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Obligationenmärkte: Frage nach weiterem Performancepotenzial
19.11.12 16:50
Liechtensteinische LB
Vaduz (www.anleihencheck.de) - Das Wirtschaftswachstum in den entwickelten Volkswirtschaften bleibt träge, so die Analysten der Liechtensteinischen Landesbank.
Die Nullzinspolitik der Notenbanken halte die Zinsen tief. Das Versprechen der EZB, potenziell unbegrenzt Anleihen der Peripheriestaaten zu kaufen, habe die Finanzmärkte beruhigt. Für den Bondanleger stelle sich die Frage nach dem weiteren Performancepotenzial.
Die Anleger hätten in letzter Zeit bondfreundliche Nachrichten eher stärker gewichtet als Daten, die auf eine Konsolidierung der Staatsanleihenmärkte hindeuten würden. So hätten sich die Bundesanleihen nach schwachen Daten zu Auftragseingängen und Industrieproduktion in Deutschland merklich fester gezeigt. Andererseits hätten die letzthin relativ positiven Daten zum US-Arbeitsmarkt die Nachfrage nach Staatstiteln kaum zu beeinträchtigen vermocht. Die Wiederwahl Barack Obamas sei am Obligationenmarkt mit Kursgewinnen respektive Renditerückgängen quittiert worden. Der amtierenden Regierung würden große Sympathien für den stark expansiven Kurs der Notenbank zugesprochen. Bekanntlich habe die FED bekräftigt, die Zinsen bis Mitte 2015 tief halten zu wollen.
Bezüglich Teuerung sei unter den Marktstrategen eine Polarisierung festzustellen. Verbunden mit der Defizitreduktion erlange das Thema Inflation eine neue Dimension. Die Frage laute, ob eine höhere Inflationsrate akzeptiert werden solle, um die Verschuldung zu reduzieren. Der Wert der meisten Schulden sei bei Emission zu fixen Konditionen festgelegt. Erträge, Einkommen und Steuern würden in laufenden (inflationierten) Werten anfallen und deshalb mit der Teuerung steigen. Dieser Effekt reduziere die Relation von Verschuldung zum BIP. Viele Marktbeobachter würden eine Inflationsrate von 4 Prozent (2 Prozentpunkte über der Zielgröße der meisten Notenbanken) als "sinnvollen" Beitrag zur Anpassung erachten. Aktuell liege die europäische Inflationsrate etwas über 2 Prozent. Gemäß EZB-Rat sollte sie wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage im nächsten Jahr unter diese Marke fallen. Eine weitere Leitzinssenkung sei deshalb in den kommenden Monaten nicht auszuschließen.
Aufgrund des aktuell sehr niedrigen Renditeniveaus reduziere sich das Ertragspotenzial von festverzinslichen Wertpapieren. Die Renditen der meisten Bondklassen würden derzeit auf oder nahe den historischen Tiefstständen notieren. Auf der Suche nach Rendite seien die Risikoaufschläge (Spreads) von Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen auch in diesem Jahr stark gefallen, was zu einem überdurchschnittlichen Gesamtertrag geführt habe. Bei den Spreads seien vom aktuell tiefen Niveau nur noch kleinere Einengungen zu erwarten. Ohne neue Schockwellen aus der Peripherie und ohne massiven Konjunktureinbruch sei auf Jahressicht mit nicht staatlichen Schuldnern jedoch wiederum eine bessere Performance zu erwarten.
Mit Unternehmens- und Senior-Finanz-Anleihen dürfte mindestens ein realer Gesamtertrag erzielt werden. Von den Risiken scheine das Kreditrisiko im Falle eines wirtschaftlichen Abschwungs die größere Gefahr zu sein. Dürfe man den Notenbanken glauben, werde das Zinsrisiko erst in zwei bis drei Jahren ein Thema werden. (Ausgabe November/Dezember 2012) (19.11.2012/alc/a/a)
Die Nullzinspolitik der Notenbanken halte die Zinsen tief. Das Versprechen der EZB, potenziell unbegrenzt Anleihen der Peripheriestaaten zu kaufen, habe die Finanzmärkte beruhigt. Für den Bondanleger stelle sich die Frage nach dem weiteren Performancepotenzial.
Bezüglich Teuerung sei unter den Marktstrategen eine Polarisierung festzustellen. Verbunden mit der Defizitreduktion erlange das Thema Inflation eine neue Dimension. Die Frage laute, ob eine höhere Inflationsrate akzeptiert werden solle, um die Verschuldung zu reduzieren. Der Wert der meisten Schulden sei bei Emission zu fixen Konditionen festgelegt. Erträge, Einkommen und Steuern würden in laufenden (inflationierten) Werten anfallen und deshalb mit der Teuerung steigen. Dieser Effekt reduziere die Relation von Verschuldung zum BIP. Viele Marktbeobachter würden eine Inflationsrate von 4 Prozent (2 Prozentpunkte über der Zielgröße der meisten Notenbanken) als "sinnvollen" Beitrag zur Anpassung erachten. Aktuell liege die europäische Inflationsrate etwas über 2 Prozent. Gemäß EZB-Rat sollte sie wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage im nächsten Jahr unter diese Marke fallen. Eine weitere Leitzinssenkung sei deshalb in den kommenden Monaten nicht auszuschließen.
Aufgrund des aktuell sehr niedrigen Renditeniveaus reduziere sich das Ertragspotenzial von festverzinslichen Wertpapieren. Die Renditen der meisten Bondklassen würden derzeit auf oder nahe den historischen Tiefstständen notieren. Auf der Suche nach Rendite seien die Risikoaufschläge (Spreads) von Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen auch in diesem Jahr stark gefallen, was zu einem überdurchschnittlichen Gesamtertrag geführt habe. Bei den Spreads seien vom aktuell tiefen Niveau nur noch kleinere Einengungen zu erwarten. Ohne neue Schockwellen aus der Peripherie und ohne massiven Konjunktureinbruch sei auf Jahressicht mit nicht staatlichen Schuldnern jedoch wiederum eine bessere Performance zu erwarten.
Mit Unternehmens- und Senior-Finanz-Anleihen dürfte mindestens ein realer Gesamtertrag erzielt werden. Von den Risiken scheine das Kreditrisiko im Falle eines wirtschaftlichen Abschwungs die größere Gefahr zu sein. Dürfe man den Notenbanken glauben, werde das Zinsrisiko erst in zwei bis drei Jahren ein Thema werden. (Ausgabe November/Dezember 2012) (19.11.2012/alc/a/a)


