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Kommt US-Notenbank zu spät?
20.09.21 15:05
National-Bank AG
Essen (www.anleihencheck.de) - Das Zentralbanker-Symposium in Jackson Hole hatte wenig Neues gebracht, berichten die Analysten der National-Bank AG.
Im Kern habe FED-Chairman Powell rhetorisch die schrittweise Rückführung der Anleihekäufe weiter vorbereitet - was das konkrete Timing anbelange, habe sich der oberste Notenbanker der USA aber noch erhebliche Spielräume gelassen. Vor diesem Hintergrund sei derzeit schwer absehbar, ob die FED auf der Sitzung in der kommenden Woche konkreter werde. Die zumindest temporär höheren Infektionswerte sowie die schwächeren Daten vom Arbeitsmarkt sprächen im Saldo eher noch für eine abwartende Haltung.
Auf der anderen Seite sei mit Blick auf den anhaltenden Inflationsdruck natürlich immer das Risiko gegeben, dass die US-Notenbank zu spät komme, zudem müsse die Notenbank auch die rhetorische Kontinuität wahren. Es bleibe also spannend, wie genau das FOMC die auch kommunikative Aufgabe löse. Die Analysten der National-Bank AG würden aber weiterhin davon ausgehen, dass die FED höchstwahrscheinlich noch in diesem Jahr beschließen werde, die Anleihekäufe zurückzuführen, mit Blick auf die genannten Unsicherheitsfaktoren dürfte dies aber vermutlich erst zum Jahresende erfolgen.
In der EZB würden sich unterdessen die Stimmen für eine schrittweise Normalisierung der Geldpolitik mehren. So hätten die "Falken" im Rat betont, dass sowohl das Wachstum als auch die Inflationsentwicklung seitens der EZB unterschätzt worden seien. Ob die EZB tatsächlich beginnen werde, die geldpolitische Wende ein-zuleiten, sei nach Erachten der Analysten der National-Bank AG auch weiterhin höchst fraglich: Angesichts der anhaltenden Verbreitung der Delta-Variante sei davon auszugehen, dass die EZB ein Tapering weiter herauszögern werde.
Darüber hinaus werde der Preisdruck weltweit nach allgemeinem Dafürhalten perspektivisch wieder abebben. Es sei durchaus möglich, dass die strukturellen Disinflationstrends der Eurozone wieder spürbar würden. Schließlich bleibe das wirtschaftspolitische Interesse an maximaler geldpolitischer Flankierung mit Blick auf die "fiskalische Dominanz" ein zentrales, wenn nicht das letztlich handlungsleitende Motiv der europäischen Geldpolitik: Dass die obige These empirisch fundiert sei, habe jüngst auch eine Studie des ZEW-Mannheim untermauert: Demnach bestünden zwischen dem individuellen Abstimmungsverhalten im Rat und der jeweils nationalen Verschuldungssituation auch im streng statistischen Sinne signifikante Verbindungen. Zwar komme es bei solchen empirischen Untersuchungen auch immer auf die konkrete Operationalisierung der Fragestellung an - wenn Theorie und Empirie aber so eindeutig in die gleiche Richtung weisen würden, sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die These der fiskalischen Dominanz nicht so einfach von der Hand zu weisen sei.
Im Ergebnis dürfte die EZB den Gesamtrahmen für das PEPP-Programm eher weiter aufzustocken, um die Nettokäufe zunächst weiter fortzusetzen. Vor dem Hintergrund des zusehends näher rückenden Endes der ultraexpansiven Geldpolitik in den USA sollte der internationale Zinstrend weiter aufwärts gerichtet bleiben. Nach wie vor würden die Risiken mit Blick auf die Pandemie zwar erheblich bleiben, in der Summe dürfte der robuste wirtschaftliche Aufwärtstrend aber erhalten bleiben, mit der Folge, dass die Kapazitätsüberhänge an den Arbeitsmärkten weltweit weiter abgebaut werden könnten. Auf Jahressicht würden die Analysten der National-Bank AG vor dem Hintergrund der robusten globalen Perspektiven nunmehr davon ausgehen, dass die 10-jährigen Staatsanleihen in den Industrienationen ihren Aufwärtstrend auf Sicht der nächsten zwölf Monate wiederaufnehmen können sollten. Wir belassen unsere Projektionen auf den bisherigen Niveaus, so die Analysten der National-Bank AG. (Ausgabe vom 17.09.2021) (20.09.2021/alc/a/a)
Im Kern habe FED-Chairman Powell rhetorisch die schrittweise Rückführung der Anleihekäufe weiter vorbereitet - was das konkrete Timing anbelange, habe sich der oberste Notenbanker der USA aber noch erhebliche Spielräume gelassen. Vor diesem Hintergrund sei derzeit schwer absehbar, ob die FED auf der Sitzung in der kommenden Woche konkreter werde. Die zumindest temporär höheren Infektionswerte sowie die schwächeren Daten vom Arbeitsmarkt sprächen im Saldo eher noch für eine abwartende Haltung.
In der EZB würden sich unterdessen die Stimmen für eine schrittweise Normalisierung der Geldpolitik mehren. So hätten die "Falken" im Rat betont, dass sowohl das Wachstum als auch die Inflationsentwicklung seitens der EZB unterschätzt worden seien. Ob die EZB tatsächlich beginnen werde, die geldpolitische Wende ein-zuleiten, sei nach Erachten der Analysten der National-Bank AG auch weiterhin höchst fraglich: Angesichts der anhaltenden Verbreitung der Delta-Variante sei davon auszugehen, dass die EZB ein Tapering weiter herauszögern werde.
Darüber hinaus werde der Preisdruck weltweit nach allgemeinem Dafürhalten perspektivisch wieder abebben. Es sei durchaus möglich, dass die strukturellen Disinflationstrends der Eurozone wieder spürbar würden. Schließlich bleibe das wirtschaftspolitische Interesse an maximaler geldpolitischer Flankierung mit Blick auf die "fiskalische Dominanz" ein zentrales, wenn nicht das letztlich handlungsleitende Motiv der europäischen Geldpolitik: Dass die obige These empirisch fundiert sei, habe jüngst auch eine Studie des ZEW-Mannheim untermauert: Demnach bestünden zwischen dem individuellen Abstimmungsverhalten im Rat und der jeweils nationalen Verschuldungssituation auch im streng statistischen Sinne signifikante Verbindungen. Zwar komme es bei solchen empirischen Untersuchungen auch immer auf die konkrete Operationalisierung der Fragestellung an - wenn Theorie und Empirie aber so eindeutig in die gleiche Richtung weisen würden, sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die These der fiskalischen Dominanz nicht so einfach von der Hand zu weisen sei.
Im Ergebnis dürfte die EZB den Gesamtrahmen für das PEPP-Programm eher weiter aufzustocken, um die Nettokäufe zunächst weiter fortzusetzen. Vor dem Hintergrund des zusehends näher rückenden Endes der ultraexpansiven Geldpolitik in den USA sollte der internationale Zinstrend weiter aufwärts gerichtet bleiben. Nach wie vor würden die Risiken mit Blick auf die Pandemie zwar erheblich bleiben, in der Summe dürfte der robuste wirtschaftliche Aufwärtstrend aber erhalten bleiben, mit der Folge, dass die Kapazitätsüberhänge an den Arbeitsmärkten weltweit weiter abgebaut werden könnten. Auf Jahressicht würden die Analysten der National-Bank AG vor dem Hintergrund der robusten globalen Perspektiven nunmehr davon ausgehen, dass die 10-jährigen Staatsanleihen in den Industrienationen ihren Aufwärtstrend auf Sicht der nächsten zwölf Monate wiederaufnehmen können sollten. Wir belassen unsere Projektionen auf den bisherigen Niveaus, so die Analysten der National-Bank AG. (Ausgabe vom 17.09.2021) (20.09.2021/alc/a/a)


