Inflationsschock - der Markt übertreibt


12.03.26 09:40
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - Die aktuelle Marktlage ist nicht mit der Situation 2022 in Folge des russischen Einmarschs in der Ukraine vergleichbar, so die Experten von MFS Investment Management.

Die Gefahr einer Stagflation - also eine stagnierende Wirtschaft bei hoher Inflation - sei aufgrund der Stärke der Weltwirtschaft viel geringer. "Zwar befürchten wir einen Inflationsschock aufgrund der stark gestiegenen Ölpreise. Das Risiko einer anhaltend hohen Inflation sehen wir jedoch nicht", sage Benoit Anne, Anlageexperte bei MFS Investment Management.

"In den USA sind die Breakeven-Inflationsraten über ein Jahr zwar angestiegen, doch über längere Zeitspannen, beispielsweise über fünf oder zehn Jahre, haben sich die Erwartungen nicht stark verändert (Quelle: Bloomberg, 9. März 2026). In Europa ist man gegenüber Energiepreisänderungen tendenziell empfindlicher. Dort sind die Inflationserwartungen tatsächlich deutlich stärker gestiegen als in den USA. Dennoch erscheint uns eine Zinserhöhung der EZB wie 2022 und nun vom Markt eingepreist, nach wie vor etwas weit hergeholt.

Derzeit geht der Markt davon aus, dass die EZB in den nächsten zwölf Monaten zwei Zinserhöhungen vornehmen wird. Angesichts der derzeitigen Rendite 10-jähriger Bundesanleihen von 2,90% - den höchsten Stand seit Januar - würde das ein Engagement in europäischen Anleihen sogar attraktiver machen (Bloomberg, 9. März 2026).

In den USA schockierten die schlechten Zahlen zum Arbeitsmarkt außerhalb des Landwirtschaftssektors in der vergangenen Woche viele Marktteilnehmer. Tatsächlich befindet sich die US-Wirtschaft jedoch in einer soliden Verfassung. Aus unserer Sicht besteht das primäre Risiko für die USA daher nicht in einer Stagflation, sondern eher in einer Überhitzung, also einer Kombination aus starkem Wirtschaftswachstum und höheren Inflationsraten.

Die Fed befindet sich deshalb nun in einer schwierigen Lage. Bisher wurde erwartet, dass der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh ab Juni Zinssenkungen in einem angemessenen Rahmen vornehmen würde. Inzwischen haben die Märkte jedoch geändert und gehen insgesamt erst von einer Zinssenkung im September aus.

Unserer Meinung nach besteht trotz der beunruhigenden geopolitischen Entwicklungen und der höheren makroökonomischen Volatilität kein Grund zur Panik. Zum jetzigen Zeitpunkt sehen wir keine Anzeichen dafür, dass sich das gefürchtete Szenario von 2022 wiederholen könnte." (12.03.2026/alc/a/a)