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Notfallzinssenkung der FED verpufft


06.03.20 08:30
WisdomTree Europe

London (www.anleihencheck.de) - Schon einmal reagierte die Federal Reserve (FED) auf einen internationalen Ausverkauf auf den Aktienmärkten, indem sie am 22. Januar 2008 den Zinssatz für Bundesmittel von 4,25 auf 3,5 Prozent senkte und damit eine Notfallzinssenkung um 75 Basispunkte einleitete, so Lidia Treiber, Director, Research, WisdomTree.

Im Anschluss an diesen Schritt habe der Offenmarktausschuss der FED darauf hingewiesen, dass "angesichts einer Abschwächung der Wirtschaftsaussichten und zunehmender Abwärtsrisiken für das Wachstum" Handlungsbedarf bestehe. Im Eiltempo habe die US-Notenbank bis zum 3. März 2020 ihre erste Notfallzinssenkung seit der Krise von 2008 im Bereich von 50 Basispunkten eingeleitet. Diesmal solle die Maßnahme eine Wirtschaft unterstützen, die durch Lieferengpässe in Teilen Asiens unter Druck gerate, welche sich möglicherweise noch verschlimmern könnten.

Die Zinssenkung der FED könnte den Versuch verkörpern, die Nachfrageseite der wirtschaftlichen Gleichung wieder zu beleben, denn die Coronavirus-Epidemie bewirke einen Rückgang der Konsumausgaben inmitten eines sich bereits ohnehin verlangsamenden globalen Wachstumsprozesses. In China seien die Autoverkäufe im Februar um 80 Prozent zurückgegangen. Dies sei einer der größten monatlichen Rückgänge in der Geschichte, denn der Konsum werde durch Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus beeinträchtigt. Dies setze die chinesische Autoindustrie, die sich bereits seit zwei Jahren in einem Rückgang befinde, weiter unter Druck.

Auf Angebotsseite habe die chinesische Industrie ebenfalls eine der schwächsten Aktivitätsphasen in den bisherigen Aufzeichnungen verzeichnet. Der ISM-Einkaufsmanagerindex sei von 50 im Januar 2020 auf 35,7 im Februar gesunken. Es werde zwar erwartet, dass viele chinesische Fabriken bis Ende dieses Monats wieder höhere Kapazitätsniveaus erreichen würden, dennoch könnten sich erhebliche negative Auswirkungen einstellen, wenn der Virus auf viele Länder übergreife. Die geldpolitische Lockerung der FED dürfte zwar unmittelbare Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt haben. Dennoch würden die gewünschten positiven Nachfrageeffekte ohne eine Verpflichtung zu fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen nicht greifen.

Das Coronavirus beginne sich in ganz Europa auszuweiten. Die Europäische Zentralbank verfüge gleichzeitig über weniger geldpolitische Instrumente, um die Verbrauchernachfrage wieder anzukurbeln. Obwohl wir bislang noch kein starkes Engagement zugunsten fiskalischer Stimulierungsmaßnahmen in Europa sehen - jetzt könnte der Zeitpunkt gekommen sein, der finanzkräftige Länder zur fiskalischen Expansion veranlasst, so die Experten von WisdomTree Europe. Dies könnte das geeignete Instrument sein, um die Nachfrageseite der Gleichung anzukurbeln und der Abschwächung des Wachstums in der ersten Hälfte des Jahres 2020 gegenzusteuern. (Ausgabe vom 05.03.2020) (06.03.2020/alc/a/a)