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Negative Renditen wirken wie eine Enteignung


04.11.15 12:54
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Quantitative Lockerungen (QE) in Höhe von EUR 1,1 Billionen bis Ende September 2016 haben nicht den von der EZB gewünschten Anstieg der Konsumentenpreise ausgelöst, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Wenn das nicht wirke, dann müsse eben nach Ansicht der EZB noch mehr QE eingeführt und die Leitzinsen in negatives Territorium gedrückt werden. Auf Blasenbildungen und andere negative Konjunkturkonsequenzen werde dabei nicht geachtet.

Die Renditen der Staatsanleihen seien nach der Ankündigung sofort in der gesamten Eurozone gefallen und hätten für die 2-jährigen Bunds als Benchmark für die Staatsanleihen mit -0,32% einen historischen Tiefstand erreicht. Die Strukturkurve für die Bunds weise für alle Laufzeiten unter sechs Jahren negative Renditen auf. Bei 10 Jahren Laufzeit gebe es 0,5%. Selbst Pfandbriefe würden bis zu sechs Jahren Laufzeit nur 0,5% und bei zehn Jahren 1,0% Verzinsung bringen.

Negative Renditen würden für Sparer und Anleger wie eine Enteignung wirken. Längere Laufzeiten mit 0,5 bis 1,0% Rendite hätten nach Steuern, Bankgebühren und Teuerung die gleiche Wirkung.

An Sparer, Rentenfonds oder Lebensversicherungen, die auf Zinseinnahmen angewiesen seien und ihren dadurch erzwungenen Konsumverzicht, denke bei ZIRP niemand. Neue Ersparnisse, die eigentlich die Investitionen finanzieren sollten, an den Geld- und Rentenmärkten anzulegen, würden durch einen realen Wertverlust bestraft, da sie nicht einmal mehr die Gebühren ausgleichen würden. Anleger würden in immer riskantere Märkte getrieben. Die Zinsstruktur werde verzerrt, Kredite würden nicht mehr optimal in produktive und aussichtsreiche Investitionen fließen und könnten dadurch neue Krisen auslösen. Der Grenznutzen der Leitzinssenkung sei längst überschritten.

Die EZB wolle mit dieser ultra-expansiven Geldpolitik die Wirtschaft inflationieren. Doch der wissenschaftliche Nachweis stehe noch aus, dass mit immer mehr QE und steigenden Preisen die Konjunktur einen gesunden Aufschwung erlebe. NIRP könne sogar die Sparer veranlassen, ihr Erspartes lieber vorteilhaft in Bargeld im Safe aufzuheben. (04.11.2015/alc/a/a)