Erweiterte Funktionen

Investoren greifen häufiger zu Senior Loans


27.03.14 16:21
ING Investment Management

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Die weltweite Investorennachfrage nach Senior Loans wächst, so die Experten von ING Investment Management (ING IM).

Der wichtigste Grund für das steigende Interesse seien die variable Verzinsung und die sehr kurze Duration der Anlageklasse, weil durationsbedingte Risiken - also Kursverluste bei steigenden mittel- und langfristigen Zinsen - bei Loans kaum zu erwarten seien. Für Investoren sei das ein Schlüsselthema, denn die vorherrschende Erwartung sei, dass die Zinsen in den USA und im Rest der Welt in Zukunft steigen würden.

Im Gegensatz etwa zu Hochzinsanleihen, die ebenfalls einen Zinsaufschlag gegenüber sicheren Rentenanlagen bieten, aber eine längere Duration aufweisen würden, sollten Senior Loans im Jahr 2014 sowohl bei der Kursentwicklung als auch im Hinblick auf den Kuponzins attraktive Anlagechancen bieten. Wegen ihrer geringeren Zinssensitivität dürften Loans zudem weniger volatil abschneiden als andere Rentensegmente, vor allem bei Zinsschritten oder negativen Makro-Ereignissen.

Ein weiterer Vorteil der Loans gegenüber Hochzinsanleihen sei die erstrangige Besicherung. Komme es zum Ausfall, würden die Darlehen als hochrangigste Schuldtitel in der Kapitalstruktur von Unternehmen als erste bedient. Die Erlösquoten seien in der Vergangenheit deshalb immer höher gewesen als bei unbesicherten Schuldtiteln. Ohnehin seien die Ausfallraten derzeit sehr niedrig, und es sei zu erwarten, dass sie noch mindestens zwei Jahre lang niedrig bleiben würden.

Auch ihre Diversifikationseigenschaften würden für Senior Loans sprechen. Vorrangige, besicherte Unternehmenskredite würden negativ mit zahlreichen festverzinslichen Anleihen aus dem Investment-Grade-Sektor mit längerer Duration korrelieren. Loans würden sich deshalb gut als Beimischung eignen, um das Risiko im Gesamtportfolio zu senken.

Die Volatilität der Loans habe in der Vergangenheit meist nur die Hälfte der Anleihevolatilität und etwa ein Drittel der Volatilität der wichtigsten Aktienmärkte betragen. Dafür seien die Nettoerträge tendenziell niedriger als bei Hochzinsanleihen, und die Gebühren bei Loan-Anlagen würden höher ausfallen als bei standardisierten Anleiheportfolios.

Fündig würden Loan-Investoren inzwischen auf beiden Seiten des Atlantiks, doch der europäische Markt habe nur ein Fünftel des Volumens des US-Pendants. Dort sorge eine breite Anlegerbasis für einen großen und gut etablierten Sekundärmarkt mit hoher Liquidität.

Loans seien in den USA seit Jahren etabliert, und der größte Teil der Kreditnehmer werde von mindestens einer unabhängigen Ratingagentur bewertet. In Europa komme der Trend zum Rating bei kleineren und mittelgroßen Firmen erst jetzt an. Asien sei im internationalen Loans-Geschäft nicht prominent vertreten, weil dort Unternehmen Kredite meist vor Ort aufnehmen und dieser seltener syndiziert und verkauft würden.

Insgesamt entwickele sich das Senior-Loan-Angebot sehr positiv, die Neuemissionstätigkeit sei sowohl in den USA als auch in Europa rege. Ein Grund sei, dass Unternehmen sich bei der Wahl zwischen Krediten und Anleihen zur Kapitalaufnahme im Umfeld steigender Zinsen eher für Kredite entscheiden würden.

Einige institutionelle Investoren, wie etwa Private-Equity-Gesellschaften, würden auch direkte Kreditbeziehungen mit Schuldnerunternehmen mittlerer oder kleinerer Größe eingehen. Auf diese Weise werde eine Finanzierungslücke geschlossen, denn Banken seien derzeit wenig geneigt, an Non-Investment-Grade-Firmen Kredite auszureichen, obwohl der Darlehensbedarf hoch sei.

Es helfe deshalb, dass Kapital aus den USA derzeit nach Europa fließe, denn Unternehmen aus Europa würden zunehmend auf US-Dollar lautenden Kredittranchen am Primärmarkt begeben, und US-Anleger würden häufiger die europäischen Sekundärmärkte nutzen.

Es gebe gute Gründe auch für deutsche Investoren, sich der hierzulande noch recht jungen Anlageklasse Senior Loans zuzuwenden. Regulatorische Änderungen könnten es künftig zudem leichter machen, diese Papiere auch in Master Fonds aufzunehmen. Wer selber keine direkten Loan-Engagements aufbauen wolle, könne auf spezialisierte Asset Manager setzen. Die Anbieterzahl in Deutschland sei allerdings überschaubar, denn Senior Loans seien noch immer kein Standardprodukt und hierzulande nur institutionellen Investoren vorbehalten. (27.03.2014/alc/a/a)