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Die Kehrseiten moderner Geldpolitik
02.06.20 12:00
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Aktienmärkte zeigen derzeit wieder eindrucksvoll die neue Denkweise, die seit einigen Jahren an den Finanzmärkten, aber auch bei Zentralbanken und Wirtschaftspolitikern herrscht, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Die Aktienindices würden in Richtung Allzeithoch trotz verheerender Konjunkturnachrichten und höchst fragwürdiger Aussichten steigen, nur weil die Notenbanken weitere Lockerungen ihrer bereits ultra-expansiven Geldpolitik versprechen würden. Und die Märkte würden sich unerschütterlich in ihrem Glauben an dieses angebliche Allheilmittel zeigen. Wann erfolge die Ernüchterung mit der Erkenntnis, dass die Geldpolitik an ihre Grenzen gestoßen sei?
In den USA sei gemäß BEA das BIP im 1Q/2020 um 5% p. a. gefallen, eine Besserung sei nicht in Sicht. Im 2Q/2020 würden -8% p. a. und für das gesamte Jahr -6% erwartet. Für Deutschland rechne das ifo-Institut für 2020 ein BIP von -6,6%, hoffe aber unter zahlreichen Voraussetzungen auf ein Plus von 10,2% im nächsten Jahr. Wie würden die Zentralbanken reagieren? Mit einer beispiellosen Ausweitung der Geldmenge M2. Die FED habe M2 in den letzten 10 Jahren um USD 10 Billionen erhöht, doch allein in den letzten zehn Tagen um USD 2,25 Billionen.
Der amerikanische Volkswirt Irving Fisher (1867 - 1947) sei für eine ganze Reihe wirtschaftswissenschaftlicher Gleichungen berühmt geworden. Nach seiner Quantitätsgleichung sei die in einem Jahr umgesetzte Geldmenge M multipliziert mit der Geldumlaufgeschwindigkeit V gleich der Produktion von Gütern und Leistungen Y multipliziert mit der Teuerungsrate P. Somit: M x V = Y x P. Die monetäre Seite einer Volkswirtschaft spiegele sich in der fundamentalen. Danach seien Geldmenge M und Geldumlaufgeschwindigkeit V direkt proportional zu den konjunkturellen Aktivitäten einer Volkswirtschaft.
Wenn man sich diesen Zusammenhang vor Augen halte, dann sei das Chart (Quelle: FED) umso ernüchternder. Die starke Steigerung der Geldmenge M durch gigantische Summen von QE nütze überhaupt nichts, wenn gleichzeitig die Umlaufgeschwindigkeit V sinke. Bei gleich bleibendem M × V stagniere die Volkswirtschaft oder die Preise P würden steigen. Alle Versprechungen einer besseren Konjunktur durch ZIRP und QE seien eine Farce. Die Geldpolitik sei bereits über das Ziel hinausgeschossen. Eine Verlängerung der ultra-expansiven Geldpolitik (möglicherweise durch noch mehr QE) durch die FED und die EZB in 2020 werde als nutzlos verpuffen. Ungeachtet dessen würden die Zentralbanken in der ganzen Welt die umlaufende Geldmenge erhöhen.
Folgerung: Die Geldpolitik sei an ihre Grenzen gestoßen. Noch mehr Geldvolumen wirke kontraproduktiv. Die Konjunkturoptimisten würden im Fantasieland leben. Das Finanzsystem werde gefährdet. Investoren würden auf der Suche nach einem "sicheren Hafen" bleiben. (Ausgabe vom 01.06.2020) (02.06.2020/alc/a/a)
Die Aktienindices würden in Richtung Allzeithoch trotz verheerender Konjunkturnachrichten und höchst fragwürdiger Aussichten steigen, nur weil die Notenbanken weitere Lockerungen ihrer bereits ultra-expansiven Geldpolitik versprechen würden. Und die Märkte würden sich unerschütterlich in ihrem Glauben an dieses angebliche Allheilmittel zeigen. Wann erfolge die Ernüchterung mit der Erkenntnis, dass die Geldpolitik an ihre Grenzen gestoßen sei?
Der amerikanische Volkswirt Irving Fisher (1867 - 1947) sei für eine ganze Reihe wirtschaftswissenschaftlicher Gleichungen berühmt geworden. Nach seiner Quantitätsgleichung sei die in einem Jahr umgesetzte Geldmenge M multipliziert mit der Geldumlaufgeschwindigkeit V gleich der Produktion von Gütern und Leistungen Y multipliziert mit der Teuerungsrate P. Somit: M x V = Y x P. Die monetäre Seite einer Volkswirtschaft spiegele sich in der fundamentalen. Danach seien Geldmenge M und Geldumlaufgeschwindigkeit V direkt proportional zu den konjunkturellen Aktivitäten einer Volkswirtschaft.
Wenn man sich diesen Zusammenhang vor Augen halte, dann sei das Chart (Quelle: FED) umso ernüchternder. Die starke Steigerung der Geldmenge M durch gigantische Summen von QE nütze überhaupt nichts, wenn gleichzeitig die Umlaufgeschwindigkeit V sinke. Bei gleich bleibendem M × V stagniere die Volkswirtschaft oder die Preise P würden steigen. Alle Versprechungen einer besseren Konjunktur durch ZIRP und QE seien eine Farce. Die Geldpolitik sei bereits über das Ziel hinausgeschossen. Eine Verlängerung der ultra-expansiven Geldpolitik (möglicherweise durch noch mehr QE) durch die FED und die EZB in 2020 werde als nutzlos verpuffen. Ungeachtet dessen würden die Zentralbanken in der ganzen Welt die umlaufende Geldmenge erhöhen.
Folgerung: Die Geldpolitik sei an ihre Grenzen gestoßen. Noch mehr Geldvolumen wirke kontraproduktiv. Die Konjunkturoptimisten würden im Fantasieland leben. Das Finanzsystem werde gefährdet. Investoren würden auf der Suche nach einem "sicheren Hafen" bleiben. (Ausgabe vom 01.06.2020) (02.06.2020/alc/a/a)


