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Ist das der Abschied von der Zinswende?
26.10.15 11:11
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In atemberaubender Schnelle ändern sich die Erwartungen der Finanzmärkte über die bevorstehende Zinswende, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Seit einem Jahr weise Janet Yellen auf die Notwendigkeit einer Normalisierung der Zinsstrukturkurve hin und habe für die 1. Zinserhöhung in wohlgesetzten Worten erst den September angekündigt, doch dies dann auf Dezember verschoben. Jetzt erhöhe sich an den Märkten sogar die Einschätzung, dass es überhaupt nicht zu einer Zinswende komme. In den USA lägen die Renditen der Treasuries bis zu 6 Monaten bei 0,0%.
Immer mehr Länder würden sogar negative Renditen ausweisen. Die Liste werde angeführt von der Schweiz mit -0,24% für zehn Jahre. In Deutschland seien Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von bis zu sechs Jahren nur noch mit einer negativen Rendite zu erwerben. Negativ seien die Renditen bis zu drei Jahren auch in Finnland, Österreich, Belgien, Niederlande, Frankreich u.a. Selbst in Italien seien die Renditen unter einem Jahr negativ. Die Refinanzierungsbedingungen seien bereits jetzt so vorteilhaft, dass sich daraus kaum Argumente für eine Ausweitung des EZB-Kaufprogramms ableiten lassen würden, wie sie Draghi jetzt angekündigt habe.
Diese Wende in den Erwartungen komme in der Hauptsache vom Konjunkturverlauf in den USA und in China. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt würden enttäuschende Indikatoren aufzeigen. Sie hätten Auswirkungen auf die Schwellenländer und die exportorientierten Volkswirtschaften. In den USA sei die Industrieproduktion in Q2/15 um 2,5% und im August um 0,4% gesunken. Das Verarbeitende Gewerbe zeige Schwäche in der Autoindustrie und den Zulieferern. Der ISM-Index liege für September nur noch bei 50,2.
In der Volksrepublik sinke die Zuwachsrate in der Industrieproduktion schon seit 2010. Von 2000 bis 2010 sei die Industrieproduktion noch um durchschnittlich 15% jährlich gestiegen, in 2014 um 8%. Im August habe die Rate aber noch um 6% über dem Vorjahr gelegen. Die Beruhigung in China sei der wesentliche Grund für den anhaltenden Verfall der Rohstoffpreise und die Abschwächung im Welthandel.
Unternehmen in der Eurozone würden die Produktion drosseln; im August ein Minus von 0,5% M/M nach aufwärts revidiert +0,8% M/M im Juli. Die Zahlen für Juli und August würden jedoch immer noch ein Wachstum des BIP in Q3 von 0,4% bis 0,5% möglich erscheinen lassen. Andere Frühindikatoren würden trübe Aussichten für den weiteren Verlauf des Welthandels geben.
Der bekannteste Indikator für die weltweiten Kosten der Schiffsfracht, der Baltic Dry Index, teste gerade den tiefsten jemals gemessenen Stand. Er messe die Kosten der Schiffsfracht für Schüttgüter (von Eisenerz bis Weizen). Er gelte als recht zuverlässiger Indikator, da er auf langfristigen Lieferverträgen erfahrener Handelspartner basiere. Und diese würden ihre Geschäftsaussichten offensichtlich sehr verhalten einschätzen.
Die Finanzmärkte würden sich andererseits auch über die sich verändernden Zinsperspektiven freuen. An den Aktienbörsen hätten sich die meisten Kurse wieder teilweise erholen können. Die Inflationsraten im Konsumbereich lägen weiter bei 0%, doch in der Hauptsache wegen der stark gesunkenen Energie- und Rohstoffpreise. Ohne US-Zinsfantasie würden die Abwärtsrisiken für die US Valuta steigen. In den Schwellenländern wäre ein schwächerer US-Dollar jedoch hochwillkommen, weil dadurch die Bedienung des hohen, in USD denominierten Schuldenbergs leichter werde.
Die Konjunkturperspektiven würden sich in der ganzen Welt eintrüben. Besonders enttäuschend seien die Frühindikatoren für die beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Das sehe ganz nach "japanischen Verhältnissen" aus. Doch die Notenbanken hätten "ihr Pulver" weitgehend verschossen und die Rückkehr zu einer Normalität in der Zinsstruktur längst verpasst.
Diese Rückkehr zur Normalität sei jetzt sehr schwierig geworden, und sie werde bei einem Festhalten an der ultra-expansiven Geldpolitik noch schwieriger werden. ZIRP und NIRP würden die Blasenbildung fördern, da sie Sparer und Anleger in einen Anlagenotstand drängen würden. Liquidität und ein angemessener Depotanteil in Edelmetallen sei anzuraten. (26.10.2015/alc/a/a)
Seit einem Jahr weise Janet Yellen auf die Notwendigkeit einer Normalisierung der Zinsstrukturkurve hin und habe für die 1. Zinserhöhung in wohlgesetzten Worten erst den September angekündigt, doch dies dann auf Dezember verschoben. Jetzt erhöhe sich an den Märkten sogar die Einschätzung, dass es überhaupt nicht zu einer Zinswende komme. In den USA lägen die Renditen der Treasuries bis zu 6 Monaten bei 0,0%.
Immer mehr Länder würden sogar negative Renditen ausweisen. Die Liste werde angeführt von der Schweiz mit -0,24% für zehn Jahre. In Deutschland seien Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von bis zu sechs Jahren nur noch mit einer negativen Rendite zu erwerben. Negativ seien die Renditen bis zu drei Jahren auch in Finnland, Österreich, Belgien, Niederlande, Frankreich u.a. Selbst in Italien seien die Renditen unter einem Jahr negativ. Die Refinanzierungsbedingungen seien bereits jetzt so vorteilhaft, dass sich daraus kaum Argumente für eine Ausweitung des EZB-Kaufprogramms ableiten lassen würden, wie sie Draghi jetzt angekündigt habe.
Diese Wende in den Erwartungen komme in der Hauptsache vom Konjunkturverlauf in den USA und in China. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt würden enttäuschende Indikatoren aufzeigen. Sie hätten Auswirkungen auf die Schwellenländer und die exportorientierten Volkswirtschaften. In den USA sei die Industrieproduktion in Q2/15 um 2,5% und im August um 0,4% gesunken. Das Verarbeitende Gewerbe zeige Schwäche in der Autoindustrie und den Zulieferern. Der ISM-Index liege für September nur noch bei 50,2.
Unternehmen in der Eurozone würden die Produktion drosseln; im August ein Minus von 0,5% M/M nach aufwärts revidiert +0,8% M/M im Juli. Die Zahlen für Juli und August würden jedoch immer noch ein Wachstum des BIP in Q3 von 0,4% bis 0,5% möglich erscheinen lassen. Andere Frühindikatoren würden trübe Aussichten für den weiteren Verlauf des Welthandels geben.
Der bekannteste Indikator für die weltweiten Kosten der Schiffsfracht, der Baltic Dry Index, teste gerade den tiefsten jemals gemessenen Stand. Er messe die Kosten der Schiffsfracht für Schüttgüter (von Eisenerz bis Weizen). Er gelte als recht zuverlässiger Indikator, da er auf langfristigen Lieferverträgen erfahrener Handelspartner basiere. Und diese würden ihre Geschäftsaussichten offensichtlich sehr verhalten einschätzen.
Die Finanzmärkte würden sich andererseits auch über die sich verändernden Zinsperspektiven freuen. An den Aktienbörsen hätten sich die meisten Kurse wieder teilweise erholen können. Die Inflationsraten im Konsumbereich lägen weiter bei 0%, doch in der Hauptsache wegen der stark gesunkenen Energie- und Rohstoffpreise. Ohne US-Zinsfantasie würden die Abwärtsrisiken für die US Valuta steigen. In den Schwellenländern wäre ein schwächerer US-Dollar jedoch hochwillkommen, weil dadurch die Bedienung des hohen, in USD denominierten Schuldenbergs leichter werde.
Die Konjunkturperspektiven würden sich in der ganzen Welt eintrüben. Besonders enttäuschend seien die Frühindikatoren für die beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Das sehe ganz nach "japanischen Verhältnissen" aus. Doch die Notenbanken hätten "ihr Pulver" weitgehend verschossen und die Rückkehr zu einer Normalität in der Zinsstruktur längst verpasst.
Diese Rückkehr zur Normalität sei jetzt sehr schwierig geworden, und sie werde bei einem Festhalten an der ultra-expansiven Geldpolitik noch schwieriger werden. ZIRP und NIRP würden die Blasenbildung fördern, da sie Sparer und Anleger in einen Anlagenotstand drängen würden. Liquidität und ein angemessener Depotanteil in Edelmetallen sei anzuraten. (26.10.2015/alc/a/a)


