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Inflationsrisiken im Roten Meer
25.01.24 15:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Rentenmärkte zeigten in den letzten Tagen zwar starke Schwankungen, aber die Renditen in Deutschland und den USA bewegten sich insgesamt seitwärts, so Dr. Tariq Chaudhry, Economist bei der Hamburg Commercial Bank.
Aktuell lägen die Renditen für zehnjährige Bunds bei 2,36% und für T-Notes bei 4,17%. Die EZB werde auf ihrer heutigen Sitzung (25.01.) die Leitzinsen wie erwartet konstant lassen. Die interessante Frage werde sein, wie sie mit dem Druck der Märkte umgehe, die relativ frühe Zinssenkungen einpreisen würden. In der Tat wirke die Konjunktur in Europa instabil. Laut HCOB Flash PMIs verzeichne der private Sektor in Deutschland eine deutliche Schrumpfung, und auch für die Eurozone gebe es wenig Hoffnung, da überraschenderweise die Verbrauchervertrauenszahlen gesunken seien. Gleichzeitig würden die HCOB Flash PMIs jedoch auch einen anhaltenden Inflationsdruck im Dienstleistungssektor signalisieren. Die wirtschaftliche Lage in den USA präsentiere sich deutlich positiver, mit wachsenden PMIs und dem höchsten Verbrauchervertrauen seit zwei Jahren. Dies sende eine klare Botschaft an die Märkte: Die FED habe ökonomisch gesehen mehr Spielraum für langfristig höhere Zinsen als die EZB. Es bleibe abzuwarten, ob die Zentralbanker in Washington diesen Spielraum nutzen werden könnten, könnte die geopolitischer Risiken ihnen doch einen Strich durch die Rechnung machen.
Bei der heutigen Sitzung werde die EZB die Leitzinsen voraussichtlich unverändert lassen. Für Zinssenkungen dürfte sie bislang noch keinen Anlass sehen, trotz der wirtschaftlichen Schwäche. Besonders die deutsche Wirtschaft stehe erheblich unter Druck, wie die Januar-Zahlen des HCOB Flash PMIs nahelegen würden. Der zusammengesetzte PMI sei im Januar 2024 auf 47,1 gesunken, unter dem Marktkonsens von 47,8 und markiere den siebten monatlichen Rückgang der Wirtschaftstätigkeit. Der Dienstleistungssektor habe den stärksten Rückgang seit August verzeichnet, während die Produktion im verarbeitenden Gewerbe den geringsten Rückgang seit acht Monaten aufgewiesen habe. Auch auf europäischer Ebene gebe es wenig Grund zur Zuversicht. Das Verbrauchervertrauen im Euroraum sei im Januar unerwartet von seinem Fünfmonatshoch im Dezember auf -16,1 gesunken, gegenüber den Markterwartungen einer Verbesserung auf 14,3. Diese Entwicklungen würden die angespannte wirtschaftliche Lage verdeutlichen. Dass die EZB dennoch auf baldige Zinssenkungen verzichten dürfte, liege an der Inflation, die weiterhin relativ hartnäckig sei. Zuletzt sei das durch die PMI Input- und Outputpreise für den Dienstleistungssektor bestätigt worden. Bei den Inputpreisen habe sich sogar eine Beschleunigung der Preisauftriebs gezeigt, was vermutlich mit den überdurchschnittlich steigenden Löhnen zu tun habe.
In den USA könne die Wirtschaft trotz anhaltend hoher Zinsen optimistisch in die Zukunft blicken. Im Gegensatz zu den PMIs in Deutschland zeige sich die US-Wirtschaft in einem robusten Zustand. Der zusammengesetzte PMI Einkaufsmanagerindex habe im Januar 2024 ein Sieben-Monats-Hoch von 52,3 erreicht, was einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vormonat (50,9) darstelle und auf das schnellste Wachstum der Geschäftstätigkeit seit Juni 2023 hinweise. Insbesondere der Dienstleistungssektor habe das stärkste Wachstum seit sieben Monaten verzeichnet, während das verarbeitende Gewerbe einen moderaten Produktionsrückgang verzeichnet habe. Die Verbraucherstimmung in den USA habe im Januar 2024 mit einem Verbrauchervertrauen von 78,8 den höchsten Stand seit Juli 2021 erreicht. Dieser Anstieg im Vergleich zu 69,7 im Dezember und den Prognosen von 70 laut vorläufigen Schätzungen zeige, dass die Verbraucher Zuversicht schöpfen würden. Die positive Einschätzung werde durch das Vertrauen in eine stabilisierte Inflation und steigende Einkommenserwartungen gestützt.
Trotz der spürbaren Abkühlung der Inflation im Euroraum und den USA würden die Währungshüter in Frankfurt und Washington an Zinssenkungen festhalten, da die Gefahr eines erneuten Preisanstiegs bestehe. Geopolitische Risiken, insbesondere Unterbrechungen der Schifffahrt im Roten Meer, könnten zu einem Anstieg der Verbraucherpreise in Europa und einer Wachstumsverlangsamung führen. Valdis Dombrovskis, Vizepräsident der Europäischen Kommission, habe vor einem 22 prozentigen Rückgang des Schiffsverkehrs innerhalb eines Monats aufgrund von Angriffen der mit dem Iran verbündeten Huthis im Jemen gewarnt. Die Auswirkungen auf Energie- und Warenpreise seien bisher nicht sichtbar, jedoch würden sich steigende Transportkosten zeigen. Obwohl im Januar-Meeting der FED keine Zinssenkungen erwartet würden, könnte ein möglicher Inflationsanstieg die Befürworter höherer Zinsen in den USA stärken. Das Risiko einer hohen Inflation bleibe real, doch prognostiziere die Hamburg Commercial Bank weiterhin einen Rückgang der Zinsen in den USA bis zum Jahresende um 75 Basispunkte auf 4,75% (Oberes Ende der Range der Fed Fund Rates) und im Euroraum um 50 Basispunkte auf 4,00% (Hauptrefinanzierungssatz).
Datenseitig stünden am 30. Januar gleich zwei Highlights an: Zum einen die Inflationszahlen für Januar aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und der Eurozone. Der Inflationstrend in der Eurozone zeige weiterhin eine Abwärtsbewegung, allerdings habe sich dieser im Januar möglicherweise leicht abgeschwächt. Das Modell der Hamburg Commercial Bank erwarte nur einen marginalen Rückgang von 2,9% auf 2,8%. Es bestünden sogar Aufwärtsrisiken, da staatliche Maßnahmen in Deutschland die Inflation beeinflussen könnten. Zum anderen würden BIP-Zahlen für das vierte Quartal aus Deutschland, Frankreich, Spanien und der Eurozone veröffentlicht. Die Eurozone scheine in eine Rezession gerutscht zu sein, sofern das dritte Quartal nicht nach oben revidiert werde. Das Modell der Hamburg Commercial Bank prognostiziere eine Schrumpfung um 0,1%, wobei besonders Deutschland und Frankreich rückläufiges Wachstum aufweisen würden. In den USA richte sich die Aufmerksamkeit auf den PCE-Preisindex für Dezember (26.01), bei dem das Modell der Hamburg Commercial Bank einen leichten Anstieg von 2,6% auf 2,7% erwarte. Ebenfalls relevant sei der Arbeitsmarktbericht für Januar (02.02), bei dem ein weiter rückläufiger Trend erwartet werde (Prognose: 168k, Dezember: 216k). Abschließend sei der ISM-Manufacturing für Januar (01.02) zu beachten, wobei der Konsens nur einen geringen Anstieg des Index erwarte (Prognose: 47,4, Dezember: 47,3). (Wochenbarometer vom 25.01.2024) (25.01.2024/alc/a/a)
Aktuell lägen die Renditen für zehnjährige Bunds bei 2,36% und für T-Notes bei 4,17%. Die EZB werde auf ihrer heutigen Sitzung (25.01.) die Leitzinsen wie erwartet konstant lassen. Die interessante Frage werde sein, wie sie mit dem Druck der Märkte umgehe, die relativ frühe Zinssenkungen einpreisen würden. In der Tat wirke die Konjunktur in Europa instabil. Laut HCOB Flash PMIs verzeichne der private Sektor in Deutschland eine deutliche Schrumpfung, und auch für die Eurozone gebe es wenig Hoffnung, da überraschenderweise die Verbrauchervertrauenszahlen gesunken seien. Gleichzeitig würden die HCOB Flash PMIs jedoch auch einen anhaltenden Inflationsdruck im Dienstleistungssektor signalisieren. Die wirtschaftliche Lage in den USA präsentiere sich deutlich positiver, mit wachsenden PMIs und dem höchsten Verbrauchervertrauen seit zwei Jahren. Dies sende eine klare Botschaft an die Märkte: Die FED habe ökonomisch gesehen mehr Spielraum für langfristig höhere Zinsen als die EZB. Es bleibe abzuwarten, ob die Zentralbanker in Washington diesen Spielraum nutzen werden könnten, könnte die geopolitischer Risiken ihnen doch einen Strich durch die Rechnung machen.
In den USA könne die Wirtschaft trotz anhaltend hoher Zinsen optimistisch in die Zukunft blicken. Im Gegensatz zu den PMIs in Deutschland zeige sich die US-Wirtschaft in einem robusten Zustand. Der zusammengesetzte PMI Einkaufsmanagerindex habe im Januar 2024 ein Sieben-Monats-Hoch von 52,3 erreicht, was einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vormonat (50,9) darstelle und auf das schnellste Wachstum der Geschäftstätigkeit seit Juni 2023 hinweise. Insbesondere der Dienstleistungssektor habe das stärkste Wachstum seit sieben Monaten verzeichnet, während das verarbeitende Gewerbe einen moderaten Produktionsrückgang verzeichnet habe. Die Verbraucherstimmung in den USA habe im Januar 2024 mit einem Verbrauchervertrauen von 78,8 den höchsten Stand seit Juli 2021 erreicht. Dieser Anstieg im Vergleich zu 69,7 im Dezember und den Prognosen von 70 laut vorläufigen Schätzungen zeige, dass die Verbraucher Zuversicht schöpfen würden. Die positive Einschätzung werde durch das Vertrauen in eine stabilisierte Inflation und steigende Einkommenserwartungen gestützt.
Trotz der spürbaren Abkühlung der Inflation im Euroraum und den USA würden die Währungshüter in Frankfurt und Washington an Zinssenkungen festhalten, da die Gefahr eines erneuten Preisanstiegs bestehe. Geopolitische Risiken, insbesondere Unterbrechungen der Schifffahrt im Roten Meer, könnten zu einem Anstieg der Verbraucherpreise in Europa und einer Wachstumsverlangsamung führen. Valdis Dombrovskis, Vizepräsident der Europäischen Kommission, habe vor einem 22 prozentigen Rückgang des Schiffsverkehrs innerhalb eines Monats aufgrund von Angriffen der mit dem Iran verbündeten Huthis im Jemen gewarnt. Die Auswirkungen auf Energie- und Warenpreise seien bisher nicht sichtbar, jedoch würden sich steigende Transportkosten zeigen. Obwohl im Januar-Meeting der FED keine Zinssenkungen erwartet würden, könnte ein möglicher Inflationsanstieg die Befürworter höherer Zinsen in den USA stärken. Das Risiko einer hohen Inflation bleibe real, doch prognostiziere die Hamburg Commercial Bank weiterhin einen Rückgang der Zinsen in den USA bis zum Jahresende um 75 Basispunkte auf 4,75% (Oberes Ende der Range der Fed Fund Rates) und im Euroraum um 50 Basispunkte auf 4,00% (Hauptrefinanzierungssatz).
Datenseitig stünden am 30. Januar gleich zwei Highlights an: Zum einen die Inflationszahlen für Januar aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und der Eurozone. Der Inflationstrend in der Eurozone zeige weiterhin eine Abwärtsbewegung, allerdings habe sich dieser im Januar möglicherweise leicht abgeschwächt. Das Modell der Hamburg Commercial Bank erwarte nur einen marginalen Rückgang von 2,9% auf 2,8%. Es bestünden sogar Aufwärtsrisiken, da staatliche Maßnahmen in Deutschland die Inflation beeinflussen könnten. Zum anderen würden BIP-Zahlen für das vierte Quartal aus Deutschland, Frankreich, Spanien und der Eurozone veröffentlicht. Die Eurozone scheine in eine Rezession gerutscht zu sein, sofern das dritte Quartal nicht nach oben revidiert werde. Das Modell der Hamburg Commercial Bank prognostiziere eine Schrumpfung um 0,1%, wobei besonders Deutschland und Frankreich rückläufiges Wachstum aufweisen würden. In den USA richte sich die Aufmerksamkeit auf den PCE-Preisindex für Dezember (26.01), bei dem das Modell der Hamburg Commercial Bank einen leichten Anstieg von 2,6% auf 2,7% erwarte. Ebenfalls relevant sei der Arbeitsmarktbericht für Januar (02.02), bei dem ein weiter rückläufiger Trend erwartet werde (Prognose: 168k, Dezember: 216k). Abschließend sei der ISM-Manufacturing für Januar (01.02) zu beachten, wobei der Konsens nur einen geringen Anstieg des Index erwarte (Prognose: 47,4, Dezember: 47,3). (Wochenbarometer vom 25.01.2024) (25.01.2024/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 24.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


