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Negative Zinsen: Paradigmenwechsel belastet Finanzinstitute


04.05.16 08:26
IKB Deutsche Industriebank

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die rückläufige Inflationsrate der letzten Jahrzehnte wurde primär als Erfolg der Notenbankpolitik gewertet, so die Analysten der IKB Deutsche Industriebank.

Aufgrund der Wirkungsverzögerung geldpolitischer Maßnahmen und des Verzichts auf fiskalische Nachfragestimulierungen sei das gesetzte Inflationsziel zuletzt jedoch deutlich unterschritten worden. Gegenwärtig schränke die niedrige Teuerungsrate den effektiven Handlungsspielraum der Währungshüter in den Industrieländern ein.

Die Nachfrage nach Geld könne aber nicht alleine durch extrem niedrige oder negative Zinsen stimuliert werden. Um die Geldpolitik nicht zu immer komplexeren Maßnahmen mit potenziell schädlichen Folgen zu drängen, sollte der Spielraum aus den spürbar gesunkenen staatlichen Refinanzierungskosten für eine effektive Nachfragestimulierung durch geringere fiskalische Austerität und höhere öffentliche Investitionen genutzt werden.

Die Notenbanken würden sich ihre Einflussnahme durch Einführung negativer Einlagenzinsen sichern. Diese würden aber die Ertragslage der Finanzinstitute beeinträchtigen und sie zu unerwünschten Reaktionen veranlassen: Die Finanzinstitute seien gezwungen, die entstehenden Kosten auf die Kreditzinsätze umzulegen, ihre Kreditanforderungen herabzusenken und höhere Risiken aufzunehmen. Der dauerhafte Einsatz solcher Maßnahmen könne die systematischen Risiken steigern. Das Herabsenken des Einlagenzinssatzes unter die Null-Schwelle wirke zudem als Steuer für den Bankensektor der EU-Kernländer und damit negativ auf die Kapitalallokation. Die negativen Zinsen würden also zum Teil Impulse freisetzen, die der ursprünglich avisierten Wirkung entgegenwirken würden.

Die IKB rechne mit der baldigen Weitergabe der negativen Einlagenzinsen an die Geschäftskunden in Deutschland. Mit der Einführung von Strafzinsen durch deutsche Geschäftsbanken für private Kunden sei nur im Falle einer dauerhaft negativen Konjunkturentwicklung zu rechnen. (Ausgabe vom 03.05.2016) (04.05.2016/alc/a/a)