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Nullzinspolitik und QE lassen Märkte blind werden


13.11.14 16:38
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im ständigen Streit zwischen den Anhängern der Austerität und denen des Deficit Spending, worin nun das bessere Konzept liegt, um die Konjunktur wieder auf einen sich selbst tragenden Aufwärtstrend zu schleusen, macht jetzt ein neuer Ruf die Runde: Neue Stimulierungsprogramme in die Infrastruktur und dann einfach aus den Schulden herauswachsen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Das sehe auf den ersten Blick großartig aus und höre sich gut an. Vielleicht könne ja so die Konjunkturflaute überwunden werden, dann würden die Steuereinnahmen steigen und die öffentlichen Schulden würden von allein fallen. Dann brauche man vielleicht gar keine unangenehmen Reformen.

Aber wirklich neu sei dieser Ruf auch nicht. Der britische Nationalökonom John Maynard Keynes (1883 bis 1946) habe die Meinung vertreten, im Falle einer Konjunkturflaute solle der Staat mit kreditfinanzierten Förderungsprogrammen die Gesamtnachfrage ankurbeln und bei einem Wirtschaftsaufschwung die Schulden wieder zurückbezahlen. Der zweite Teil dieser Lehre sei allerdings in Vergessenheit geraten, denn die staatlichen Schulden würden in den allermeisten Ländern seit Jahrzehnten immer nur ansteigen. Beispiel die USA: Konjunkturaufschwung oder -flaute - die Schulden würden auf seit 1970 ständig ansteigen, seit 2008 mit beschleunigtem Tempo.

Inzwischen sei der Grenznutzen der Verschuldung längst erreicht. Die Schulden würden schneller als das BIP steigen. Für 1 USD Wachstum seien bereits 1,50 USD neue Schulden erforderlich. Das sei in der Eurozone und in Japan ähnlich. Die neuen Aufkaufprogramme der EZB würden auch keinen positiven Konjunktureffekt bewirken. Die Formel "aus den Schulden herauswachsen" funktioniere nicht mehr. Noch mehr kreditfinanzierte Stimulierungsprogramme würden inzwischen schaden. Für Industrieländer scheinen Staatsschulden von über 90% des BIP gefährlich zu werden, so die Experten von "fairesearch". Oberhalb dieser Grenze leide das Wirtschaftswachstum.

Doch warum würden die Finanzmärkte diese Gefahren ignorieren? Warum weiterhin die Rufe nach neuen Stimulierungen durch Investitionen in die Infrastruktur? Die Nullzinspolitik und die umfangreichen Lockerungen QE hätten die Märkte blind werden lassen und Illusionen in die Allmacht der Zentralbanken geschürt. Jetzt zeige sich, dass "mehr Geld" keineswegs ein Allheilmittel sei, wenn die Unterstützung durch die Fiskal- und Reformpolitik ausbleibe. Es sei eben viel leichter, neue Schulden ganz billig aufzunehmen, als äußerst schwierige Reformprogramme in den Parlamenten durchzusetzen. An die Zinsbelastungen kommender Generationen werde dabei nicht gedacht.

Der größte Irrtum der letzten Jahre sei es gewesen, einseitig auf die Geldpolitik als Allheilmittel zu setzen. Für die nächste Krise sei dieses Pulver schon verschossen. (13.11.2014/alc/a/a)