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Pfund-Anleihen: Die Brexit-Prämie nutzen
13.06.19 11:30
Vontobel Asset Management
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der Brexit-Debatte im britischen Parlament herrscht derzeit Stillstand, ebenso wie bei den Verhandlungen mit der EU, so Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management.
Angesichts der verschiedenen Optionen sei vollkommen ungewiss, wie der Austrittsprozess weitergehen werde. Daher überrasche es kaum, dass die Anleger weiterhin eine Spread-Prämie für auf Pfund Sterling lautende Anleihen fordern würden, die über vergleichbaren Euro-Emissionen liege.
Ein Vergleich der Asset-Swap-Spreads auf Indices für auf Sterling und Euro lautende Hochzinsanleihen zeige, dass die Prämie derzeit 125 Basispunkte (BP) betrage und damit etwas über dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre liege. Da der Spread auf den Euro-Index lediglich bei 360 BP liege, könne es sich sicherlich auszahlen, am Sterling-Markt nach Relative-Value-Chancen zu suchen, vorausgesetzt, dass sich diese auf sichere Weise realisieren lassen würden.
Während es natürlich attraktiv sei, den zusätzlichen Spread zu nutzen, den das Halten von Pfund-Sterling-Anleihen biete, müssten Anleger hier aber letztlich die Gewinne mitnehmen - entweder durch Fälligkeit oder Kündigung der Anleihen oder durch eine Verengung des Spreads in Richtung null. Letzteres scheine auf kurze Sicht allerdings nicht wahrscheinlich. Aber Anleger hätten in jüngster Zeit davon profitiert, dass Emittenten Anleihen zum Nennwert zurückbezahlt hätten.
Im bisherigen Jahresverlauf seien viele der Anleihefavoriten der Experten entweder gekündigt oder zum Rückkauf angeboten worden, darunter Anleihen von Nationwide, Coventry, Barclays, Swiss Re und zuletzt Virgin Money. Insgesamt würden nachrangige Finanzanleihen in Höhe von nahezu 7 Milliarden Pfund Sterling den Markt verlassen, wovon ein Teil dem Markt nicht durch Neuemissionen wiederzugeführt werde. Dies biete technische Unterstützung für bestehende Anleihen und komme den Anlegern zugute, die die Brexit-Prämie nutzen möchten.
Interessant und vielleicht überraschend sei, dass der Index für Sterling-Hochzinsanliehen trotz der Vorsicht der Anleger seit Anfang Juli 2016, also seit kurz nach dem Referendum über den EU-Austritt, eine Outperformance gegenüber dem Euro-Index erzielt habe. Skeptische Anleger würden anführen, dass sich die wahren Nachteile erst nach einem ungeordneten Brexit offenbaren würden und dass die Risiken stärker wiegen würden als das Potenzial. Die Experten würden eindeutig zustimmen, dass sich Anleger vorsichtig bewegen müssten und Emittenten meiden sollten, die nicht in der Lage seien, sich gegen die Folgen eines harten Brexits abzusichern.
Aber es gebe am Markt für Pfund-Sterling-Papiere auch eine Vielzahl von Emittenten, die vom Brexit-Ausgang unberührt bleiben würden oder sich durch ihr diversifiziertes Geschäft absichern könnten. Anleger, die auf sicherem Wege den zusätzlichen Spread nutzen möchten und denen der Brexit Sorgen bereite, dürften weiterhin von einer Position in Sterling-Anleihen mit kurzer Laufzeit profitieren, die sich auch als gute Diversifizierungsquelle im aktuellen Niedrigrenditeumfeld erweisen sollten. (13.06.2019/alc/a/a)
Angesichts der verschiedenen Optionen sei vollkommen ungewiss, wie der Austrittsprozess weitergehen werde. Daher überrasche es kaum, dass die Anleger weiterhin eine Spread-Prämie für auf Pfund Sterling lautende Anleihen fordern würden, die über vergleichbaren Euro-Emissionen liege.
Ein Vergleich der Asset-Swap-Spreads auf Indices für auf Sterling und Euro lautende Hochzinsanleihen zeige, dass die Prämie derzeit 125 Basispunkte (BP) betrage und damit etwas über dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre liege. Da der Spread auf den Euro-Index lediglich bei 360 BP liege, könne es sich sicherlich auszahlen, am Sterling-Markt nach Relative-Value-Chancen zu suchen, vorausgesetzt, dass sich diese auf sichere Weise realisieren lassen würden.
Im bisherigen Jahresverlauf seien viele der Anleihefavoriten der Experten entweder gekündigt oder zum Rückkauf angeboten worden, darunter Anleihen von Nationwide, Coventry, Barclays, Swiss Re und zuletzt Virgin Money. Insgesamt würden nachrangige Finanzanleihen in Höhe von nahezu 7 Milliarden Pfund Sterling den Markt verlassen, wovon ein Teil dem Markt nicht durch Neuemissionen wiederzugeführt werde. Dies biete technische Unterstützung für bestehende Anleihen und komme den Anlegern zugute, die die Brexit-Prämie nutzen möchten.
Interessant und vielleicht überraschend sei, dass der Index für Sterling-Hochzinsanliehen trotz der Vorsicht der Anleger seit Anfang Juli 2016, also seit kurz nach dem Referendum über den EU-Austritt, eine Outperformance gegenüber dem Euro-Index erzielt habe. Skeptische Anleger würden anführen, dass sich die wahren Nachteile erst nach einem ungeordneten Brexit offenbaren würden und dass die Risiken stärker wiegen würden als das Potenzial. Die Experten würden eindeutig zustimmen, dass sich Anleger vorsichtig bewegen müssten und Emittenten meiden sollten, die nicht in der Lage seien, sich gegen die Folgen eines harten Brexits abzusichern.
Aber es gebe am Markt für Pfund-Sterling-Papiere auch eine Vielzahl von Emittenten, die vom Brexit-Ausgang unberührt bleiben würden oder sich durch ihr diversifiziertes Geschäft absichern könnten. Anleger, die auf sicherem Wege den zusätzlichen Spread nutzen möchten und denen der Brexit Sorgen bereite, dürften weiterhin von einer Position in Sterling-Anleihen mit kurzer Laufzeit profitieren, die sich auch als gute Diversifizierungsquelle im aktuellen Niedrigrenditeumfeld erweisen sollten. (13.06.2019/alc/a/a)


