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Polen: Auf dem Weg Richtung Leitzinssenkungen
09.10.24 10:26
DekaBank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Polen hat im zweiten Quartal 2024 mit 1,5% qoq (4,0% yoy) die stärkste Quartalswachstumsrate innerhalb der EU ausgewiesen, so die Analysten der DekaBank.
Erneut habe der Dienstleistungssektor die Konjunktur gestützt, während die Industrie sich wie vielerorts in der EU in einer Schwächephase befinde. Zuletzt habe sich der Einkaufsmanagerindex im verarbeitenden Gewerbe zwar etwas verbessert - von 47,8 Punkten im August auf 48,6 Punkte im September - bleibe jedoch weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Die Flutkatastrophe im September habe insbesondere im Südwesten des Landes zu massiven Zerstörungen geführt, deren Kosten sich noch nicht vollständig beziffern ließen. Die Regierung wolle für den Wiederaufbau bis zu 23 Mrd. Zloty zur Verfügung stellen, die allerdings zu einem wesentlichen Teil durch die EU finanziert würden (ca. 5 Mrd. Euro). Beim Wiederaufbau müsste auch der Hochwasserschutz verbessert werden.
In der Preisdynamik seien die Flutauswirkungen kaum zu sehen: Im September seien die Preise im Rahmen der Erwartungen um 0,1% mom (4,9% yoy) angestiegen. Die hohe Inflation in der Vorjahresbetrachtung lasse sich vorwiegend durch die Anpassung der Energiepreise nach dem Auslaufen der Stützungsprogramme erklären. Habe die polnische Zentralbank bis in den Sommer hinein angesichts der lockeren Fiskalpolitik für 2025 kaum Raum für eine Wiederaufnahme des Zinssenkungszyklus gesehen, so führe das schnellere Lockerungstempo der EZB und der US-Fed zu einer Änderung der Kommunikation.
Eine Diskussion über Leitzinssenkungen sei bereits früh im Jahr 2025 möglich. Es werde erwartet, dass die aktualisierten Zentralbankprojektionen im März den anhaltenden Desinflationstrend bestätigen würden und somit der erste Zinsschritt dann auch direkt erfolge.
Perspektiven: Die Verbesserung der realen Einkommenssituation würde ab diesem Jahr zu einer Belebung des privaten Konsums führen. Zudem würden Impulse für Investitionen aus der Zuteilung der Mittel der Aufbau- und Resilienzfazilität der EU erwartet. Dies dürfte trotz der anhaltenden Schwäche der Industrie zu einer dynamischeren Konjunkturentwicklung als in anderen osteuropäischen EU-Ländern führen. Der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine habe die Sicherheitslage für Polen als Anrainerstaat mit einer ausgeprägt Russland-feindlichen Position verändert und zu einer erheblichen Ausweitung der Militärausgaben geführt. Die NATO-Mitgliedschaft dürfte das Land allerdings wirksam gegen eine mögliche Aggression schützen.
Länderrisiko: Derzeit werde die Bonität Polens durch die Ratingagenturen im unteren A-Bereich gesehen. Alle drei großen Agenturen würden einen stabilen Ausblick für ihr Rating vergeben. Nach dem Sieg der Opposition und der Bildung einer Regierung unter Donald Tusk ("Bürgerplattform") Ende 2023 hätten sich Polens Beziehungen zur EU dank des Kurses auf Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit, die durch die Reformen der PiS-Regierung teils beeinträchtigt worden sei, deutlich verbessert, was sich positiv auf das Rating auswirke. Der anfängliche scharfe Konflikt mit der Partei "Recht und Gerechtigkeit" habe sich abgemildert, doch anhaltende Spannungen und die Präsidentschaftswahlen bis Mai 2025 könnten die Effizienz der Regierung beeinträchtigen.
Angesichts des hohen Drucks auf der Ausgabenseite des Staatshaushalts (Verteidigungsausgaben, Wahlversprechen im Bereich Soziales, steigende Finanzierungskosten) bleibe das Haushaltsdefizit hoch. Etwas Entlastung verspreche das Auslaufen der Stützungsmaßnahmen aus der Energiekrise. Polen sei eines der sieben Staaten, die seitens der EU seit 2024 im Rahmen des erneuerten Verfahrens bei übermäßigem Defizit überwacht würden. Damit müsse das Land mittelfristig einen Konsolidierungskurs vorlegen. Vor der Präsidentschaftswahl dürfte der Fokus der Regierung allerdings nicht aufs Sparen gerichtet sein. (Ausgabe vom 07.10.2024) (09.10.2024/alc/a/a)
Erneut habe der Dienstleistungssektor die Konjunktur gestützt, während die Industrie sich wie vielerorts in der EU in einer Schwächephase befinde. Zuletzt habe sich der Einkaufsmanagerindex im verarbeitenden Gewerbe zwar etwas verbessert - von 47,8 Punkten im August auf 48,6 Punkte im September - bleibe jedoch weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Die Flutkatastrophe im September habe insbesondere im Südwesten des Landes zu massiven Zerstörungen geführt, deren Kosten sich noch nicht vollständig beziffern ließen. Die Regierung wolle für den Wiederaufbau bis zu 23 Mrd. Zloty zur Verfügung stellen, die allerdings zu einem wesentlichen Teil durch die EU finanziert würden (ca. 5 Mrd. Euro). Beim Wiederaufbau müsste auch der Hochwasserschutz verbessert werden.
In der Preisdynamik seien die Flutauswirkungen kaum zu sehen: Im September seien die Preise im Rahmen der Erwartungen um 0,1% mom (4,9% yoy) angestiegen. Die hohe Inflation in der Vorjahresbetrachtung lasse sich vorwiegend durch die Anpassung der Energiepreise nach dem Auslaufen der Stützungsprogramme erklären. Habe die polnische Zentralbank bis in den Sommer hinein angesichts der lockeren Fiskalpolitik für 2025 kaum Raum für eine Wiederaufnahme des Zinssenkungszyklus gesehen, so führe das schnellere Lockerungstempo der EZB und der US-Fed zu einer Änderung der Kommunikation.
Perspektiven: Die Verbesserung der realen Einkommenssituation würde ab diesem Jahr zu einer Belebung des privaten Konsums führen. Zudem würden Impulse für Investitionen aus der Zuteilung der Mittel der Aufbau- und Resilienzfazilität der EU erwartet. Dies dürfte trotz der anhaltenden Schwäche der Industrie zu einer dynamischeren Konjunkturentwicklung als in anderen osteuropäischen EU-Ländern führen. Der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine habe die Sicherheitslage für Polen als Anrainerstaat mit einer ausgeprägt Russland-feindlichen Position verändert und zu einer erheblichen Ausweitung der Militärausgaben geführt. Die NATO-Mitgliedschaft dürfte das Land allerdings wirksam gegen eine mögliche Aggression schützen.
Länderrisiko: Derzeit werde die Bonität Polens durch die Ratingagenturen im unteren A-Bereich gesehen. Alle drei großen Agenturen würden einen stabilen Ausblick für ihr Rating vergeben. Nach dem Sieg der Opposition und der Bildung einer Regierung unter Donald Tusk ("Bürgerplattform") Ende 2023 hätten sich Polens Beziehungen zur EU dank des Kurses auf Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit, die durch die Reformen der PiS-Regierung teils beeinträchtigt worden sei, deutlich verbessert, was sich positiv auf das Rating auswirke. Der anfängliche scharfe Konflikt mit der Partei "Recht und Gerechtigkeit" habe sich abgemildert, doch anhaltende Spannungen und die Präsidentschaftswahlen bis Mai 2025 könnten die Effizienz der Regierung beeinträchtigen.
Angesichts des hohen Drucks auf der Ausgabenseite des Staatshaushalts (Verteidigungsausgaben, Wahlversprechen im Bereich Soziales, steigende Finanzierungskosten) bleibe das Haushaltsdefizit hoch. Etwas Entlastung verspreche das Auslaufen der Stützungsmaßnahmen aus der Energiekrise. Polen sei eines der sieben Staaten, die seitens der EU seit 2024 im Rahmen des erneuerten Verfahrens bei übermäßigem Defizit überwacht würden. Damit müsse das Land mittelfristig einen Konsolidierungskurs vorlegen. Vor der Präsidentschaftswahl dürfte der Fokus der Regierung allerdings nicht aufs Sparen gerichtet sein. (Ausgabe vom 07.10.2024) (09.10.2024/alc/a/a)
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