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Inversion zwischen Zinsen und Schulden


06.09.12 11:56
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wie ist so etwas möglich? Bei steigender Staatsverschuldung sinken die Zinsen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

In den Ländern der Südperipherie der Eurozone sei die althergebrachte Gesetzmäßigkeit noch wirksam: Bei steigenden Staatsschulden würden die Märkte das Ausfallrisiko dieses Schuldners kritischer bewerten und die Finanzmärkte für dessen Staatsanleihen höhere Renditen verlangen. Anders bei den Ländern, die an den Märkten als "sicherer Hafen" gelten würden. Das seien zum Beispiel die USA, Japan, Großbritannien, Deutschland und Frankreich sowie die skandinavischen Länder.

Die internationalen Geldmarktströme seien über die weltweite Staatsverschuldung so verunsichert, dass sie lieber auf Renditen verzichten würden, wenn ihr Geld dort nur als sicher erscheine. Die Verunsicherung sei so groß geworden, dass die Märkte zum Parken ihrer Mittel bei kurzen Laufzeiten sogar eine negative Verzinsung akzeptieren würden. In ihrer Vorsicht würden sie unterstützt durch Aussagen z.B. des IWF, dass das weltweite Finanzsystem keineswegs mehr als völlig sicher bewertet werden könne.

In den USA gebe es Diskrepanz, die gleiche Aussage könne aber auch für die übrigen "sicheren Häfen" festgestellt werden. Größtenteils seien die extrem niedrigen Zinsen auf Zuflüsse aus dem Ausland und auf die ZIRP-Politik der Notenbanken zurückzuführen. Die Entwicklung der Verschuldung und der Zinsen seien letztlich Ausdruck der verzweifelten Bemühungen von Regierungen und Notenbanken, Rezession und Deflation zu bekämpfen.

Doch die Erfolge seien enttäuschend. Japan (Staatsverschuldung 240% des BIP) versuche dies nun schon seit 20 Jahren, doch die Volkswirtschaft verharre in Stagnation. In der Eurozone (90%) gebe es kaum ein Land, das die Maastrichter Kriterien erfülle. Auch nicht Deutschland oder Frankreich. Jetzt würden weitere Käufe von Staatsanleihen durch die EZB erwartet. Die Ratingagentur Fitch warne jedoch, dass die Anleihenkäufe kein dauerhafter Ersatz für das Engagement der Privatanleger sein dürften. Andernfalls würde sich das negativ auf die Kreditwürdigkeit des Staates auswirken.

In Großbritannien würden die Käufe von Gilts weiter auf GBP 375 Mrd. aufgestockt, das Land stecke in der Rezession. Die USA (110%) hätten ihre Staatsverschuldung extrem gesteigert und die Notenbank FED habe mit "quantitativen Lockerungen" in einem noch nie dagewesenen Maße frisch gedrucktes Geld in die Märkte geschleust, doch die nächste Konjunkturflaute habe schon eingesetzt. Die Beibehaltung von ZIRP könne wohl noch bis 2015 erwartet werden. Bisher seien für rund USD 2,3 Billionen Staatsanleihen und Hypothekenpapiere gekauft worden. Bei einem Budgetdefizit von USD 1,352 Billionen habe die FED USD 1,673 Billionen Staatsanleihen aufgekauft. Jetzt sehe Ben Bernanke weitere quantitative Lockerungen vor.

Die in der ganzen Welt neu zu erwartenden Liquiditätsspritzen würden sich zu Billionen Beträgen addieren. Sie dürften weiter in die Finanzmärkte fließen. Anzeichen für eine Konjunkturwende gebe es nicht. Es sei der Weg in Richtung Inflation. (06.09.2012/alc/a/a)