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Marktausblick: Reaktion der Zentralbanken wird die Entwicklung der Märkte bestimmen


14.12.23 12:41
Edmond de Rothschild Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Benjamin Melman, Global CIO bei Edmond de Rothschild Asset Management, ist überzeugt, dass die Reaktion der Zentralbanken auf die Ereignisse des Jahres 2024 ausschlaggebend für die künftige Marktentwicklung sein wird.

Das Jahr 2023 sei bisher von zwei stark gegenläufigen Trends geprägt gewesen: Das Wachstum sei zumindest in den USA robuster gewesen als erwartet, während die Kreditvergabe der Banken sowohl in Europa als auch in den USA rückläufig gewesen sei. Diese Situation werde nicht von Dauer sein: Ein Finanzierungswachstum von etwa 4 bis 5 Prozent erfordere zumindest ein Mindestmaß an Kreditvergabe.

Die Zentralbanken seien das Hauptproblem. Ihre Reaktion auf die Ereignisse im Jahr 2024 werde die Entwicklung der Märkte bestimmen. Würden sie proaktiv handeln oder reagieren? Jüngste Äußerungen von Zentralbankvertretern würden zeigen, dass sie eine konservative Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung klar befürworten würden. Es sei jedoch bezeichnend, dass sowohl die FED als auch die EZB ihren "hawkishen" Kurs kürzlich zurückgenommen hätten, obwohl die jüngsten US-Wachstumsindikatoren so stark gewesen seien wie nie zuvor. Würden sie sich auf einen kleinen Politikwechsel vorbereiten? Zum jetzigen Zeitpunkt sei alles möglich.

Eine proaktive Zinssenkung würde den Druck auf das Wachstum und die Gewinnmargen der Unternehmen verringern und gleichzeitig die Aktienmarktmultiplikatoren erhöhen. 2024 dürfte ein schlechtes Jahr für die Gewinndynamik werden, aber die Erwartungen der Anleger für 2025 würden steigen. Sollten die Zentralbanken jedoch an den derzeit sehr restriktiven Realzinsen festhalten, könnten die Aktienmarktrenditen die moderaten Gewinne widerspiegeln.

Trotz der Renditerisiken sollte eine neutrale Aktiengewichtung angestrebt werden, um von einer Verbesserung der Renditeaussichten infolge eines Kurswechsels der Zentralbanken zu profitieren. "Gleichzeitig sollte auf eine Übergewichtung abgezielt werden, wenn die Zentralbanken ihren Kurs zu ändern scheinen", so Melman.

An den Anleihenmärkten seien zu optimistische Inflationsprognosen der einzige Grund, warum die Duration im Jahr 2024 nicht positiv zu bewerten sei. Würden die Zentralbanken restriktiv bleiben, werde der Schuldenabbau das Wirtschaftswachstum und die Inflation weiter nach unten drücken, wovon das lange Ende der Kurve profitieren werde. Würden sich die Zentralbanken hingegen für eine proaktive Haltung entscheiden, würden das kurze und das mittlere Ende der Kurve am meisten profitieren. Historisch gesehen seien Phasen, in denen die Konjunktur anziehe und die Zinsen sinken würden, nicht immer gut für die Credit Spreads. Die Spreadausweitung, die man gesehen habe, sei jedoch durch sinkende Zinsen ausgeglichen worden. Anleger sollten sich daher auf Carry-Strategien konzentrieren und Unternehmen mit den niedrigsten Ratings meiden. (14.12.2023/alc/a/a)