Die Krise als Stehaufmännchen


12.04.12 14:39
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Es ist schon frustrierend, was man tagein tagaus lesen muss, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Es gebe aktuell sicherlich schönere Jobs als den des Rentenhändlers. Die Freude über immer neue Höchstkurse sei leider auch zugleich Ausdruck von Missmanagement der Politiker. Und in diesem Zusammenhang würden einem die jüngsten Daten der Bundesbank noch zusätzlich den so dringend benötigten Schlaf rauben. Die bereits schon oft erwähnten Target2-Forderungen gegenüber der EZB würden sich zum 31. März 2012 auf 615,592 Mrd. Euro belaufen. Das entspreche annähernd dem Haushaltsbudget der Bundesrepublik Deutschland für zwei Jahre. Noch besorgniserregender sei allerdings die Geschwindigkeit des Anstiegs. Nur als rasant könne dieser bezeichnet werden, denn noch vor 31 Tagen hätten "lediglich" 547,047 Mrd. Euro zu Buche gestanden. Das entspreche einem Zuwachs von 12,5% nach "nur" 9,8% im Februar. Tendenz weiter steigend!

Da viele südliche Länder des Euroraums immer weniger Kredite aus anderen europäischen Ländern erhalten würden und sowohl die Deutsche Bundesbank, als auch die Österreichische Nationalbank keine riskanten Bankenanleihen mehr als Repo-Sicherheit akzeptieren würden, sei dieser Weg der Mittelbeschaffung vorprogrammiert. Diese Länder würden dem Euroraum angehören und hätten dadurch via EZB Zugang zur Refinanzierung. Target2 ergänze bzw. ersetze somit die private Kreditvergabe.

Es dürfe gewettet werden. Wer mache das Rennen um das nächste Hilfspaket? Portugal oder Spanien? Vielleicht sei die Nachricht über den Kapitalbedarf portugiesischer Banken ein erster Hinweis. Diese hätten sich von der Europäischen Zentralbank (EZB) so viel Geld geliehen wie noch nie zuvor. Im vergangenen Monat hätten sie sich 56,3 Mrd. Euro geborgt (+18% gegenüber Vormonat) und dieser Betrag liege sogar noch über dem bisherigen Rekordstand von 49,1 Mrd. Euro vom August 2010. Es gebe seit zwölf Monaten keine Bank mehr, über die sich die Portugiesen am Interbankenmarkt Geld leihen könnten. Darüber hinaus werde das Land von der Europäischen Union und dem Internationalem Währungsfonds durch ein Rettungspaket von insgesamt 78 Mrd. Euro gestützt. Die Löcher und die Gräben würden immer tiefer. Somit seien portugiesische Banken gezwungen, sich über einen neutralen Dritten Geld zu leihen. Und so schnell sei die EZB wieder im Spiel!

Was lange währe, werde endlich gut. Das scheine die Regierung in Athen zu hoffen. Sie verschiebe immer wieder den Termin der Umtauschentscheidung für die Anleihen des Landes, die nach internationalem Recht oder von griechischen Staatskonzernen begeben worden seien. Die Frist sei am 9. März zunächst bis zum 23. März verlängert worden, dann ein weiteres Mal bis zum 4. April. Letztlich hätten die Halter dieser Anleihen im Volumen von nominal 20 Mrd. Euro bis zum 11. April Zeit, um ihre Erklärung über eine Beteiligung am Schuldenschnitt abzugeben. Diese Frist sei nun abermals verlängert worden, und zwar bis zum 20. April.

Allerdings müssten sich die Anleger der neuen griechischen Anleihen keine Sorgen mehr machen, denn ein Zahlungsausfall bei den nach ausländischem Recht begebenen griechischen Staatsanleihen werde keinen Zahlungsausfall nach den Bestimmungen der neuen Staatsanleihen darstellen. Im März habe das griechische Parlament vorsorglich in dem neuen Anleihengesetz eine wechselseitige Drittverzugsklausel vermieden. Damit ziehe ein Zahlungsausfall bei einer Anleihenserie automatisch keinen Zahlungsausfall des ganzen Landes nach sich. Damit hätten die Griechen - ausnahmsweise - mal aus den Fehlern anderer Staaten gelernt. Somit werde am 6. Mai eine neue Staatsregierung gewählt und voraussichtlich am 15. Mai erstmals nicht gezahlt!

Die Kapitalmärkte könnten von neutralen Beobachtern mit Drogenabhängigen in Verbindung gebracht werden. Denn beide seien abhängig und würden auf den nächsten Schuss warten. Während der Junkie auf das Heroin oder ein ähnliches Rauschmittel warte, würden sich die Kapitalmärkte nach der nächsten Liquiditätsspritze sehnen. Nach einer intravenösen Injektion von 500 Mrd. Euro im Dezember vergangenen Jahres habe die Europäische Zentralbank (EZB) Ende Februar den zweiten Schuss gesetzt. Doch der Rausch, sprich die Entspannung am Rentenmarkt, habe nicht lange angehalten. Die nachlassende Wirkung sei bereits Anfang April bei der Auktion spanischer Anleihen zu beobachten gewesen. Nur zu höheren Renditen hätten die Anleihen bei den Investoren untergebracht werden können.

Mit Spannung würden die Anleger auf die Auktion italienischer Bonds am heutigen Donnerstag blicken. Vier Anleihen sollten an den Investor gebracht werden. Bereits vor Ostern hätten die Investoren ihre italienischen Anleihen im Portfolio reduziert und die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen sei bis auf 5,92% gestiegen. Die bedrohliche Grenze von 6% sei nicht mehr fern und diese gelte inzwischen nur noch kurzfristig als finanzierbar. Das sei nicht immer so gewesen, denn Italien habe viele Jahre mit solchen Zinsen leben müssen. Aber inzwischen sei der Schuldenberg so angewachsen, dass die Zinszahlungen ebenfalls über die Kapitalmärkte refinanziert werden müssten. Daher schmerze jeder noch so geringe Zinsaufschlag. Man dürfe gespannt sein, wann die EZB die nächste Spritze aufziehe.

Endlich sei es soweit gewesen! Der Euro-Bund-Future habe mithilfe der aufkeimenden Schuldenprobleme in Europa und schwächerer US-Daten die bisherigen Höchststände überschreiten können. Nach dem Herausbilden eines neuen Allzeithochs im Juni-Kontrakt bei 140,44% sei dieses Niveau allerdings nur kurz gehalten worden und das Rentenbarometer sei unter die Marke von 140,00% gesackt. Denn auch an den Börsen gelte, dass jeder Hügel befestigt werden müsse, um darauf stehen zu können. Und so sei unter Umständen das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Denn im Zuge der immer noch vorhandenen Marktunsicherheiten sei auch eine Rendite von 1,5% für zehnjährige deutsche Staatsanleihen nicht auszuschließen.

Charttechnisch seien die Widerstände nach oben dünn gesät. Das All-Time-High vom 07.03.12 bei 140,52% sei nur knapp verfehlt worden und stelle neben der psychologisch wichtigen Marke von 141,00% obere Begrenzungslinien dar. Darüber hinaus entspreche ca. 142,50% einer möglichen Rendite von 1,5% für zehnjährige Anleihen. Nach unten würden die Marken 139,40% (altes Allzeithoch) und 138,75% jeweils als Unterstützungslinie gelten.

Auch am Primärmarkt warte man auf die Auferstehung. Dies könne allerdings noch einige Tage dauern, aber nach der Osterpause sei mit einer Belebung der Emissionstätigkeit zu rechnen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele Unternehmen inzwischen besser geratet seien als manche Eurostaaten und man sich die historisch niedrigen Zinsen sichern möchte, würden die Finanzchefs der Unternehmen auf eine erhöhte Mittelaufnahme drängen.

Auch die Ablösung von Altschulden sei immer noch ein Thema. So sei z.B. der Perpetual Bonds (ISIN DE000A0DHUM0 / WKN A0DHUM) der Postbank mit einem Sonderkündigungsrecht seitens des Emittenten zum 23.10.2012 ausgestattet. Solche Wertpapiere stünden wegen der weiteren Anrechenbarkeit von Hybridkapital auf das Eigenkapital von Kreditinstituten unter besonderer Beobachtung. Die Kurse würden nicht zuletzt innerhalb der letzten zwölf Monate die Hoffnungen und Befürchtungen einer ganzen Branche widerspiegeln. Auf Kurse nahe 75% sei der Absturz auf 45% und eine kleine Auferstehung auf 65% gefolgt, um nun bei ca. 60% zu verharren.

Es bleibe also trotz verlängerter Fastenzeit interessant.

In dieser Woche habe die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen eines siebentägigen Refinanzierungsgeschäfts dem Geldmarkt 214,0 Mrd. Euro (Vw.: 213,5 Mrd. Euro) entzogen. Dieser Betrag entspreche der Summe der - im Rahmen des Ankaufprogramms - abgewickelten Transaktionen. Entsprechend der geringen Erhöhung des zu absorbierenden Betrags sei die EZB in der vergangenen Handelswoche in geringem Maße - nach langer Abstinenz - wieder aktiv geworden. Somit habe die EZB Gebote von 66 Instituten (Vw.: 78) über 365,273 Mrd. Euro erhalten (Vw.: 415,044 Mrd.Euro). Der gewogene Durchschnittssatz habe 0,26% betragen (Vw.: 0,26%).

In den USA seien in dieser Handelswoche den Investoren neben Geldmarktpapieren auch wieder Treasuries mit längeren Laufzeiten zum Kauf angeboten worden. Dabei habe es sich um 30 Mrd. USD als Vier-Wochen-, 31 Mrd. USD als Drei-Monat-, 29 Mrd. USD als Sechs-Monat-T-Bills, 32 Mrd. USD als Drei-Jahre-, 21 Mrd. USD als Zehn-Jahre- und 13 Mrd. USD als Dreißig-Jahre-T-Bond gehandelt.

Trotz der österlichen Ruhe wurden bzw. werden in Euroland diverse Altemissionen Italiens (ISIN IT0004805070 / WKN A1G2JD/ 2015; ISIN IT0004656275 / WKN A1A3MT/ 2015; ISIN IT0003644769 / WKN A0AXDU/ 2020; ISIN IT0004356843 / WKN A0TT2V/ 2023), der Niederlande (ISIN NL0009819671 / WKN A1GSZE/ 2023) und Österreichs (ISIN AT0000A0GLY4 / WKN A1ASCX/ 2017; ISIN AT0000A0U3T4 / WKN A1GZRQ/ 2022) aufgestockt, so die Analysten der Baader Bank.

Vor dem Hintergrund der wieder aufflammenden Euro-Schuldenkrise habe aber auch die Neubegebung der zehnjährigen Anleihe der Bundesrepublik Deutschland im Mittelpunkt des Interesses gestanden. Die geringe 1,1fache Überzeichnung sei sicherlich auf die Marktumstände zurückzuführen. Denn bei einer Zuteilung zu einer Durchschnittsrendite von 1,77% hätten die anvisierten 5 Mrd. Euro zwar kein Problem dargestellt, aber die Nachfrage habe sich in Grenzen gehalten und als Marktpflegequote hätten ca. 1,1 Mrd. Euro zurückbehalten werden müssen. Dass auf dem bisherigen Renditetiefpunkt die Käufer nicht Schlange gestanden hätten, sei nachvollziehbar und kein Zeichen von Misstrauen.

Der Euro könne sich gegenüber dem USD über der Marke von 1,30 halten und das trotz der Probleme in Spanien, Italien, Portugal und Griechenland. Dies hänge weniger mit der eigenen Stärke, als mit den schlechter als erwarteten US-Arbeitsmarktdaten zusammen. Dennoch habe sich die gemeinsame Währung aber gegenüber Alternativwährungen behaupten können. So sei mit 10,5453 und mit 8,9279 gegenüber dem Südafrikanischen Rand bzw. der Schwedischen Krone jeweils ein neues Drei-Monats-Hoch herausgebildet worden.

Um gegen die Probleme in Euroland besser geschützt zu sein, seien Privatanleger weiterhin an Alternativen zum Euro interessiert. Daher stünden Fremdwährungsanleihen auf Südafrikanischen Rand, Australische Dollar sowie Norwegische und Schwedische Kronen lautend im Fokus der Privatanleger.

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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (12.04.2012/alc/a/a)






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