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Lowflation in der Euro-Zone
05.07.18 11:00
Goldman Sachs Asset Management
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Aufschwung im Euroraum ist zwar verhalten, kommt aber voran, so Andrew Wilson, CEO für EMEA und Co-Head des Global Fixed Income und Liquidity Management Teams bei Goldman Sachs Asset Management.
Die Produktionslücke dürfte sich in diesem Jahr schließen und trotz expansiver Aktivitäten sei der Inflationsdruck nach wie vor gering. Entsprechend seien die inflations- und geldpolitischen Aussichten der Experten eher moderat, zumindest verglichen zum allgemeinen Konsens und der EZB.
Der wirtschaftliche Aufschwung im Euroraum kühle sich ab, nachdem das Wachstum im vergangenen Jahr noch auf dem höchsten Niveau seit der europäischen Staatsschuldenkrise gelegen habe. Die Arbeitslosigkeit sei um einen Prozentpunkt auf 8,6 Prozent, den niedrigsten Stand seit 2008 gesunken. Zudem habe der Einkaufsmanagerindex (PMI) der Eurozone Ende letzten Jahres mit 60,6 ein Allzeithoch erreicht. Die Unternehmenstätigkeit habe die Inflation, die nach wie vor hinterherhinke, nicht ankurbeln können. Die jährliche Gesamt- und Kerninflation habe in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt bei nur 1,4 Prozent bzw. 1,2 Prozent gelegen. Die Experten würden davon ausgehen, dass sich dieser Trend zur Lowflation ("Tief-Inflation") aufgrund von drei zyklischen und strukturellen Faktoren fortsetzen werde. Sie würden die EZB nur allmählich zu einer Normalisierung ihrer Politik veranlassen.
1: Anhaltende Flaute auf dem Arbeitsmarkt
Mehrere Indikatoren würden auf einen schwächelnden Arbeitsmarkt hindeuten. Arbeitslosigkeit und Arbeitszeiten lägen über bzw. unter dem Vorkrisenniveau. Die Jugendarbeitslosigkeit liege in mehreren Peripherie-Ländern bei über 30 Prozent und der Anteil der Teilzeitbeschäftigten in der Eurozone bei über 22 Prozent. Aus Sicht der Arbeitgeber spreche das eher nicht dafür, dass die Löhne steigen würden. Eine gemäßigte wirtschaftliche Aktivität könnte zusammen mit der Währungsstärke des vergangenen Jahres die ohnehin schon schwache Lohn- und Preisinflation weiter begünstigen.
2: Steigende Arbeitsmigration
Selbst wenn die Arbeitslosigkeit sinke, seien Lohnzuwächse, die wiederum den Preisdruck durch mehr Inlandsnachfrage vergrößern würden, kein Selbstläufer. Abgesehen von einem kurzen Zeitraum von fünf Monaten während der globalen Finanzkrise befinde sich beispielsweise die deutsche Arbeitslosenquote seit 2005 auf einem anhaltenden Abwärtstrend. Dies sei auf Arbeitsmigration aus Nachbarländern zurückzuführen, in denen die Löhne niedriger seien als in Deutschland. Indem Arbeitgeber Mitarbeiter aus diesen Ländern einstellen würden, könnten sie ihre Belegschaft und Produktion ausweiten, ohne die Löhne anzuheben. Die angestellten Arbeitnehmer würden moderate Lohnzuwächse zugunsten eines sicheren Arbeitsplatzes akzeptieren. Die demografische Entwicklung, die prinzipiell für Arbeitsmigration spreche, könnte diese Dynamik noch einige Zeit stützen.
3: Technologische Disruption
Der technologische Fortschritt mache sich nicht nur im Euroraum disinflationär bemerkbar. Da auch andere Märkte diesbezüglich hinterherhinken würden, könnten sich nach wie vor Auswirkungen auf die Inflation zeigen. So betrage der e-Commerce-Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz in Italien nur 3,2 Prozent gegenüber 9 Prozent in den USA und 19 Prozent im Vereinigten Königreich. Da immer mehr Transaktionen über das Internet abgewickelt würden und der e-Commerce-Sektor zulege, werde dies die zugrunde liegende Inflationsdynamik branchenübergreifend verändern. Gleichzeitig dürfte die zunehmende Automatisierung die Löhne in bestimmten Sektoren unter Druck setzen. (05.07.2018/alc/a/a)
Die Produktionslücke dürfte sich in diesem Jahr schließen und trotz expansiver Aktivitäten sei der Inflationsdruck nach wie vor gering. Entsprechend seien die inflations- und geldpolitischen Aussichten der Experten eher moderat, zumindest verglichen zum allgemeinen Konsens und der EZB.
Der wirtschaftliche Aufschwung im Euroraum kühle sich ab, nachdem das Wachstum im vergangenen Jahr noch auf dem höchsten Niveau seit der europäischen Staatsschuldenkrise gelegen habe. Die Arbeitslosigkeit sei um einen Prozentpunkt auf 8,6 Prozent, den niedrigsten Stand seit 2008 gesunken. Zudem habe der Einkaufsmanagerindex (PMI) der Eurozone Ende letzten Jahres mit 60,6 ein Allzeithoch erreicht. Die Unternehmenstätigkeit habe die Inflation, die nach wie vor hinterherhinke, nicht ankurbeln können. Die jährliche Gesamt- und Kerninflation habe in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt bei nur 1,4 Prozent bzw. 1,2 Prozent gelegen. Die Experten würden davon ausgehen, dass sich dieser Trend zur Lowflation ("Tief-Inflation") aufgrund von drei zyklischen und strukturellen Faktoren fortsetzen werde. Sie würden die EZB nur allmählich zu einer Normalisierung ihrer Politik veranlassen.
1: Anhaltende Flaute auf dem Arbeitsmarkt
2: Steigende Arbeitsmigration
Selbst wenn die Arbeitslosigkeit sinke, seien Lohnzuwächse, die wiederum den Preisdruck durch mehr Inlandsnachfrage vergrößern würden, kein Selbstläufer. Abgesehen von einem kurzen Zeitraum von fünf Monaten während der globalen Finanzkrise befinde sich beispielsweise die deutsche Arbeitslosenquote seit 2005 auf einem anhaltenden Abwärtstrend. Dies sei auf Arbeitsmigration aus Nachbarländern zurückzuführen, in denen die Löhne niedriger seien als in Deutschland. Indem Arbeitgeber Mitarbeiter aus diesen Ländern einstellen würden, könnten sie ihre Belegschaft und Produktion ausweiten, ohne die Löhne anzuheben. Die angestellten Arbeitnehmer würden moderate Lohnzuwächse zugunsten eines sicheren Arbeitsplatzes akzeptieren. Die demografische Entwicklung, die prinzipiell für Arbeitsmigration spreche, könnte diese Dynamik noch einige Zeit stützen.
3: Technologische Disruption
Der technologische Fortschritt mache sich nicht nur im Euroraum disinflationär bemerkbar. Da auch andere Märkte diesbezüglich hinterherhinken würden, könnten sich nach wie vor Auswirkungen auf die Inflation zeigen. So betrage der e-Commerce-Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz in Italien nur 3,2 Prozent gegenüber 9 Prozent in den USA und 19 Prozent im Vereinigten Königreich. Da immer mehr Transaktionen über das Internet abgewickelt würden und der e-Commerce-Sektor zulege, werde dies die zugrunde liegende Inflationsdynamik branchenübergreifend verändern. Gleichzeitig dürfte die zunehmende Automatisierung die Löhne in bestimmten Sektoren unter Druck setzen. (05.07.2018/alc/a/a)


