Kein Ende bei der EZB-Politik des billigen Geldes in Sicht


02.10.15 10:15
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrem Kaufprogramm für Anleihen eher noch einen Schnaps oben drauf legen wird, orakelten wir bereits vor zwei Wochen, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Hätten sich doch zuletzt führende Notenbanker - einschließlich Mario Draghi - bereit gezeigt, die Geldschleusen falls nötig noch weiter zu öffnen, nachdem die EZB ihre Inflationserwartungen und die Wachstumsprognose gesenkt hätten. Im Jahresvergleich stark gefallene Ölpreise würden weiter für erheblichen Druck auf die Teuerung in der Eurozone sorgen.

So sei die Inflation im Euroraum im September erstmals seit März wieder auf minus 0,1% gefallen, was die EZB unter anhaltenden Zugzwang setze. Von der Zielinflationsgröße in Höhe von rund 2% seien die Notenbanker jedenfalls weit entfernt.

Nun werde die ABN Amro konkret mit ihrer Prognose, dass der Schnaps oben drauf rund 20 Mrd. EUR betragen möge, um den die EZB ihr Ankaufprogramm pro Monat auf dann 80 Mrd. EUR aufstocken werde. Bisher habe gegolten, dass das Programm bis September 2016 laufen solle, allerdings dürfte sich Mario Draghi auch hier eine Hintertür zur Verlängerung offen halten. Vor diesem Hintergrund sähen die Strategen der ABN Amro die Renditen zehnjähriger Bunds bei 0,50% gegenüber 0,70% zuvor.

Auch Standard & Poor's (S&P) gehe von einer Verlängerung der Anleihekäufe durch die EZB aus. Die Ratingagentur erwarte, dass der geplante Kaufstopp von September 2016 auf Mitte 2018 verschoben werde. Dies würde rein rechnerisch eine Ausweitung des Kaufvolumens von 1,1 Billionen auf 2,4 Billionen EUR bedeuten. Der Markt stimme sich also auf eine Geldschwemme ein, die deutlich länger anhalten werde, als zunächst gedacht. Wie lange die Politik des billigen Geldes andauere, werde damit immer ungewisser.

Völlig anders präsentiere sich die Situation in Indien. Dort habe die Zentralbank den Leitzins bereits zum vierten Mal in diesem Jahr gesenkt. Die Wirtschaft erhole sich zaghaft und solle durch niedrigere Zinsen weiter angeschoben werden, habe die Notenbank erklärt. Im Gegensatz zu vielen westlichen Ländern habe Indiens Notenbank noch genügend Spielraum nach unten. Der Leitzins sei um 0,5 Punkte auf 6,75% gesenkt worden - und stehe damit so niedrig wie seit vier Jahren nicht mehr.

Nachdem die US-Notenbank die Leitzinserhöhung immer wieder auf die lange Bank geschoben habe, habe FED-Chefin Janet Yellen nun doch ein deutliches Signal gesetzt. So habe sie vergangene Woche in einer Rede gesagt, eine Zinserhöhung "später im Jahr" sei angemessen. Voraussetzung sei, dass sich der US-Arbeitsmarkt weiter verbessere und sich die Inflation in Richtung der Marke von 2% bewege.

Während des Vortrags habe Yellen die US-Wirtschaft als grundsätzlich "solide" gekennzeichnet und habe gesagt, sie erwarte eine Anhebung des Leitzinses im 4. Quartal des laufenden Jahres. In der Folge gehe sie über die Zeit verteilt von weiteren moderaten Zinssteigerungen aus. Aber wirklich festlegen wollen habe sich die FED-Chefin Yellen dann aber auch nicht und habe angefügt: "Wenn die Wirtschaft uns überrascht, werden wir unsere Urteile über eine angemessene Geldpolitik ändern." Noch vor zwei Wochen habe die FED eine Zinserhöhung erneut verschoben, was Kursrückgänge an den internationalen Finanzmärkten zur Folge gehabt habe.

Yellens Einschätzung sei nun von dem Chef der regionalen US-Notenbank von New York, William Dudley, bekräftigt worden, der starke Argumente für eine Leitzinsanhebung "noch in diesem Jahr" sehe. Die Entscheidung hänge letztendlich jedoch von den Wirtschaftsdaten und nicht vom Kalender ab.

Es sei allerdings nicht zu erwarten, dass die Zinswende bereits zum nächst möglichen Termin im Oktober kommen werde. Das Ende der Nullzinspolitik dürfte eher erst mit den Adventsglocken im Dezember eingeläutet werden.

Nachdem die Corporate Bonds des Minenbetreibers und Rohstoffhändlers Glencore in den letzten Tagen von Panikverkäufen gebeutelt drastisch an Wert verloren hätten, hätten sich die Titel gestern leicht erholt gezeigt. So sei ein bis Januar 2019 laufender Bond des Konzerns am Montag auf sein Jahrestief von 74,50% gefallen. Anschließend habe sich das Papier wieder leicht erholt und stehe aktuell auf einem Niveau von ca. 83,55%. Anfang April habe der Titel noch bei knapp über 100,00% notiert. Ähnlich sei die Entwicklung bei einer Glencore-Anleihe mit Fälligkeit im April 2026 verlaufen, die binnen einer Woche von 91,30% auf 72,30% abgestürzt sei. Der Titel zeige sich aktuell leicht erholt bei ca. 78,50%.

Hintergrund der Entwicklung sei die Sorge um den drastischen Verfall der Rohstoffpreise sowie die hohe Verschuldung von Glencore in Höhe von rund 30 Mrd. Dollar. Entscheidend sei nun die Frage, ob das Ausmaß an Verbindlichkeiten bei einem anhaltend niedrigen Rohstoffpreisniveau existenzbedrohend für den Bergbaukonzern werden könne.

Auch ArcelorMittal sei in diesen Abwärtssog geraten, was am Beispiel einer Anleihe (ISIN XS1214673722 / WKN A1ZZN5) des Stahlkonzerns mit Fälligkeit im April 2021 verdeutlicht werden könne. Der Bond habe innerhalb einer Woche mehr als 10 Prozentpunkte von 95,60% auf 85,28% verloren und habe gestern wieder leicht auf ca. 86,89% zugelegt.

Der Kelch eines erneuten "Government shutdown" in Washington sei an der amerikanischen Gesellschaft vorübergegangen. Eine drohende Lähmung der größten Volkswirtschaft der Welt bleibe den Märkten erspart. Die republikanische Partei, die in der Vergangenheit mehrfach mit dem Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Staates gespielt habe, habe sich dieses Mal darauf besonnen, mit US-Präsident Barack Obama über ein zweijähriges Haushaltsziel zu verhandeln.

Der scheidende Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner, habe die Frage verneint, ob es denn in den kommenden Tagen einen solchen "shutdown" geben werde. Vielmehr werde der Senat in dieser Woche eine entsprechende Resolution verabschieden und die zweite Kammer, das Repräsentantenhaus, dürfte dieser folgen. Somit könne der Haushalt passieren. Am 1. Oktober beginne in den USA das neue Haushaltsjahr. Bis dahin müssten sich Senat, Repräsentantenhaus und Präsident über die Verteilung der Haushaltsmittel einig sein.

Streitpotenzial beinhalte vor allem die Organisation Planned Parenthood, die Frauen Gesundheitsberatung anbiete und Abtreibungen vornehme, für die nach eigenen Angaben aber keine Gelder aus Bundesmitteln verwendet würden. Die Organisation werde von radikalen Abtreibungsgegnern unter den Republikanern auf dogmatische Weise bekämpft.

Den vorerst letzten "shutdown" habe es 2013 gegeben. Republikanische Hardliner hätten ihre Zustimmung zu einem Haushaltsgesetz von Abstrichen bei Obamas Gesundheitsreform abhängig gemacht. Die Regierung habe mehr als 14 Tage lang teilweise schließen und Bedienstete in den Zwangsurlaub schicken müssen.

In dieser Berichtswoche hätten sich die Unternehmen mit Neuemissionen sehr zurückgehalten. Im Fokus bei den Banken hätten Themen wie die Abgaskrise bei Volkwagen, die Wachstumsangst in China oder aber der Preisverfall an den Rohstoffbörsen gestanden.

Lediglich der niederländische Versicherer ASR Nederland NV habe einen nachrangigen Bond (ISIN XS1293505639 / WKN A1Z7BV) im Volumen von 500 Mio. EUR begeben. Das Papier habe eine Laufzeit bis zum 29.09.2045. ASR habe sich allerdings diverse Sonderkündigungstermine beginnend mit dem 29.09.2025 festschreiben lassen. So könne das Papier einseitig vom Emittenten jährlich ab diesem Termin zum 29. September zu 100% gekündigt werden. Der Investor erhalte bis zum 29.09.2025 einen fixen Kupon in Höhe von 5,125% jährlich. Danach richte sich die Verzinsung nach dem dann aktuellen fünfjährigen Swapsatz +520 bps. Der Bond sei mit +420 bps über Mid Swap gepreist worden, was einen Ausgabepreis von 99,61% ergeben habe. ASR habe für diesen Bond eine Mindestanlagesumme von 100.000 EUR gewählt, deshalb richte sich diese Anleihe vorwiegend an institutionelle Investoren.

Der frühe Montagmorgen habe für einige nicht wie gewöhnlich begonnen, das Naturereignis der Mondfinsternis habe viele in seinen Bann gezogen. Der so genannte Blutmond sei allerdings auch mit negativen Vorahnungen behaftet gewesen und habe bei manchen für Unwohlbehagen gesorgt.

So oder so ähnlich müssten sich die Marktakteure beim aktuellen Börsengeschehen fühlen. Seit Tagen würden die Finanzmärkte nicht zur Ruhe kommen, zu viele negative Themen würden auf die Stimmung drücken, Unsicherheit und Nervosität seien die Folge. Dies wiederum sorge weiterhin für anhaltende Nachfrage bei deutschen Bundesanleihen, die als Zuflucht und Hort der Sicherheit in solch unsicheren Marktphasen gelten würden. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future habe somit das Niveau der Vorwoche behaupten und gar leicht ausbauen können. Das Sorgenbarometer habe seinem Namen alle Ehre gemacht und sei in der Spitze bis auf 156,53% gestiegen, damit sei das vor Wochenfrist erreichte Monatshoch egalisiert worden. Unwohlsein und Unwohlbehagen würden wohl weiterhin Wegbegleiter bei den täglichen Handelsaktivitäten bleiben, auch wenn der Blutmond bereits der Vergangenheit angehöre. Heute Morgen starte der Bund-Future wenig verändert in den Handelstag, der Dezember-Kontrakt notiere bei 156 Punkten.

Charttechnisch gesehen bilde das Hoch vom 24. August bei 156,84% den nächsten Widerstand. Trotz des Aufwärtstrends der vergangenen Wochen sollte der Blick nach unten nicht gänzlich außer Acht gelassen werden. So verlaufe die nächste Unterstützung bei 155,13% (mehrere Hochs/Tiefs September) respektive 152,75% (Tief 1. September 2015).

Viele Besucher des Münchner Oktoberfestes könnten sich nicht entscheiden, ob sie lieber ein knuspriges Hendl oder einen saftigen Steckerlfisch essen sollten. Ähnlich verhalte es sich in dieser Handelswoche auch bei der Währung der Euroländer, auch diese wisse nicht, was sie wolle.

Nach Äußerungen von Mario Draghi, dass die EZB ihr Anleihekaufprogramm weiter ausweite, habe die Gemeinschaftswährung bis auf 1,1295 USD angezogen. Doch die Freude habe nur kurz gewährt. Janet Yellen, die Chefin der amerikanischen Notenbank, habe klar geäußert, dass sie die US-Zinswende noch in diesem Jahr auf den Weg bringen möchte. Woraufhin der Euro bis auf 1,1114 USD zurückgefallen sei. Nach der Veröffentlichung von einigen Konjunkturdaten habe die Gemeinschaftswährung wieder einen Teil ihrer Verluste wettmachen können und notiere heute Morgen um die Marke von 1,115 USD.

Auf die Frage: Bratwurst mit Sauerkraut oder Feijoada, dem brasilianischen Nationalgericht, hätte wohl der Großteil der Markteilnehmer ersteres Gericht gewählt. Denn der Euro befinde sich seit Juli 2015 in einem fulminanten Aufwärtstrend, was ihn bis auf 4,7830 BRL getrieben habe. Dies sei auf eine schwere Rezession in Brasilien zurückzuführen. Das Land am Zuckerhut sei stark von seinen Rohstoffexporten abhängig, welche nach der Krise in China stark eingebrochen seien. Zu Beginn dieser Handelswoche habe der Brasilianische Real wieder etwas Morgenluft schnuppern können. Bedingt durch Stützungskäufe der brasilianischen Notenbank habe der Euro bis auf 4,3270 BRL nachgegeben. Mittlerweile sei der Effekt wieder etwas verpufft und die Gemeinschaftswährung notiere um die Marke von 4,40 BRL.

Für ein ausgewogenes Menü in ihrem Depot hätten Privatanleger in dieser Handelswoche vornehmlich Anleihen in US-Dollar, Schweizer Franken und Südafrikanischen Rand nachgefragt.

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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader und Dieter Brichmann. (02.10.2015/alc/a/a)





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