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Die Nachteile einer allzu expansiven Geldpolitik
13.03.14 15:10
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Jetzt, am Ende des ersten Quartals 2014, hat für die internationalen Finanzmärkte eine neue Zeit begonnen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Die Marktteilnehmer würden ihre Dispositionen darauf ausrichten, dass die wichtigsten Zentralbanken ihre Geldpolitik in absehbarer Zeit ein wenig ändern würden, von einem ultra-expansiven Kurs in zu einer neutraleren, wenn auch noch immer lockeren Einstellung.
Nach der Pleite von Lehman Brothers hätten die wichtigsten Notenbanken schnell eine sehr expansive Geldpolitik beschlossen und die Leitzinsen bis in die Nähe von 0% gesenkt. An dieser Nullzinspolitik (ZIRP, zero interest rate policy) hätten sie jetzt schon fünf Jahre festgehalten. 2014 werde voraussichtlich das sechste Jahr. Doch habe ZIRP wirklich etwas genutzt? Die BoJ betreibe schon seit 23 Jahren eine Nullzinspolitik ohne sonderlichen Erfolg. Eine lange Zeit sehr lockere Geldpolitik habe die längerfristigen Konjunkturentwicklung erhebliche Nachteile:
Sinkende Leitzinsen würden die Kreditaufnahme für neue Investitionen verbilligen. Die Produktion von Produktionsgütern wiederum führe zu höherer Beschäftigung, was den Konsum fördere. Multiplikatorwirkungen mit Hebelwirkung würden die Konjunktur stimulieren. Soweit die Theorie. Doch je weiter die Leitzinsen sinken würden, desto weniger würden sie zur Stimulierung nützen. Wenn ein Unternehmen nicht bei 2% investiere, werde es das auch nicht bei 1% tun aus Sorge, für die neuen Produkte keine Abnehmer zu finden.
Bei einer Senkung auf 0,5% sehe sich das Unternehmen in seiner Vorsicht bestätigt, die Konjunktur verlaufe ja viel schlechter als bisher angenommen. Bei einer Senkung auf 0,25% würden die Alarmglocken schrillen, die Notenbank scheine ja einen schweren Konjunktureinbruch zu befürchten. Jetzt bloß keine neuen Investitionen vornehmen. Und dieses Verhalten belaste die Konjunktur zusätzlich. Der Grenznutzen der Leitzinssenkung sei längst erreicht, jede weitere Senkung wirke kontraproduktiv.
An Sparer, Rentenfonds oder Lebensversicherungen, die auf Zinseinnahmen angewiesen seien und ihren dadurch erzwungenen Konsumverzicht, denke bei ZIRP niemand. Neue Ersparnisse, die eigentlich die Investitionen finanzieren sollten, an den Geld- und Rentenmärkten anzulegen, würden durch einen realen Wertverlust bestraft, da sie nicht einmal mehr die Teuerung ausgleichen würden. Anleger würden in immer riskantere Märkte getrieben. Mittel würden in Schwellenländer fließen. Der Grenznutzen der Leitzinssenkung sei längst überschritten.
Die Zinsstruktur werde verzerrt, Kredite würden nicht mehr optimal in produktive und aussichtsreiche Investitionen fließen und könnten dadurch neue Krisen auslösen. Wenn es so "leicht" werde, neue staatliche Schulden zu finanzieren, nehme der Treasurer umso lieber den Weg des geringsten Widerstandes, ohne sich um die künftige Zinsbelastung allzu viele Sorgen zu machen. Wie viel schwieriger und unpopulärer sei es doch, Steuern zu erhöhen oder gar Ausgaben zu kürzen. Reformen würden auf der Strecke bleiben, die Senkungen würden kontra-produktiv.
Die Konjunkturentwicklung in der ganzen Welt sei zwar noch immer anfällig, doch die Sorgen vor einer Deflation habe sie spürbar verringert. FED-Präsidentin Janet Yellen und der Gouverneur der Bank of England Mark Carney hätten zwar erneut betont, ihre Geldpolitik der Stimulierung der Wirtschaft fortsetzen zu wollen, aber auch die Märkte überzeugt, dass keine neuen "quantitativen Lockerungen" zu erwarten seien. Und der EZB Chef Draghi, der noch zum Jahreswechsel eine deflationäre Tendenz befürchtet habe, wolle jetzt von weiteren Stimulierungen absehen. Die Bank of Japan dagegen bleibe unvermindert bei ihrer extrem lockeren Geldpolitik.
Den Ernst der Lage und die äußerst schwierige Situation zeige die Kontroverse zwischen dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Der IWF dränge die EZB zu einer deutlich aggressiveren Geldpolitik, die BIZ fordere, den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik fortzusetzen und sich nicht von leichteren Turbulenzen davon abschrecken zu lassen.
Die Notenbanken seien mit ihrer Nullzinspolitik vermutlich schon zu weit gegangen. Auf diesem Niveau würden bereits kontraproduktive Kräfte auf den Konjunkturverlauf wirken. Bei den Staatsbudgets habe der Reformwille zur Staatsverschuldung abgenommen. (13.03.2014/alc/a/a)
Die Marktteilnehmer würden ihre Dispositionen darauf ausrichten, dass die wichtigsten Zentralbanken ihre Geldpolitik in absehbarer Zeit ein wenig ändern würden, von einem ultra-expansiven Kurs in zu einer neutraleren, wenn auch noch immer lockeren Einstellung.
Nach der Pleite von Lehman Brothers hätten die wichtigsten Notenbanken schnell eine sehr expansive Geldpolitik beschlossen und die Leitzinsen bis in die Nähe von 0% gesenkt. An dieser Nullzinspolitik (ZIRP, zero interest rate policy) hätten sie jetzt schon fünf Jahre festgehalten. 2014 werde voraussichtlich das sechste Jahr. Doch habe ZIRP wirklich etwas genutzt? Die BoJ betreibe schon seit 23 Jahren eine Nullzinspolitik ohne sonderlichen Erfolg. Eine lange Zeit sehr lockere Geldpolitik habe die längerfristigen Konjunkturentwicklung erhebliche Nachteile:
Sinkende Leitzinsen würden die Kreditaufnahme für neue Investitionen verbilligen. Die Produktion von Produktionsgütern wiederum führe zu höherer Beschäftigung, was den Konsum fördere. Multiplikatorwirkungen mit Hebelwirkung würden die Konjunktur stimulieren. Soweit die Theorie. Doch je weiter die Leitzinsen sinken würden, desto weniger würden sie zur Stimulierung nützen. Wenn ein Unternehmen nicht bei 2% investiere, werde es das auch nicht bei 1% tun aus Sorge, für die neuen Produkte keine Abnehmer zu finden.
An Sparer, Rentenfonds oder Lebensversicherungen, die auf Zinseinnahmen angewiesen seien und ihren dadurch erzwungenen Konsumverzicht, denke bei ZIRP niemand. Neue Ersparnisse, die eigentlich die Investitionen finanzieren sollten, an den Geld- und Rentenmärkten anzulegen, würden durch einen realen Wertverlust bestraft, da sie nicht einmal mehr die Teuerung ausgleichen würden. Anleger würden in immer riskantere Märkte getrieben. Mittel würden in Schwellenländer fließen. Der Grenznutzen der Leitzinssenkung sei längst überschritten.
Die Zinsstruktur werde verzerrt, Kredite würden nicht mehr optimal in produktive und aussichtsreiche Investitionen fließen und könnten dadurch neue Krisen auslösen. Wenn es so "leicht" werde, neue staatliche Schulden zu finanzieren, nehme der Treasurer umso lieber den Weg des geringsten Widerstandes, ohne sich um die künftige Zinsbelastung allzu viele Sorgen zu machen. Wie viel schwieriger und unpopulärer sei es doch, Steuern zu erhöhen oder gar Ausgaben zu kürzen. Reformen würden auf der Strecke bleiben, die Senkungen würden kontra-produktiv.
Die Konjunkturentwicklung in der ganzen Welt sei zwar noch immer anfällig, doch die Sorgen vor einer Deflation habe sie spürbar verringert. FED-Präsidentin Janet Yellen und der Gouverneur der Bank of England Mark Carney hätten zwar erneut betont, ihre Geldpolitik der Stimulierung der Wirtschaft fortsetzen zu wollen, aber auch die Märkte überzeugt, dass keine neuen "quantitativen Lockerungen" zu erwarten seien. Und der EZB Chef Draghi, der noch zum Jahreswechsel eine deflationäre Tendenz befürchtet habe, wolle jetzt von weiteren Stimulierungen absehen. Die Bank of Japan dagegen bleibe unvermindert bei ihrer extrem lockeren Geldpolitik.
Den Ernst der Lage und die äußerst schwierige Situation zeige die Kontroverse zwischen dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Der IWF dränge die EZB zu einer deutlich aggressiveren Geldpolitik, die BIZ fordere, den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik fortzusetzen und sich nicht von leichteren Turbulenzen davon abschrecken zu lassen.
Die Notenbanken seien mit ihrer Nullzinspolitik vermutlich schon zu weit gegangen. Auf diesem Niveau würden bereits kontraproduktive Kräfte auf den Konjunkturverlauf wirken. Bei den Staatsbudgets habe der Reformwille zur Staatsverschuldung abgenommen. (13.03.2014/alc/a/a)


