicht und würden davon ausgehen, dass sich die Inflation in absehbarer Zeit wieder auf einem normalen Niveau bewegen werde.
In den letzten Monaten sei in vielen Industrieländern die Gesamtinflation durch den Einbruch der Rohstoffpreise und insbesondere des Ölpreises gedrückt worden. Allerdings sei das ein vorübergehender Effekt, und die Kerninflation sei nach wie vor stabil. Außerdem dürfe nicht vernachlässigt werden, dass in einigen Schwellenländern die Inflation deutlich oberhalb der jeweiligen Zielwerte liege. Sowieso würden globale Faktoren eine dominierende Rolle für die Inflationsentwicklung in den einzelnen Ländern spielen. Berechnungen würden zeigen, dass sich die globale Produktionslücke allmählich vergrößere, und im Zuge der Erholung in den Schwellenländern dürfte sich diese Entwicklung fortsetzen, was Aufwärtsdruck für die Inflationsraten bedeute.
Als wichtigster Motor der Weltwirtschaft würden die USA eine entscheidende Rolle für die weltweite Entwicklung der Inflation spielen. Aus diesem Grund habe das Templeton Global Macro Team eine detaillierte Analyse der dortigen Lohn- und Inflationstrends angestellt.
Aktuell stehe der US-Arbeitsmarkt kurz vor der Vollbeschäftigung, und noch vorhandene Überkapazitäten würden rasch wieder absorbiert. Das Wachstum der Durchschnittslöhne sei trotzdem mäßig geblieben, was oft als Beleg dafür angeführt werde, dass die Inflation extrem niedrig bleiben werde. Den Analysen von Franklin Templeton nach beschleunige sich der Lohnzuwachs jedoch allmählich. Außerdem würden sich die am stärksten mit dem Lohnzuwachs korrelierenden Arbeitsmarktkennzahlen, wie etwa die Kündigungsquote, stetig verbessern. Denn Arbeitnehmer würden in der Regel nur kündigen, wenn sie einen besseren und höher dotierten Job gefunden hätten oder glauben, einen zu finden. Den Berechnungen nach sei bei den herrschenden Konjunkturbedingungen ein Lohnwachstum von rund 2,7% wahrscheinlich.
Wie bereits erwähnt, habe der Verfall des Ölpreises einen erheblichen Effekt auf die so genannte Headline-Inflation gehabt, welche im Gegensatz zur Kerninflation die Preise für Lebensmittel und Energie einschließe. Allein im Jahr 2015 habe der Rückgang des Ölpreises die Headline-Inflation in den USA um 1,3% und die Kerninflation aufgrund von Sekundäreffekten um rund 0,6% gedrückt. Solch ein Inflationseffekt sei allerdings nicht von Dauer. Würden sich die Ölpreise stabilisieren, würden die Basiseffekte wegfallen und die Wirkung auf die Verbraucherpreise lasse nach, da sich auch diese auf dem jeweiligen Niveau einpendeln würden. Selbst wenn der Ölpreis langfristig bei rund 30 US-Dollar notieren sollte, seien die Basiseffekte bis Januar 2017 weg. Sollte sich der Ölpreis allerdings erholen, steige die Inflation dementsprechend schneller an.
Ähnliches gelte auch für den US-Dollar. Sollte sich der Greenback aufgrund der unterschiedlichen Geldpolitik weiter Richtung Parität zum Euro bewegen, sollte sich dies nur noch minimal auf den Preisdruck auswirken. Ansonsten dürften auch diese Basiseffekte mittelfristig nachlassen und sich nach und nach umkehren.
Das Gespenst der Deflation sei kein neues Phänomen - schon seit geraumer Zeit herrsche weltweit Angst vor sinkenden Preisen. Mit verschiedenen geldpolitischen Maßnahmen würden daher die großen Notenbanken versuchen, dem entgegenzuwirken.
Auch wenn die FED inzwischen die Zügel wieder enger halte, dürfe nicht das Ausmaß der Ungleichgewichte und Verwerfungen vergessen werden, die durch mehrere Jahre Nullzinspolitik und quantitative Lockerung entstanden seien. Als Reaktion auf die globale Finanzkrise hätten die Zentralbanken in den USA, der Eurozone und Japan ihre Bilanzen massiv erweitert. Gleichzeitig seien die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und der Geldschöpfungsmultiplikator rapide gefallen, was eine plötzliche Entschuldung und ein Einfrieren des Finanzsystems erkennen lasse.
Wenn Umlaufgeschwindigkeit und Geldmengenmultiplikator allerdings wieder auf ihre Vorkrisenniveaus steigen würden, würde dies eine deutliche Zunahme der Inflation in den zweistelligen Bereich implizieren, selbst wenn die Entwicklung langsam verlaufe. Auf kurze Sicht seien derartige Preissteigerungen unwahrscheinlich. Eine teilweise Korrektur der Umlaufgeschwindigkeit und Geldmengenmultiplikatoren in Richtung der historischen Norm sei jedoch plausibel und würde zusätzlichen Inflationsdruck bedeuten.
Unter Berücksichtigung all dieser Punkte kämen Dr. Michael Hasenstab und sein Team daher zu dem Schluss, dass die allgemeine Unterschätzung der zukünftigen Inflation das Feld für eine signifikante Korrektur bei den Renditen von US-Schatzanleihen bereite. (Ausgabe 51 - April 2016) (06.04.2016/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 17.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


