Erweiterte Funktionen

Interesse an Hochzinsanleihen steigend?


11.04.16 11:59
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Seit dem dramatischen Kurssturz in den ersten sechs Wochen dieses Jahres konnten diejenigen HY-Investoren profitieren, die bereit waren, an ihren Hochzinsanlagen festzuhalten, so Tim Dowling, Head of Credit Investments und Lead Portfolio Manager Global High Yield bei NN Investment Partners, New York City.

Obwohl sich der Markt seit seinem Tief am 11. Februar bereits deutlich erholt habe, sehe der Experte auch für die kommenden Monate noch ein erhebliches Aufwärtspotenzial nach dem Überverkauf. Andererseits dürfte das von geringer Liquidität geprägte Umfeld noch anhalten. Anleger sollten daher bei der Entscheidung zwischen den verschiedenen Werten im HY-Universum auch den Einfluss des Liquiditätsniveaus auf die Erträge im Auge behalten.

Im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld würden Hochzinsanleihen als die Assetklasse mit den potenziell attraktivsten Erträgen hervorstechen. Auch nach der kräftigen Rally seit dem Tief Mitte Februar lägen die Renditespannen bei Hochzinsanleihen nur leicht unter dem Level zum Jahreswechsel. Historisch gesehen seien sie für eine nicht rezessionäre Phase sogar recht hoch.

2015 sei die Renditeentwicklung bei Hochzinsanleihen eher unbefriedigend verlaufen. Das habe vor allem für Regionen gegolten, die sensitiv auf die Preisentwicklung im Energie- und Rohstoffsektor reagieren würden, wie beispielsweise die USA. Die Experten seien indes der Meinung, dass die hohen Spreads mehr als ausreichend seien, um die zu erwartenden Ausfälle zu kompensieren. Diese Kreditausfälle würden sich voraussichtlich auf die Sektoren Energie sowie Metall & Bergbau konzentrieren, Folge der niedrigen Rohstoffpreise. Diese beiden Sektoren hätten maßgeblich zum schwachen Abschneiden in 2015 beigetragen, als die fallenden Rohstoffpreise - Folge von Chinas abkühlender Konjunkturdynamik - weltweit auch den Risikoappetit gedämpft hätten.

Schaue man sich die Erträge von 2015 genauer an, so stelle man bei High-Yield-Investoren eine starke Präferenz für Anleihen fest, die relativ leicht zu handeln seien. Banken hätten das Kapital, das sie beim Market-Making einsetzen wuerden, drastisch reduziert und würden sich jetzt auf die Positionierung von Anleihen mit hohen Handelsvolumen konzentrieren. Entsprechend würden auch HY-Manager jene Anleihen vorziehen, die sich aufgrund ihrer spezifischen Merkmale - wie hohe Kreditqualität, hohe Emissionsvolumen von weithin bekannten Emittenten - leicht traden lassen würden.

Es überrasche daher nicht, dass relativ liquide Anleihen jetzt im Vergleich zu ihren weniger liquiden Pendants ausgesprochen teuer seien. Niedrig-liquide Emissionen seien häufig kleiner, aufgrund ihres höheren Fremdverschuldungsgrads etwas riskanter oder würden von Unternehmen aufgelegt, deren Finanzinformationen weniger zugänglich seien. Die Renditen dieser gering liquiden Emissionen seien mitunter doppelt so hoch wie die ihrer liquideren Gegenstücke. Auch wenn die Liquiditätsbedingungen sich nicht so bald bessern würden, so würden sich die Renditeaufschläge im weniger liquiden Segment des HY-Spektrums gewinnbringend nutzen lassen. Gerade im Hochzinsbereich komme es auf die kluge Einzeltitelauswahl ein. Hier könnten Anleihen kleinerer Emittenten einen wertvollen Beitrag zu den Portfoliorenditen leisten.

Doch wie nutze man die Chancen, die das liquiditätsarme Segment des HY-Spektrums biete? Investiere man direkt in Hochzinsanleihen, so könnte der Kauf weniger liquider Emissionen zu volatilen Erträgen führen, vor allem falls es bei manchen Emittenten zu Kreditstress komme. Daher empfehle es sich, bei Direktinvestition auf größere kapitalkräftige Emittenten zu fokussieren. Dabei komme es wesentlich auf den Aufbau eines diversifizierten Portfolios an. Zu berücksichtigen sei auch, dass die Transaktionsausgaben die Performance schmälern könnten, vor allem bei kleineren Trades.

Alternativ könnte man auch über einen Exchange Traded Fund (ETF), manchmal auch Indexfonds oder Tracker-Fonds genannt, investieren. Da ETFs an Aktienbörsen gehandelt würden, würden sie sich hervorragend eignen, um eine stärkere Exponierung gegenüber dem Markt zu erzielen. Kurzfristig werde die Wertentwicklung von ETFs allerdings stark von den Auf- oder Abschlägen gegenüber dem Nettoinventarwert beeinflusst, zu dem die Aktien gehandelt würden. Dadurch, dass die den ETFs zugrundeliegenden Wertpapiere aus den größten und liquidesten Emissionen am Markt stammen würden, gebe es bei diesen Instrumenten längerfristig nicht die hohen Liquiditätsprämien, die bei gering liquiden High Yield Bonds anfallen würden. Diese Titel seien in den jeweiligen ETFs enthalten, auch wenn ihre Kreditrahmendaten unter Umständen nicht den Vorstellungen des Portfoliomanagers entsprechen würden.

Institutionelle Investoren würden eine ähnliche Dynamik bei Kreditderivate-Indexprodukten erleben, wie beispielsweise iTraxx XO und Markit CDX. Diese Instrumente würden sich normalerweise auf Anleihen aus größeren, stärker gehandelten Emissionen beziehen, die häufig zu geringeren Renditen als die breiter aufgestellten Indices getradet würden.

Aus Sicht der Experten würden sich Publikumsfonds am besten eignen, die attraktiven Spreads niedrig-liquider HY-Anleihen abzuschöpfen. Erwäge man die Investition in einen Publikumsfonds, so sollte man darauf achten, dass der Fonds einen der allgemeinen Marktindizes als Benchmark nutze und nicht etwa ein Untersegment liquiderer Emissionen. Der Fondsmanager sollte über einen ausgeprägten Fokus auf Kreditresearch verfügen sowie die Fähigkeit, Chancen in Marktanomalien, die im Hochzinsanleihenmarkt vorherrschen würden, zu nutzen.

Die Experten würden allerdings auch meinen, dass Publikumsfonds sich nicht zu sehr darauf konzentrieren sollten, Erträge aus weniger liquiden Emissionen zu erzielen. Angesichts der Möglichkeit von Fondsrücknahmen sollte man beim Fondsmanagement die Liquidität im Auge behalten. Es empfehle sich eine nur leichte Übergewichtung von CCC-gerateten Titeln, da Titel mit den Ratings BB und B in fallenden Märkten leichter abzustoßen seien. Zur Vermeidung von Konzentrationsrisiken sollte der Fonds auch diversifiziert sein. Ferner sollte der Fonds Cash oder leicht zu liquidierende Wertpapiere halten, um potenzielle Rücknahmen erfüllen und das Risikoniveau insgesamt kontrollieren zu können.

Sollte sich die Rally am Markt fortsetzen, würden weniger liquide Anleihen voraussichtlich besser abschneiden als ihre liquideren Pendants. Ab einem gewissen Punkt werde diese Gelegenheit sich jedoch von einer Kombination aus höherer Carry und Kapitalzuwächsen zu reinen Kapitalzuwächsen verschieben. Doch bis dahin sei noch reichlich Potenzial im Markt vorhanden. (11.04.2016/alc/a/a)