Erweiterte Funktionen

Investments in Unternehmensanleihen auf den Prüfstand


05.03.19 13:30
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Für die Weltwirtschaft hat eine neue Konjunkturphase mit sinkenden Expansionsraten begonnen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Für die Unternehmen bedeute dies im Großen und Ganzen Druck auf die Unternehmensgewinne, wenn steigende Kosten nicht mehr durch ausreichend höheren Absatz gedeckt würden. Bei einer hohen Verschuldung, z.B. durch Unternehmensanleihen gerate der Schuldendienst (SollZinsen + Tilgungen) in Bedrängnis. Nach Ermittlungen des Institute of International Finance hätten Ende letzten Jahres etwa 17% der öffentlich notierten US-Unternehmen Schwierigkeiten gehabt, ihre Soll-Zinsen zu bezahlen. Hinzuweisen sei auch auf die allgemeinen hoch in US-Dollar verschuldeten Unternehmen in Schwellenländern.

Die weltweit ausstehenden Kredite in Form von Unternehmensanleihen von Nicht-Finanzunternehmen hätten Ende 2018 ein Rekordniveau von fast 13 Billionen US-Dollar erreicht. Dies sei laut eines neuen OECD-Berichts doppelt so viel wie vor der Finanzkrise 2008. Der "Bericht Corporate Bond Markets in a Time of Unconventional Monetary Policyt" zeige, dass Nicht-Finanzunternehmen ihre Kreditaufnahme in Form von Unternehmensanleihen drastisch erhöht hätten.

Zwischen 2008 und 2018 seien weltweit Unternehmensanleihen im Wert von durchschnittlich 1,7 Billionen US-Dollar pro Jahr ausgegeben worden, verglichen mit einem Jahresdurchschnitt von 864 Milliarden US-Dollar in den Jahren vor der Krise. Anleihen chinesischer Unternehmen, die vor der Krise 2008 noch so gut wie keine Rolle gespielt hätten, würden sich inzwischen auf den zweitgrößten Betrag unter allen Volkswirtschaften summieren.

Doch wie sei es zu diesem Boom an Unternehmensanleihen gekommen und warum hätten Kreditgeber diese in so hohem Maße gezeichnet? Auf den weltweiten Konjunktureinbruch in 2008 hätten die wichtigsten Zentralbanken mit einer Nullzinspolitik ZIRP oder gar negativen Leitzinsen NIRP und mit "quantitativen Lockerungen" (QE) reagiert, indem sie (meist) Regierungsanleihen in hohem Maße aufgekauft hätten. Dadurch seien weltweit Investoren auf der Suche nach lukrativen Anlagen gezwungen worden, statt in den Geldmarkt und den für Staatsanleihen auszuweichen in Unternehmensanleihen und Obligationen mit niedrigerem Rating und längeren Laufzeiten.

Inzwischen aber hätten größere Zentralbanken wie die FED oder die EZB ihre Geldpolitik modifiziert und ihre QE-Aufkaufprogramme eingestellt. Zwar würden von den Finanzmärkten keine Erhöhungen der Leitzinsen erwartet, aber der Ankauf von Staatsanleihen sei sehr in die Kritik geraten, stelle er doch nicht anderes dar als die Finanzierung staatlicher Schulden durch die Notenpresse. Und die Fiskalpolitik dürfte in 2019 ihre Emissionstätigkeit wegen sinkender Steuereinnahmen auf neue Rekordwerte steigern.

Zur Tilgung fällige Unternehmensanleihen würden in der Regel durch neue Kredite finanziert. Ende 2018 habe sich der Refinanzierungsbedarf von Unternehmensanleihen binnen drei Jahren in den industrialisierten Volkswirtschaften auf USD 2,9 Billionen und in den Schwellenländern auf USD 1,3 Billionen gestellt. Die Summe von rund USD 4 Billionen entspreche in etwa der Bilanzsumme der FED.

Bei diesen Marktverhältnissen müsse damit gerechnet werden, dass bei der Refinanzierung ungünstigere Konditionen von hoch verschuldeten Unternehmen in Kauf genommen werden müssten. Das Ausfallrisiko werde für die Kreditoren deutlich höher. Die sensiblen Finanzmärkte dürften darauf frühzeitig mit Kursabschlägen reagieren.

Die Zeit ist gekommen, bestehende oder geplante Engagements in Unternehmensanleihen hinsichtlich ihrer Bonität auf den Prüfstand zu stellen, so Dr. Eberhardt Unger. Könne der Zinsvorsprung das Kreditausfallrisiko decken? (05.03.2019/alc/a/a)