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M&G Bond Vigilantes: High-Yield-Touristen neigen zur Flucht um jeden Preis


31.10.19 09:15
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - Laut dem Bond-Vigilantes-Team von M&G Investments kann die Finanzwelt ein unheimlicher Ort sein.

1. Hochzinsanleihen: Vorsicht vor den Touristen

Wer auf der Suche nach einer anständigen Rendite sei, komme am Markt für Hochzinsanleihen kaum vorbei. In diesem Jahr sei es dort bislang zweistellig nach oben gegangen: Rund 12% in den USA und 9% bei Euro-Anleihen. Kein Wunder, dass auch Anleger, die normalerweise Investment-Grade-Anleihen bevorzugen würden, auf Bonität verzichten würden und einen Ausflug in die Welt der High Yields unternähmen.

Doch Vorsicht: Wenn es bei bekannten Emittenten auch nur das geringste Anzeichen für Probleme gebe, würden die High-Yield-Touristen zur Flucht neigen, und zwar um jeden Preis. Einige Titel seien dieses Jahr schon abgestürzt, obwohl die Anleihen gar nicht ausgefallen seien.

2 - Staatsanleihen: Laaangweilig?

Staatsanleihen würden allgemein als ein sicherer und eher langweiliger Bestandteil eines Portfolios gelten. Um die Ecke würden jedoch durchaus Überraschungen lauern, wie es dieses Jahr Argentinien und Österreich vorgemacht hätten. Nachdem in Argentinien der relativ marktfreundliche Präsident Macri bei den Vorwahlen vom Populisten Fernandez geschlagen worden sei, hätten argentinische Anleihen (8,75%/2024) ein Blutbad erlebt und mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Aktuell würden sie mit nur noch 40 US-Dollar pro 100 US-Dollar Nennwert gehandelt.

Anleger, die dagegen auf die Anleihe Österreichs mit 2,1% bis 2117 gesetzt hätten, könnten sich dieses Jahr für den Deal ihres Lebens auf die Schulter klopfen. Bei einer Laufzeit von fast 100 Jahren und einem AA-Rating habe diese Emission angesichts des Abwärtsdrucks auf die Anleiherenditen ihren Wert fast verdoppeln können.

3 - Der Handelskrieg: "Wollen wir spielen?"

Auf Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Segment hätten die Handelskonflikte zu Beginn dieses Jahres eine einschüchternde Wirkung gehabt. Inzwischen würden die Abwärtsbewegungen mit jedem neuen Tweet und jeder neuen Schlagzeile aber immer kleiner, und es sehe so aus, dass die Anleger des Handelskrieges allmählich müde seien.

Würden sie sich trotzdem wieder erschrecken lassen? Der demokratischen US-Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren werde nachgesagt, dass sie in Handelsfragen sogar eine noch grimmigere Haltung vertrete als Donald Trump. Durch ihre Kritik an den großen Tech-Unternehmen, die auch große Anleiheemittenten seien, sei sie schon als "der schlimmste Alptraum der Monopolisten" bezeichnet worden. Die US-Wahl möge noch weit weg erscheinen, doch ein Erfolg für die Demokraten könnte die Märkte ordentlich durchschütteln.

4 - Anleiherenditen: Anleger würden bis zum Abgrund gehen

Mit Anleihen erziele man Einkommen, so sei es immer gewesen. Aber das stimme nicht mehr in Deutschland, Frankreich, Japan und Großbritannien, wo die realen Renditen inzwischen sogar bis zu Laufzeiten von 30 Jahren negativ seien. Immerhin: In Italien müsse man nur auf Sicht von sieben Jahren investieren, um eine inflationsbereinigte Rendite im positiven Bereich zu erzielen.

Kein Wunder, dass Anleger auf Schwellenländeranleihen setzen würden. Brasilien und Mexiko würden zwar positive reale Renditen bieten, ebenso wie die Türkei, doch hier könnte die Inflation noch für unangenehme Überraschungen sorgen - ein gruseliges Beispiel dafür, wie weit Anleiheinvestoren inzwischen gehen müssten, nur um Renditen über Null zu erzielen.

5 - Unternehmensanleihen: Der Negativ-Virus breite sich aus

Wer sich von negativ verzinsten Staatsanleihen nicht mehr erschrecken lasse, fürchte sich vielleicht noch vor demselben Trend bei Unternehmensanleihen. Was den Nennwert aller negativ rentierenden Anleihen im ICE BofAML Euro Corporate Index anbetreffe, habe inzwischen die Summe 1 Billion Euro erreicht - und ein Großteil dieser Anleihen liege am unteren Ende des Investment-Grade-Bereichs mit Ratings zwischen A und BBB.

6 - Schuldenrekord: "Es ist Halloween, da darf man jeden mal so richtig erschrecken!"

Das sei wirklich zum Fürchten: Der Gesamtwert der Schulden öffentlicher und privater Emittenten weltweit sei noch nie so hoch gewesen wie derzeit. In der Vergangenheit sei die Staatsverschuldung typischerweise in Kriegszeiten besonders stark angestiegen und am höchsten sei sie vor und nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen. Doch nun habe die Kreditaufnahme der Staaten in Friedenszeiten ein Rekordniveau erreicht.

Ein Grund dafür könnte die weltweit zunehmende Demokratisierung sein. Um seine Schulden zu tilgen, müsse ein Land seinen Primärüberschuss aufrechterhalten, also mehr Einnahmen durch Steuern erzielen als es für seine Bürger ausgebe. Die Regierungen der Vergangenheit hätten die Macht dazu gehabt, doch heute würden sie wohl vom Wähler bestraft. Länder wie Italien, die vom Defizit zurück zum Überschuss hätten kommen wollen, hätten einen Aufschwung der Populisten erlebt. In dieser neuen Welt hätten Regierungen und Zentralbank ein massives Problem damit, die öffentliche Verschuldung unter Kontrolle zu halten - zum Gruseln! (Ausgabe vom 30.10.2019) (31.10.2019/alc/a/a)