Kriegsfolgen: Weniger Wachstum, mehr Inflation in der ganzen Welt


25.04.22 15:00
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der IWF hat jetzt seine Prognosen für die Weltwirtschaft drastisch korrigiert, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Der Krieg in der Ukraine habe neben den humanitären Auswirkungen auch einen erheblichen Einfluss auf die globalisierte Wirtschaft. Die Wachstumsraten dürften deutlich sinken, die Inflation dagegen weiter steigen. Die Richtung dieser Revisionen seien keine Überraschung, aber das Ausmaß.

Das globale Wachstum könnte sich von 6,1% im Jahr 2021 verlangsamen auf 3,6% in 2022 und 2023. Das seien 0,8 und 0,2 Prozentpunkte niedriger als noch im Januar geschätzt. Nach 2023 könnte sich das Wachstum mittelfristig auf 3,3% verlangsamen. Voraussetzung für diese Annahmen sei, dass sich der Konflikt auf die Ukraine beschränke. Die Auswirkungen seien gravierender in den Schwellen- und Entwicklungsländern als in den hochentwickelten Industrieländern. Der IWF weise auf die hohen Unsicherheiten in diesen Aussichten hin. Sie würden insbesondere den Krieg in der Ukraine, weitere Verschärfungen in den Sanktionen gegen Russland und die noch nicht übersehbaren Folgen der Pandemie in China mit dem umfangreichen Lockdown betreffen.

Die Inflation, so der IWF und die Weltbank, dürfte länger hoch bleiben als in der früheren Prognose angenommen. Sie werde geschürt durch den kriegsinduzierten Auftrieb der Rohstoffpreise und sich ausbreitendem Preisdruck. Für 2022 werde die Inflationsrate auf 5,7% in den hochentwickelten Ländern und auf 8,7% in Schwellen- und Entwicklungsländern geschätzt. Auch hier werde auf die erheblichen Unsicherheiten der Schätzungen hingewiesen. Eine Verschlechterung der Angebots-/Nachfragerelation und weitere kriegsbedingte Erhöhungen der Rohstoffpreise könnten die Inflationserwartungen weiter erhöhen und so zu einer Spirale führen.

Einen Hinweis hierauf würden die Erzeugerpreise in Deutschland geben. Sie würden der Verbraucherebene zeitlich vorauseilen. Danach würden die Großhandels-, die Einzelhandels- und die Konsumentenpreise folgen. Die Produzenten würden zwar nicht alle Erhöhungen an die Verbraucher weitergeben können, aber doch einen Teil.

Wenn sich die Anzeichen bestätigen würden, dass sich die Inflationstendenzen festsetzen würden, dann würden die Zentralbanken gezwungen sein, ihre Geldpolitik schneller an die Gegebenheiten anzupassen als bisher angenommen. Dies gelte auch dafür, dass der Inflationsdruck teilweise außerhalb des Einflusses der Zentralbanken liege. Deutlich höhere Leitzinsen würden aber das Verschuldungsproblem erhöhen. Das gelte insbesondere für die Schwellen- und Entwicklungsländer, die teilweise schon am Rande der Zahlungsunfähigkeit seien. Eine besondere Herausforderung liege im Abbau der rekordhohen Ungleichgewichte der Zentralbankbilanzen.

Welche Folgerungen seien aus dieser Zwickmühle für die Investitionen der Anleger zu ziehen? Wenn im Herbst wie vom Gesundheitsminister erwogen eine neue Variante der Corona Pandemie drohe, dann könnte sich die konjunkturelle Situation noch erheblich verschärfen. Beispiele von Finanzkrisen, die zum Zusammenbruch ganzer Volkswirtschaften geführt hätten, gebe es in der Geschichte genügend, angefangen von den römischen Denaren und Sesterzen, weiter zu den mittelalterlichen Münzrechten und den mittelitalienischen Banken, zum französischen Finanzminister John Law und der Mississippi Blase, der Tulpen-Hausse, der deutschen Inflation nach dem Ersten Weltkrieg bis zu den jüngsten Beispielen Argentinien, Venezuela, Zimbabwe und der Türkischen Lira.

Dispositionen: Die Zeit für antizyklische Investitionen sei noch nicht gekommen. Noch seien die Risiken unübersichtlich und kaum abzuwägen. Neben den fundamentalen Belastungen würden auf die Märkte auch noch Zinsängste zukommen. Empfehlenswert würden Anlagen in erneuerbaren Energien, längerfristig insbesondere in die Wasserstofftechnik bleiben. Ausreichend Liquidität erhöhe die Fähigkeit zu späteren Dispositionen. Historische Vergleiche würden weiterhin Anlagen in Edelmetallen empfehlen. (Ausgabe vom 19.04.2022) (25.04.2022/alc/a/a)






hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
7,50 % 7,60 % -0,10 % -1,32% 28.07./22:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
7,90 % 3,90 %