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Marktauswirkungen durch Angriffe auf Fed


15.09.25 10:00
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - In der jüngeren Geschichte gibt es zahlreiche Beispiele für Angriffe auf die Unabhängigkeit von Zentralbanken, sagt Benoit Anne, Anleiheexperte bei MFS Investment Management.

Am eindrücklichsten sei sicher die Türkei, wo der jeweilige Gouverneur der Zentralbank seit 2019 viermal von Präsident Erdogan entlassen worden sei – meist, weil dieser niedrigere Zinssätze gefordert habe. Auch in den USA habe der von 1970 bis 1978 amtierende Fed-Vorsitzende Arthur Burns unter starkem politischem Druck von Präsident Nixon gestanden, der schließlich eine sehr viel lockerere Geldpolitik durchgesetzt habe. Daraufhin sei es zu einem Inflationsschock in den USA gekommen.

Wenn die Glaubwürdigkeit einer Zentralbank angegriffen werde, habe das in der Regel folgenschwere Auswirkungen: Die Kurve der Anleiherenditen im Zeitablauf werde steiler, was die langfristig immer größeren Risiken für Investoren veranschauliche. Außerdem steige das Inflationsrisiko und die Währung werde schwächer.

Für die aktuelle Situation in den USA bedeute dies, dass globale Anleger drei Dinge in Betracht ziehen sollten: Sie sollten sich gegen Inflation absichern, das lange Ende der US-Treasury-Kurve meiden und ihre Investitionen weg vom US-Dollar diversifizieren.

10- bis 30-jährige US-Staatsanleihen würden zurzeit mit einem Spread von 70 Basispunkten verglichen mit nur 20 Basispunkten zu Beginn des Jahres gehandelt. Das deute auf eine erhebliche Underperformance der 30-jährigen Anleihen hin, die vor allem auf die Wahrnehmung und Berücksichtigung höherer fiskalischer Risiken zurückzuführen sei.

Was die Auswahl von Sektoren betreffe, seien solche interessant, die von höheren langfristigen Zinsen profitieren könnten, wie zum Beispiel Finanzwerte. Zinsempfindliche Unternehmen sollten dagegen besser gemieden werden.

Die vom Markt eingepreiste Inflationsrate sei in den letzten Wochen bereits leicht angestiegen, wie die 10-jährige Break-Even-Inflationsrate zeige, aber es könnte noch mehr Spielraum geben, was inflationsgeschützte amerikanische Staatsanleihen (US-TIPS) potenziell attraktiv mache.

Insgesamt scheine die US-Wirtschaft nicht dringend auf niedrigere Zinsen angewiesen zu sein – obwohl die Fed bereit sei, die Zinsen zu senken. Das US-Finanzministerium hingegen stehe unter Druck, da es mit einer hohen Schuldenlast konfrontiert sei. (15.09.2025/alc/a/a)