PEINE-Anleihe: Kupon von 8,0% überdurchschnittlich attraktiv


24.06.13 13:14
fixed-income.org

Wolfratshausen (www.anleihencheck.de) - Nach Ansicht von Robert Cleve und Christian Schiffmacher, den Experten von "fixed-income.org" - Die Plattform für Emittenten und Investoren am Anleihemarkt -, ist der Kupon von 8,0% bei der PEINE-Anleihe im Branchenvergleich überdurchschnittlich attraktiv.

Die PEINE GmbH emittiere eine Unternehmensanleihe im Volumen von bis zu 15 Mio. Euro. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren und einem "BB-"-Rating biete die Gesellschaft einen Kupon von 8,0%. Nach mehreren Gesellschafterwechseln in den letzten Jahren sei das Unternehmen am Anfang des Jahres vom jetzigen Management übernommen worden. Weiteres Wachstumspotenzial sehe man vor allem in einem Ausbau der Vertriebskanäle und der Optimierung der Markendarstellung.

Das Unternehmen entwickle, produziere (durch Dritte) und vertreibe anspruchsvolle Herrenbekleidung (Anzüge, Sakkos und Hosen) sowie eine Spezialkollektion für geschäftliche und gesellschaftliche Anlässe. Die Produkte für die Zielgruppe Herren ab 35 werde unter den Marken BARUTTI und Masterhand angeboten. Die Waren seien im mittelpreisigen Segment angesiedelt (Anzüge würden bis zu 400 Euro kosten). Der Sitz der Gesellschaft sei in Wilhelmshaven. Hier verfüge PEINE über ein Team von 96 Mitarbeitern.

Seit 1985 werde unter der Marke BARUTTI Herrenbekleidung hergestellt, die sowohl klassischen, traditionellen als auch modernen Ansprüchen genüge. PEINE biete unter dieser Marke zwei Kollektionen im Jahr an, eine Frühjahr-/Sommer-Kollektion und eine Herbst-/Winter-Kollektion, die beide in je zwei Modelinien unterteilt seien. Die eine Modelinie sei die "Smart Casual", also für den gehobenen Freizeitbereich, die andere "Modern Classics", die vor allem Herrenbekleidung für den Businessbereich anbiete. Eine europaweit führende Position nehme die "Harris Tweed"-Kollektion ein, die exklusive Sakkos nur aus Stoffen des berühmten schottischen Webers, dessen größter Kunde die Emittentin sei, anbiete.

Die Marke Masterhand sei 1978 geschaffen worden und bediene den Nischenmarkt der Herrenbekleidung für Hochzeiten und gesellschaftliche Anlässe. Masterhand biete jährlich eine neue Kollektion unterteilt in die Segmente "Celebration" und "Classics". Ferner gebe es ein ständig verfügbares "Bestseller-Programm". Nach Einschätzung der Emittentin gehöre Masterhand zu den führenden Anbietern Europas in diesem Nischenmarkt.

Der Produktbereich der PEINE GmbH werde komplettiert durch so genannte "Never out of Stock"-Linien, die sich bei beiden Marken finden und die jenseits der Kollektionen nicht aus dem Angebot genommen würden. Diese Linien würden "Mix & Match"-Programme beinhalten, die sich dadurch auszeichnen würden, dass der Konsument innerhalb dieser Sortimente beliebig Sakkos und Hosen unterschiedlicher Größen, aber immer aus denselben Stoffpartien mixen könne.

Das Unternehmen sei überwiegend verantwortlich für die Beschaffung der Rohwaren (Stoffe und Zubehör), die es - aus seiner Sicht - von renommierten Herstellern beziehe. Gemäß den Design- und Schnittvorgaben der Emittentin würden dann die Textilien durch leistungsfähige, hochspezialisierte Subunternehmer gefertigt. Seit dem Jahr 2012 arbeite man nur mit rumänischen Produzenten, die schon seit langer Zeit für sie tätig seien. Die Ausgliederung der Produktion entspreche dem branchenüblichen Standard.

Die Gesellschaft habe Showrooms in Hamburg, Düsseldorf, Sindelfingen, München und Kopenhagen sowie Factory Outlets in Wilhelmshaven, Schwarzach, Herrieden und Regensburg.

Aus dem Nettoemissionserlös solle ein Betrag in Höhe von ca. 3 Mio. Euro zur Finanzierung des laufenden operativen Geschäftsbetriebs, vor allem zur Optimierung der Zahlungsmodalitäten und des Kostenmanagements, verwendet werden. Ein weiterer Betrag in Höhe von bis zu 8 Mio. Euro solle für die Sicherung und den Ausbau des weiteren Wachstums sowie den Auf- und Ausbau der Vertriebsstrukturen genutzt werden, vor allem für die Eröffnung eigener Einzelhandelsgeschäfte (ca. 3 Mio. Euro), überwiegend in Deutschland, die Verstärkung der Wholesale-Aktivitäten und die Eröffnung weiterer Factory Outlet Center (ca. 2,5 Mio. Euro), in denen die Produkte der Emittentin vertrieben würden, den Ausbau des Fabrikverkaufs in Wilhelmshaven (ca. 1,5 Mio. Euro) und Investitionen ins e-Commerce (ca. 1 Mio. Euro).

Ein weiterer Betrag in Höhe von max. 2 Mio. Euro solle zur Ablösung bzw. temporären Rückzahlung bestehender Bankverbindlichkeiten (vor allem Kontokorrentlinien) verwendet werden. Ca. 1 Mio. Euro würden der Durchführung besonderer Marketingmaßnahmen und zur Standortsicherung dienen.

Die Priorisierung der Mittelverwendung sei in der Reihenfolge geplant, in der die Verwendungszwecke in diesem Absatz genannt seien. Die zur Finanzierung der vorgenannten Verwendungszwecke erforderlichen Beträge, welche über den durch die Platzierung dieser Anleihe erzielten Erlös hinausgehen würden, würden durch die Emittentin aus liquiden Mitteln und aus laufenden Einnahmen aus dem operativen Geschäft erbracht.

Die Expansionsstrategie des neuen Managements basiere auf einem Marken- und Produkt-Relaunch mit dem Schwerpunkt im Ausbau des Vertriebskanals, der weiteren Internationalisierung sowie auf der weiteren Vertikalisierung der Prozesse.

So sei der Relaunch des Private Label-Geschäfts geplant, das 2011 reduziert worden sei. Die Gesellschaft plane die Übernahme einer kleinen Retailkette mit etwa zehn Standorten mit einer Fläche von jeweils 80 bis 140 qm. Ferner sei für 2014 die Eröffnung von vier weiten Outlets in Deutschland geplant.

Gemäß der Strukturbilanz habe die Bilanzsumme 2012 bei rund 11,8 Mio. Euro gelegen und die Eigenkapitalquote bei 28,9%. Bei einem Umsatz von 23,7 Mio. Euro sei ein Jahresüberschuss von 10.500 Euro erwirtschaftet worden.

Das Geschäft sei von Saisonalität mit hohen Vorfinanzierungserfordernissen geprägt. Unter Berücksichtigung von Miet- und Leasingverbindlichkeiten sei das Net Debt/EBITDA mit 10 sehr hoch. Die Anleiheemission werde die Bilanzsumme mehr als verdoppeln, was zu deutlichen Veränderungen der maßgeblichen Kennziffern führe. Auf der anderen Seite sei das letzte Geschäftsjahr durch erhebliche negative Einmaleffekte und Interessen des Private Equity-Gesellschafters geprägt gewesen (hohe Ausschüttungen), habe jedoch dennoch ein leicht positives Ergebnis erzielen können. Solche Belastungen seien nach dem Kauf durch das jetzige Management nicht mehr zu erwarten.

Stärken: große Kundenbasis, erfahrenes und motiviertes Management (Gesellschafter), deutliches Vertriebspotenzial durch Übernahme einer Retailkette und die Eröffnung von Outlet Shops, im Branchenvergleich attraktiver Kupon.

Schwächen: bislang relativ schwache Kennzahlen, u. a. geprägt durch die Interessen der früheren Gesellschafter (hohe Gewinnausschüttung). Der eingeschlagene Wachstumskurs und die deutliche Ausweitung der Bilanzsumme würden Risiken bergen.

Die PEINE GmbH blicke auf eine wechselreiche Vergangenheit, die zuletzt von zahlreichen Eigentümerwechseln und deren Interessen geprägt gewesen sei. Anfang des Jahres sei die Gesellschaft vom jetzigen Management übernommen worden, das einen sehr positiven Eindruck mache und natürlich langfristige Ziele verfolge. Vor allem im Ausbau des Vertriebs sehe das Management Potenzial. Der eingeschlagene Wachstumskurs berge durch die Ausweitung der Bilanzsumme jedoch auch Risiken.

Insgesamt erscheint die Strategie des Managements nachvollziehbar, der Kupon von 8,00% bei der Anleihe ist im Branchenvergleich überdurchschnittlich attraktiv, so die Experten von "fixed-income.org". (Ausgabe vom 23.06.2013) (24.06.2013/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

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