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Monetäre Tektonik: Kapitalsicherung und -erhaltung als das Gebot der Stunde
08.12.14 13:03
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Sechs Jahre sind seit Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 vergangen und noch immer ist sie nicht überwunden, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Die Industrieländer würden in einer Stagnation stecken und die globalen Finanzmärkte am Rand eines Abgrundes taumeln. Geopolitische Spannungen, Sanktionen und Gegensanktionen würden den Welthandel bremsen. Industrielle Überkapazitäten würden protektionistische Maßnahmen fördern. Abwertungswettlauf und Währungskriege würden das Weltwährungssystem erschüttern. Restlos überschuldete Volkswirtschaften und gleichzeitig irrationale Übertreibungen an den Finanzmärkten seien der Wegweiser nach Nirgendwo.
Man stelle sich die Frage, was man in einer solchen Situation machen könne. Wie komme die Weltwirtschaft aus dieser Krise wieder heraus? Notenbanken und Regierungen würden vor diesem Problem versagen. Das würden die vergangenen sechs Jahre zeigen. ZIRP und QE vermögen nicht, die Richtung zu ändern, so die Experten von "fairesearch". Unzählige kreditfinanzierte Stimulierungsprogramme würden keinen selbst tragenden Konjunkturaufschwung auslösen, sondern lediglich die Staatsverschuldung in absurde Höhen treiben. Infolgedessen werde der Schuldendienst (Soll-Zinsen plus Tilgungen) bei einer Normalisierung der Zinsstruktur jeden Aufschwung verhindern.
Die größte Enttäuschung für die Monetaristen, die der Ansicht seien, mit Geld könne man alles steuern, habe das Versagen der Nullzinspolitik und der quantitativen Lockerungen gebracht. Mit immer niedrigeren Zinsen würden die Notenbanken versuchen, die Kreditnachfrage für Investitionen anzukurbeln. Doch wer für 2% nicht investiere, werde es auch nicht bei 0% nicht tun. Immer weitere Lockerungen würden inzwischen schon kontraproduktiv wirken. Das beste Beispiel biete die Bank of Japan, die ohne Erfolg schon seit 24 Jahren ZIRP betreibe und noch länger fortsetzen wolle. Die FED habe zwar inzwischen ihr QE eingestellt, doch noch immer keinen Plan zu einer Normalisierung der Zinsstruktur vorgelegt. Stattdessen habe sie den Finanzmärkten versprochen, die Niedrigzinsphase noch lange beizubehalten.
EZB-Präsident Draghi habe sogar nachdrücklich betont, die EZB werde alles tun, um die Inflation sowie die Inflationserwartungen so schnell wie möglich wieder auf nahe 2% anzuheben. Die EZB sei entschlossen, die Bilanzsumme in den kommenden beiden Jahren um 1.000 auf dann 3.000 Mrd. Euro auszuweiten. Einer Mehrheit der Ratsmitglieder zufolge sei es nun "beabsichtigt", die Bilanzsumme zu erhöhen. Vor einem Monat sei noch von einer "Erwartung" gesprochen worden. Anfang 2015 solle der bis dahin erfolgte geldpolitische Impuls neu bewertet werden, ebenso die Bilanzausweitung sowie der Ausblick für die Preisentwicklung.
Auf Basis dieser Analyse könnten dann der Umfang, die Geschwindigkeit und die Zusammensetzung der unkonventionellen Maßnahmen geändert werden. Die Neubewertung werde nicht unbedingt bereits bei der nächsten geldpolitischen Ratssitzung am 22.01.2015 erfolgen. Draghi habe gesagt, dass alle Anlagekategorien außer Gold für zusätzliche Käufe infrage kämen. Die Wirtschaftsprognosen seien gesenkt worden. Die Wirtschaft werde 2014 bis 2016 nun um 0,8%, 1,0% und 1,5% wachsen, die Inflation nur mäßig um 0,5%, 0,7%, und 1,3% zulegen.
Dies habe an den Finanzmärkten Spekulationen befeuert. Dabei seien die Geldmarktzinsen schon negativ. Die Investoren würden auf der Suche nach Rendite in immer riskantere Anlageformen getrieben. Private Anleger würden aus Verbriefungen gedrängt. Die nächste Finanzblase werde somit schon wieder aufgepumpt.
Ebenso enttäuscht seien die Anhänger des "Deficit Spending". Der Grenznutzen der Verschuldung sei längst bei 0 oder gar schon negativ. Die Schulden würden schneller als das BIP steigen. Für 1 USD Wachstum seien in den USA bereits 1,50 USD neue Schulden erforderlich. Das sei in der Eurozone und in Japan ähnlich. Die Staatsverschuldung liege in der Eurozone bei 92% des BIP, in den USA bei 110% und in Japan bei 250%. Ab einer Grenze von etwa 90% wirke die Verschuldung kontraproduktiv.
Doch nur ganz wenige Industrieländer (wie z.B. Deutschland) würden es schaffen, wenigstens die Neuverschuldung wie versprochen zu vermeiden oder wenigstens zu senken. So steige die Verschuldung immer weiter, womit eine Rückkehr zur Normalität schon so gut wie unmöglich werde. Die Verschuldung der Eurozone betrage 9 Billionen EUR. Die US National Debt Clock stehe bei USD 19,5 Billionen. Ein Zinsanstieg um 2 Prozentpunkte würde den Schuldendienst in der Eurozone um 200 Mrd. EUR und in den USA um USD 400 Mrd. bis USD 500 Mrd. pro Jahr erhöhen. Größenordnungen, die jeden Staatshaushalt sprengen und in die Zahlungsunfähigkeit treiben würden. Die BIZ halte die Lage der Weltwirtschaft angesichts der globalen Schuldenlast für vielleicht noch fragiler als 2007 und fordere eine Wende in der Geld- und Finanzpolitik.
Und dennoch würden die "Deficit Spender" ständig auf neue kreditfinanzierte Stimulierungsprogramme drängen. Dabei würden sie Rückendeckung von internationalen Institutionen, wie dem IWF oder der OECD, erhalten. Die IWF-Chefin Christine Lagarde schlage vor, die festgelegte Obergrenze der Staatsverschuldung von 60% des BIP in der EU realistisch anzuheben. Eine gesetzliche Schuldenobergrenze gebe es auch in den USA. Sie sei seit 1962 74mal angehoben worden. Die nächste Erhöhung komme in den USA im März 2015. Zu beachten sei die Mentalität, die hinter dieser Art des Deficit Spending liege. Das "süße Leben auf Pump" kümmert sich nicht um langfristige Auswirkungen und Gefährdungen unseres Finanzsystems, so die Experten von "fairesearch".
Doch warum würden die Finanzmärkte diese Gefahren ignorieren? Warum weiterhin die Rufe nach neuen Stimulierungen durch Investitionen in die Infrastruktur? Die Nullzinspolitik und die umfangreichen Lockerungen QE hätten die Märkte blind werden lassen und Illusionen in die Allmacht der Zentralbanken geschürt. Jetzt zeige sich, dass "mehr Geld" keineswegs ein Allheilmittel sei, wenn die Unterstützung durch die Fiskal- und Reformpolitik ausbleibe. Es sei eben viel leichter, neue Schulden ganz billig aufzunehmen, als äußerst schwierige Reformprogramme in den Parlamenten durchzusetzen. An die Zinsbelastungen kommender Generationen werde dabei nicht gedacht.
Die tektonischen Spannungen in der Weltwirtschaft würden eine zusätzliche Komponente durch den bereits in Gang gesetzten Abwertungswettlauf und Währungskrieg erhalten. Reibungen und Spannungen aufgrund der Ungleichgewichte im Welthandel würden zu protektionistischen Tendenzen führen und die Dynamik der Konjunktur behindern. Jeder versuche, durch eine niedrigere Bewertung seiner Währung im Welthandel einen Vorteil zu erreichen. Die Dominanz der US-Valuta werde in den nächsten Jahren aber ohnehin nachlassen. Die Rolle des Goldes als Währung habe kürzlich Alan Greenspan in einem Interview betont: "Remember what we're looking at. Gold is a currency. It is still, by all evidence, the premier currency. No fiat currency, including the dollar, can match it."
Wie solle sich ein Investor in einer solchen Situation am besten verhalten? Gegen ein tektonisches Beben gebe es kaum generell gültige Verhaltensregeln. Kapitalsicherung und -erhaltung seien das Gebot der Stunde. Vorsicht bei der Jagd nach Renditen, die Risiken würden wie eine e-Funktion steigen. Dann lieber liquide bleiben und auf jede Verzinsung verzichten.
Bei Immobilienanlagen sei zu beachten, dass viele Regierungen davon überzeugt seien, Immobilien würden sich am leichtesten mit höheren Steuern belasten lassen. Den von niedrigen Zinsen und steigenden Geldmengen beflügelten Aktienmärkten bleibe das monetäre Umfeld erhalten. Doch mit hoher Volatilität müsse gerechnet werden. Die Aktienauswahl mit der Ausrichtung auf die Unternehmensdaten sollte sich auf dividendenstarke Aktien und solche mit nachvollziehbarem Wachstumspotenzial konzentrieren. Die Schwäche bei Edelmetallen sei noch immer eine günstige Gelegenheit für Zukäufe. Während die Welt in einem Schuldenmeer versinke, sei kein Verlass mehr auf das marode Papiergeldsystem. Edelmetalle würden daher eine alternative Ergänzung bleiben. (08.12.2014/alc/a/a)
Die Industrieländer würden in einer Stagnation stecken und die globalen Finanzmärkte am Rand eines Abgrundes taumeln. Geopolitische Spannungen, Sanktionen und Gegensanktionen würden den Welthandel bremsen. Industrielle Überkapazitäten würden protektionistische Maßnahmen fördern. Abwertungswettlauf und Währungskriege würden das Weltwährungssystem erschüttern. Restlos überschuldete Volkswirtschaften und gleichzeitig irrationale Übertreibungen an den Finanzmärkten seien der Wegweiser nach Nirgendwo.
Man stelle sich die Frage, was man in einer solchen Situation machen könne. Wie komme die Weltwirtschaft aus dieser Krise wieder heraus? Notenbanken und Regierungen würden vor diesem Problem versagen. Das würden die vergangenen sechs Jahre zeigen. ZIRP und QE vermögen nicht, die Richtung zu ändern, so die Experten von "fairesearch". Unzählige kreditfinanzierte Stimulierungsprogramme würden keinen selbst tragenden Konjunkturaufschwung auslösen, sondern lediglich die Staatsverschuldung in absurde Höhen treiben. Infolgedessen werde der Schuldendienst (Soll-Zinsen plus Tilgungen) bei einer Normalisierung der Zinsstruktur jeden Aufschwung verhindern.
Die größte Enttäuschung für die Monetaristen, die der Ansicht seien, mit Geld könne man alles steuern, habe das Versagen der Nullzinspolitik und der quantitativen Lockerungen gebracht. Mit immer niedrigeren Zinsen würden die Notenbanken versuchen, die Kreditnachfrage für Investitionen anzukurbeln. Doch wer für 2% nicht investiere, werde es auch nicht bei 0% nicht tun. Immer weitere Lockerungen würden inzwischen schon kontraproduktiv wirken. Das beste Beispiel biete die Bank of Japan, die ohne Erfolg schon seit 24 Jahren ZIRP betreibe und noch länger fortsetzen wolle. Die FED habe zwar inzwischen ihr QE eingestellt, doch noch immer keinen Plan zu einer Normalisierung der Zinsstruktur vorgelegt. Stattdessen habe sie den Finanzmärkten versprochen, die Niedrigzinsphase noch lange beizubehalten.
EZB-Präsident Draghi habe sogar nachdrücklich betont, die EZB werde alles tun, um die Inflation sowie die Inflationserwartungen so schnell wie möglich wieder auf nahe 2% anzuheben. Die EZB sei entschlossen, die Bilanzsumme in den kommenden beiden Jahren um 1.000 auf dann 3.000 Mrd. Euro auszuweiten. Einer Mehrheit der Ratsmitglieder zufolge sei es nun "beabsichtigt", die Bilanzsumme zu erhöhen. Vor einem Monat sei noch von einer "Erwartung" gesprochen worden. Anfang 2015 solle der bis dahin erfolgte geldpolitische Impuls neu bewertet werden, ebenso die Bilanzausweitung sowie der Ausblick für die Preisentwicklung.
Auf Basis dieser Analyse könnten dann der Umfang, die Geschwindigkeit und die Zusammensetzung der unkonventionellen Maßnahmen geändert werden. Die Neubewertung werde nicht unbedingt bereits bei der nächsten geldpolitischen Ratssitzung am 22.01.2015 erfolgen. Draghi habe gesagt, dass alle Anlagekategorien außer Gold für zusätzliche Käufe infrage kämen. Die Wirtschaftsprognosen seien gesenkt worden. Die Wirtschaft werde 2014 bis 2016 nun um 0,8%, 1,0% und 1,5% wachsen, die Inflation nur mäßig um 0,5%, 0,7%, und 1,3% zulegen.
Ebenso enttäuscht seien die Anhänger des "Deficit Spending". Der Grenznutzen der Verschuldung sei längst bei 0 oder gar schon negativ. Die Schulden würden schneller als das BIP steigen. Für 1 USD Wachstum seien in den USA bereits 1,50 USD neue Schulden erforderlich. Das sei in der Eurozone und in Japan ähnlich. Die Staatsverschuldung liege in der Eurozone bei 92% des BIP, in den USA bei 110% und in Japan bei 250%. Ab einer Grenze von etwa 90% wirke die Verschuldung kontraproduktiv.
Doch nur ganz wenige Industrieländer (wie z.B. Deutschland) würden es schaffen, wenigstens die Neuverschuldung wie versprochen zu vermeiden oder wenigstens zu senken. So steige die Verschuldung immer weiter, womit eine Rückkehr zur Normalität schon so gut wie unmöglich werde. Die Verschuldung der Eurozone betrage 9 Billionen EUR. Die US National Debt Clock stehe bei USD 19,5 Billionen. Ein Zinsanstieg um 2 Prozentpunkte würde den Schuldendienst in der Eurozone um 200 Mrd. EUR und in den USA um USD 400 Mrd. bis USD 500 Mrd. pro Jahr erhöhen. Größenordnungen, die jeden Staatshaushalt sprengen und in die Zahlungsunfähigkeit treiben würden. Die BIZ halte die Lage der Weltwirtschaft angesichts der globalen Schuldenlast für vielleicht noch fragiler als 2007 und fordere eine Wende in der Geld- und Finanzpolitik.
Und dennoch würden die "Deficit Spender" ständig auf neue kreditfinanzierte Stimulierungsprogramme drängen. Dabei würden sie Rückendeckung von internationalen Institutionen, wie dem IWF oder der OECD, erhalten. Die IWF-Chefin Christine Lagarde schlage vor, die festgelegte Obergrenze der Staatsverschuldung von 60% des BIP in der EU realistisch anzuheben. Eine gesetzliche Schuldenobergrenze gebe es auch in den USA. Sie sei seit 1962 74mal angehoben worden. Die nächste Erhöhung komme in den USA im März 2015. Zu beachten sei die Mentalität, die hinter dieser Art des Deficit Spending liege. Das "süße Leben auf Pump" kümmert sich nicht um langfristige Auswirkungen und Gefährdungen unseres Finanzsystems, so die Experten von "fairesearch".
Doch warum würden die Finanzmärkte diese Gefahren ignorieren? Warum weiterhin die Rufe nach neuen Stimulierungen durch Investitionen in die Infrastruktur? Die Nullzinspolitik und die umfangreichen Lockerungen QE hätten die Märkte blind werden lassen und Illusionen in die Allmacht der Zentralbanken geschürt. Jetzt zeige sich, dass "mehr Geld" keineswegs ein Allheilmittel sei, wenn die Unterstützung durch die Fiskal- und Reformpolitik ausbleibe. Es sei eben viel leichter, neue Schulden ganz billig aufzunehmen, als äußerst schwierige Reformprogramme in den Parlamenten durchzusetzen. An die Zinsbelastungen kommender Generationen werde dabei nicht gedacht.
Die tektonischen Spannungen in der Weltwirtschaft würden eine zusätzliche Komponente durch den bereits in Gang gesetzten Abwertungswettlauf und Währungskrieg erhalten. Reibungen und Spannungen aufgrund der Ungleichgewichte im Welthandel würden zu protektionistischen Tendenzen führen und die Dynamik der Konjunktur behindern. Jeder versuche, durch eine niedrigere Bewertung seiner Währung im Welthandel einen Vorteil zu erreichen. Die Dominanz der US-Valuta werde in den nächsten Jahren aber ohnehin nachlassen. Die Rolle des Goldes als Währung habe kürzlich Alan Greenspan in einem Interview betont: "Remember what we're looking at. Gold is a currency. It is still, by all evidence, the premier currency. No fiat currency, including the dollar, can match it."
Wie solle sich ein Investor in einer solchen Situation am besten verhalten? Gegen ein tektonisches Beben gebe es kaum generell gültige Verhaltensregeln. Kapitalsicherung und -erhaltung seien das Gebot der Stunde. Vorsicht bei der Jagd nach Renditen, die Risiken würden wie eine e-Funktion steigen. Dann lieber liquide bleiben und auf jede Verzinsung verzichten.
Bei Immobilienanlagen sei zu beachten, dass viele Regierungen davon überzeugt seien, Immobilien würden sich am leichtesten mit höheren Steuern belasten lassen. Den von niedrigen Zinsen und steigenden Geldmengen beflügelten Aktienmärkten bleibe das monetäre Umfeld erhalten. Doch mit hoher Volatilität müsse gerechnet werden. Die Aktienauswahl mit der Ausrichtung auf die Unternehmensdaten sollte sich auf dividendenstarke Aktien und solche mit nachvollziehbarem Wachstumspotenzial konzentrieren. Die Schwäche bei Edelmetallen sei noch immer eine günstige Gelegenheit für Zukäufe. Während die Welt in einem Schuldenmeer versinke, sei kein Verlass mehr auf das marode Papiergeldsystem. Edelmetalle würden daher eine alternative Ergänzung bleiben. (08.12.2014/alc/a/a)


