Erweiterte Funktionen
Konjunktur: Die Monetisierung von Staatsschulden und das Ende aller Reformen
30.03.15 11:18
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat mit ihrem QE-Programm von EUR 60 Mrd. pro Monat bis September 2016, erforderlichenfalls noch mehr und länger, begonnen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Jede Woche würden EUR 15 Mrd., börsentäglich EUR 3 Mrd., Obligationen erworben. Am ersten Tag hätten EZB und nationale Notenbanken Staatsanleihen für EUR 3,2 Mrd. gekauft. In den ersten drei Tagen des Kaufprogramms seien Anleihen im Gegenwert von EUR 9,8 Mrd. erworben worden.
Die geballte Nachfrage stoße auf leere Märkte und treibe die Renditen auf breiter Front auf historische Tiefstände. Selbst längere Laufzeiten insbesondere bei den Bunds würden nur noch negative Renditen bieten. Auswirkungen (Mangel an Anlagealternativen) würden die Aktienmärkte und die Devisenkurse treiben. Weltweit hätten die Notenbanken in den letzten Jahren ihre Bilanzen um USD 12 Billionen ausgeweitet. 16% aller Anleihen in der Welt würden gar keine Renditen mehr bieten. Der Zins als Marktregulator sei außer Kraft gesetzt.
Daran werde sich so schnell nichts ändern. In Japan übernehme die BoJ dieses Jahr 100% der staatlichen Neuemissionen. In Deutschland sehe die Haushaltsplanung bis 2019 keine Neuverschuldung mehr vor, wodurch die Zentralbanken sogar 144% der staatlichen Neuemissionen aufkaufen und auf ältere, im Markt befindliche Emissionen ausweichen müssten. Dennoch sei kein Abbau der deutschen Staatsverschuldung vorgesehen.
In den USA habe die FED zwar ihr QE Programm eingestellt, doch Zinszahlungen und fällige Tilgungen würden weiter in Käufe umgesetzt. Am 20.03.2015 werde die gesetzliche Schuldenobergrenze in den USA von USD 18,149 Mrd. überschritten (BIP USD 17,7 Mrd.), doch eine erneute Erhöhung sei schon so gut wie sicher. Extrem hohe Schulden würden von den Notenbanken finanziert, eine solche Situation entgegen aller Erfahrungen habe es noch nie gegeben. Die negativen Auswirkungen würden schockieren.
Die Irrtümer: Sinkende Leitzinsen würden die Kreditaufnahme für neue Investitionen verbilligen. Die Produktion von Produktionsgütern wiederum führe zu höherer Beschäftigung, was den Konsum fördere. Multiplikatorwirkungen mit Hebelwirkung würden die Konjunktur stimulieren. Soweit die Theorie. Doch je weiter die Leitzinsen sinken würden, desto weniger würden sie zur Stimulierung nützen. Wenn ein Unternehmen nicht bei 2% investiere, werde es das auch nicht bei 1% tun aus Sorge, für die neuen Produkte keine Abnehmer zu finden.
Bei einer Senkung auf 0,5% sehe sich das Unternehmen in seiner Vorsicht bestätigt, die Konjunktur verlaufe ja viel schlechter als bisher angenommen. Bei einer Senkung auf 0% oder gar in den negativen Bereich würden die Alarmglocken schrillen, die Notenbank scheine ja einen schweren Konjunktureinbruch zu befürchten. Jetzt bloß keine neuen Investitionen vornehmen. Und dieses Verhalten belaste die Konjunktur zusätzlich. Der Grenznutzen der Leitzinssenkung sei längst erreicht, jede weitere Senkung wirke kontraproduktiv.
An Sparer, Rentenfonds oder Lebensversicherungen, die auf Zinseinnahmen angewiesen seien und ihren dadurch erzwungenen Konsumverzicht, denke bei ZIRP bzw. NIRP (negative interest rate policy) niemand. Neue Ersparnisse, die eigentlich die Investitionen finanzieren sollten, an den Geld- und Rentenmärkten anzulegen, würden durch einen realen Wertverlust bestraft, da sie nicht einmal mehr die Teuerung ausgleichen oder sogar negative Zinsen erwirtschaften würden. Anleger würden in immer riskantere Märkte getrieben. Mittel würden in Schwellenländer fließen. Der Grenznutzen der Leitzinssenkung sei längst überschritten.
Die Zinsstruktur werde verzerrt, Kredite würden nicht mehr optimal in produktive und aussichtsreiche Investitionen fließen und könnten dadurch neue Krisen auslösen. Wenn es so "leicht" werde, neue staatliche Schulden zu finanzieren, nehme der Treasurer umso lieber den Weg des geringsten Widerstandes, ohne sich um die künftige Zinsbelastung allzu viele Sorgen zu machen.
In einigen Jahren werde in den USA der größte Haushaltsposten die jährliche Zinsbelastung von USD 800 Mrd. sein. Doch schon rechne das CBO wieder mit steigenden Budgetdefiziten. Wie viel schwieriger und unpopulärer sei es doch, Steuern zu erhöhen oder gar Ausgaben zu kürzen. Reformen würden auf der Strecke bleiben, die Geld- und Budgetpolitik wirke kontraproduktiv.
Die Konjunkturentwicklung in der ganzen Welt sei zwar noch immer anfällig, doch die Sorgen vor einer Deflation hätten sich spürbar verringert. Der Rückgang der Ölpreise um 50% wirke inzwischen wie ein riesiges Stimulierungsprogramm. Konjunkturfrühindikatoren für alle wichtigen Regionen würden nicht mehr in Richtung Deflation weisen, aber auch nur einen Konjunkturtrott im Schildkrötentempo erwarten lassen. Monetäre Stimulierungen im gegenwärtigen Ausmaß seien eigentlich gar nicht mehr erforderlich.
Den Ernst der Lage und die äußerst schwierige Situation zeige die Kontroverse zwischen dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Der IWF habe die EZB noch zum Jahreswechsel zu einer deutlich aggressiveren Geldpolitik gedrängt, die BIZ dagegen habe gefordert, den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik fortzusetzen und sich nicht von leichteren Turbulenzen davon abschrecken zu lassen.
Die Notenbanken seien mit ihrer Nullzinspolitik und teils sogar negativen Zinsen vermutlich schon zu weit gegangen. Auf diesem Niveau würden bereits kontraproduktive Kräfte auf den Konjunkturverlauf wirken. Bei den Staatsbudgets habe der Reformwille zur Staatsverschuldung teils sogar vollständig abgenommen. Bei künftig höheren Sätzen für Soll-Zinsen würden die weltweiten Schulden von gegenwärtig USD 200 Billionen unbezahlbar. Anleger würden in immer riskantere Anlagen getrieben, was 2008 Hintergrund für die größte Krise der letzten 80 Jahre gewesen sei. (Ausgabe vom 29.03.2015) (30.03.2015/alc/a/a)
Jede Woche würden EUR 15 Mrd., börsentäglich EUR 3 Mrd., Obligationen erworben. Am ersten Tag hätten EZB und nationale Notenbanken Staatsanleihen für EUR 3,2 Mrd. gekauft. In den ersten drei Tagen des Kaufprogramms seien Anleihen im Gegenwert von EUR 9,8 Mrd. erworben worden.
Die geballte Nachfrage stoße auf leere Märkte und treibe die Renditen auf breiter Front auf historische Tiefstände. Selbst längere Laufzeiten insbesondere bei den Bunds würden nur noch negative Renditen bieten. Auswirkungen (Mangel an Anlagealternativen) würden die Aktienmärkte und die Devisenkurse treiben. Weltweit hätten die Notenbanken in den letzten Jahren ihre Bilanzen um USD 12 Billionen ausgeweitet. 16% aller Anleihen in der Welt würden gar keine Renditen mehr bieten. Der Zins als Marktregulator sei außer Kraft gesetzt.
Daran werde sich so schnell nichts ändern. In Japan übernehme die BoJ dieses Jahr 100% der staatlichen Neuemissionen. In Deutschland sehe die Haushaltsplanung bis 2019 keine Neuverschuldung mehr vor, wodurch die Zentralbanken sogar 144% der staatlichen Neuemissionen aufkaufen und auf ältere, im Markt befindliche Emissionen ausweichen müssten. Dennoch sei kein Abbau der deutschen Staatsverschuldung vorgesehen.
In den USA habe die FED zwar ihr QE Programm eingestellt, doch Zinszahlungen und fällige Tilgungen würden weiter in Käufe umgesetzt. Am 20.03.2015 werde die gesetzliche Schuldenobergrenze in den USA von USD 18,149 Mrd. überschritten (BIP USD 17,7 Mrd.), doch eine erneute Erhöhung sei schon so gut wie sicher. Extrem hohe Schulden würden von den Notenbanken finanziert, eine solche Situation entgegen aller Erfahrungen habe es noch nie gegeben. Die negativen Auswirkungen würden schockieren.
Die Irrtümer: Sinkende Leitzinsen würden die Kreditaufnahme für neue Investitionen verbilligen. Die Produktion von Produktionsgütern wiederum führe zu höherer Beschäftigung, was den Konsum fördere. Multiplikatorwirkungen mit Hebelwirkung würden die Konjunktur stimulieren. Soweit die Theorie. Doch je weiter die Leitzinsen sinken würden, desto weniger würden sie zur Stimulierung nützen. Wenn ein Unternehmen nicht bei 2% investiere, werde es das auch nicht bei 1% tun aus Sorge, für die neuen Produkte keine Abnehmer zu finden.
An Sparer, Rentenfonds oder Lebensversicherungen, die auf Zinseinnahmen angewiesen seien und ihren dadurch erzwungenen Konsumverzicht, denke bei ZIRP bzw. NIRP (negative interest rate policy) niemand. Neue Ersparnisse, die eigentlich die Investitionen finanzieren sollten, an den Geld- und Rentenmärkten anzulegen, würden durch einen realen Wertverlust bestraft, da sie nicht einmal mehr die Teuerung ausgleichen oder sogar negative Zinsen erwirtschaften würden. Anleger würden in immer riskantere Märkte getrieben. Mittel würden in Schwellenländer fließen. Der Grenznutzen der Leitzinssenkung sei längst überschritten.
Die Zinsstruktur werde verzerrt, Kredite würden nicht mehr optimal in produktive und aussichtsreiche Investitionen fließen und könnten dadurch neue Krisen auslösen. Wenn es so "leicht" werde, neue staatliche Schulden zu finanzieren, nehme der Treasurer umso lieber den Weg des geringsten Widerstandes, ohne sich um die künftige Zinsbelastung allzu viele Sorgen zu machen.
In einigen Jahren werde in den USA der größte Haushaltsposten die jährliche Zinsbelastung von USD 800 Mrd. sein. Doch schon rechne das CBO wieder mit steigenden Budgetdefiziten. Wie viel schwieriger und unpopulärer sei es doch, Steuern zu erhöhen oder gar Ausgaben zu kürzen. Reformen würden auf der Strecke bleiben, die Geld- und Budgetpolitik wirke kontraproduktiv.
Die Konjunkturentwicklung in der ganzen Welt sei zwar noch immer anfällig, doch die Sorgen vor einer Deflation hätten sich spürbar verringert. Der Rückgang der Ölpreise um 50% wirke inzwischen wie ein riesiges Stimulierungsprogramm. Konjunkturfrühindikatoren für alle wichtigen Regionen würden nicht mehr in Richtung Deflation weisen, aber auch nur einen Konjunkturtrott im Schildkrötentempo erwarten lassen. Monetäre Stimulierungen im gegenwärtigen Ausmaß seien eigentlich gar nicht mehr erforderlich.
Den Ernst der Lage und die äußerst schwierige Situation zeige die Kontroverse zwischen dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Der IWF habe die EZB noch zum Jahreswechsel zu einer deutlich aggressiveren Geldpolitik gedrängt, die BIZ dagegen habe gefordert, den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik fortzusetzen und sich nicht von leichteren Turbulenzen davon abschrecken zu lassen.
Die Notenbanken seien mit ihrer Nullzinspolitik und teils sogar negativen Zinsen vermutlich schon zu weit gegangen. Auf diesem Niveau würden bereits kontraproduktive Kräfte auf den Konjunkturverlauf wirken. Bei den Staatsbudgets habe der Reformwille zur Staatsverschuldung teils sogar vollständig abgenommen. Bei künftig höheren Sätzen für Soll-Zinsen würden die weltweiten Schulden von gegenwärtig USD 200 Billionen unbezahlbar. Anleger würden in immer riskantere Anlagen getrieben, was 2008 Hintergrund für die größte Krise der letzten 80 Jahre gewesen sei. (Ausgabe vom 29.03.2015) (30.03.2015/alc/a/a)


