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Kapitalmärkte: Negative Zinsen sind nicht optimal ebenso wenig wie eine restriktive Fiskalpolitik


29.04.16 09:56
IKB Deutsche Industriebank

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die geldpolitische Ausrichtung der EZB ist in den letzten Monaten deutlich expansiver geworden, so die Analysten der IKB Deutsche Industriebank AG.

Grund sei vor allem die Sorge um die globale Konjunktur gewesen. Inzwischen scheine sich diese Unsicherheit etwas zu legen. Chinesische Konjunkturdaten würden ebenso wie der globale Handel für etwas Entwarnung sorgen. Auch in der Euro-Zone hätten sich die Konjunkturbefürchtungen bisher nicht erfüllt. PMI-Indikatoren wichtiger Euroländer würden nach wie vor auf ein moderates Wachstum hindeuten. Der Arbeitsmarkt zeige ebenfalls Verbesserungen, wenn auch nur in kleinen Schritten. So stehe die EZB vor allem aus deutscher Sicht in der Kritik, eine gewisse Überambition zu zeigen.

Insbesondere werde der negative Einlagenzinssatz kritisiert. Seine Effektivität, aber auch die Gefahr von unerwünschten Nebeneffekten stünden im Fokus. Der Erfolg anderer Notenbanken mit negativen Zinsen wie in der Schweiz, Dänemark oder Japan sei zwar ebenso umstritten; doch die EZB scheine nach wie vor von ihrer Politik überzeugt zu sein, auch wenn sie zugebe, dass eine länger andauernde Phase von äußerst niedrigen Zinsen durchaus unerwünschte Nebeneffekte haben könnte. Zu nennen wären hier negative Zinsen für private Sparer sowie ein erhöhter Profitabilitätsdruck für Banken, der sich kontraproduktiv auf die Kreditvergabe auswirken könnte.

Doch die aktuellen negativen Zinsen in der Euro-Zone müssten im Kontext der gesamten Maßnahmen und Herausforderungen gesehen werden. EZB-Präsident Draghi habe es auf den Punkt gebracht, als er darauf hingewiesen habe, dass es in den letzten vier Jahren nur die EZB gegeben habe, die konjunkturstützende Maßnahmen umgesetzt habe. Sicherlich habe sich der fiskalpolitische Raum erst ergeben müssen, doch mit den aktuellen Renditen habe die Fiskalpolitik bedeutenden Handlungsspielraum gewonnen. Skeptiker würden hierbei auf einen möglichen reduzierten Handlungsdruck der Staaten verweisen, ihre Sparmaßnahmen umzusetzen. Die eigentliche Gefahr in der Euro-Zone liege jedoch in der grundsätzlichen Reformmüdigkeit und somit in den langfristigen Wachstumsperspektiven, die der Notenbank relativ wenig Alternativen lassen würden.

Nicht wegen der EZB seien die Zinsen niedrig, sondern eher wegen der passiven Fiskalpolitik. So sei es auch diese Politik, die für die außerordentlich expansive und womöglich an ihre Grenzen stoßende Geldpolitik verantwortlich sei. Nicht die Abschaffung oder das Horten von Bargeld sollte deshalb diskutiert werden, sondern die Rolle der Fiskalpolitik in einem Umfeld, in dem Notenbankpolitik nicht mehr optimal sein könne.

Die kurz-, wie auch mittelfristigen Wachstumsaussichten der Euro-Zone seien durch die aktuelle Reformmüdigkeit eher begrenzt. Dies spreche für anhaltende niedrige Renditen. Doch mit einer Inflationsrate, die gemäß IKB-Schätzungen Ende 2016 bei rund 1% liegen sollte, und einer Wirtschaft, die - wenn auch nur moderat - wachse, seien die aktuellen Renditen deutscher Staatsanleihen als nicht nachhaltig einzuschätzen.

Die FED halte sich mit der Fortsetzung ihrer Zinswende weiter bedeckt. Im Fokus stünden klar die Einflüsse einer Zinsanhebung auf die Wirtschaft und weniger die Konsequenzen eines langfristig niedrigen Zinsniveaus. So werde die FED auch nur agieren, wenn ihr die Realwirtschaft und der Außenwert des USD den Raum dafür geben würden. Die IKB erwarte zwei FED-Zinsanhebungen 2016 sowie eine kurzfristige Aufwertung des USD gegenüber dem Euro.

Ein Ja zu einem Austritt Großbritanniens aus der EU wäre eine schlechte Nachricht für Europa unabhängig von den Implikationen für das Königreich. Denn werde die britische Wirtschaft im Fall ihres Austritts durch unklare Handelsbeziehungen (auch mit Drittländern) belastet, dann werde auch Europa in Mittleidenschaft gezogen, und das nicht alleine nur wegen der Handelsbeziehungen. So würden Befürworter eines Brexit von bevorzugten Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU im Falle eines Austritts ausgehen. Würden sich dann die pessimistischen Prognosen für Großbritannien als übertrieben erweisen oder die Briten bekämen einen Sonderstatus, so würde dies die europäische Gemeinschaft und Solidarität alles andere als festigen. (Ausgabe April 2016) (29.04.2016/alc/a/a)