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Die Nominalzins-Illusion: Warum die Deutschen zu zinsverliebt sind


22.11.24 12:10
MainFirst Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Über 10 Billionen US-Dollar sind weltweit in zinstragende Einlagen, wie Geldmarktfonds oder Festgeldkonten, angelegt, so die Experten von MainFirst Asset Management.

Das sei keine gute Strategie, um sein Vermögen zu erhalten, geschweige denn auszubauen, argumentiere Thomas Meier, Portfoliomanager bei MainFirst. Trotz der geopolitischen Unsicherheiten gebe es kein Vorbeikommen an den Aktienmärkten.

Laut der Bundesbank wachse das Bargeldvermögen der privaten Haushalte rapide an, so sei im ersten Quartal 2024 der größte Zuwachs bei Termineinlagen innerhalb von drei Monaten seit 1991 verzeichnet worden. "Betrachtet man die Vermögensallokation insgesamt, so machen Bargeld und Einlagen laut Bundesbank 41 Prozent des Geldvermögens der privaten Haushalte in Deutschland aus", erläutere Meier. In der gesamten Eurozone liege der Schnitt bei etwa 35 Prozent.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden globalen Unsicherheiten würden diese "sicheren Häfen" zwar kurzfristig eine attraktive Investitionsgelegenheit darstellen, tatsächlich entpuppten sich die nominal hohen Zinsen real betrachtet jedoch als Illusion: "Die eingeleitete Zinswende durch die Europäische Zentralbank und die Federal Reserve nimmt einen signifkanten Anteil dieser Attraktivität wieder weg - insbesondere gegenüber den Aktienmärkten", so Meier.

Die zehnjährige deutsche Staatsanleihe werfe eine Rendite von 2,3 Prozent ab, weshalb einem Investor in Deutschland inflationsbereinigt gerade einmal 0,6 Prozent Rendite bleiben würden. Auch in den USA deute sich ein ähnlich mageres Bild an. "Vor dem Hintergrund von schwächeren globalen Wachstumsraten, zwar aktuell fallenden Teuerungsraten sowie abnehmenden Zinsniveaus, ergibt sich ein unzureichendes Investitionsprofil zum realen Erhalt des Vermögens", betone Meier. "Zumal davon auszugehen ist, dass die Inflation strukturell auf einem erhöhten Niveau verharren wird. Gründe dafür sind die demografische Entwicklung, drohende Zollkonflikte sowie nachhaltig steigende Kosten bei Rohstoffen."

Früher oder später werde den Investoren klar werden, dass die Allokation trotz erhöhter Sparbemühungen geändert werden müsse, um allein die Kaufkraft des Vermögens als Sparziel erreichen zu können.

Es sei zu erwarten, dass Investoren in Aktien umschichten würden, besonders aus Geldmarktfonds und Tagesgeldguthaben. "Diese enormen Anlagesummen werden bei fortschreitender monetärer Lockerung durch die Notenbanken einem Investitionsdruck unterliegen und dies dürfte die Aktienmärkte positiv beeinflussen", resümiere Meier.

Insbesondere Dividendentitel und -fonds dürften dann an Attraktivität gewinnen. Ihr konservativer Ansatz gepaart mit Ausschüttungen, die über der Inflationsrate und den Zinsen lägen, biete Anlegern eine Alternative zu klassischen Rentenpapieren.

"Investoren sollten daher eine langfristige Strategie verfolgen, die auf realen - das heißt inflationsbereinigten - Renditeerwartungen basiert und sich nicht allein durch die trügerische Sicherheit der Nominalzinsen leiten zu lassen", bilanziere Meier. Nur so lasse sich das Vermögen langfristig vor Entwertung schützen. (22.11.2024/alc/a/a)