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Polen: Ein Leitzinsschritt zu Weihnachten
08.12.25 09:47
DekaBank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Zuwachsrate des realen Bruttoinlandprodukts in Polen im dritten Quartal konnte sich mit 0,9% qoq (3,8% yoy) im EU-Vergleich durchaus sehen lassen, so die Analysten der DekaBank.
Für die solide Konjunkturdynamik habe in erster Linie die inländische Verwendung gesorgt, dabei sei insbesondere die Investitionstätigkeit im Fokus gewesen. Die Exporte hätten ordentlich zugelegt, somit seien auch im vergangenen Quartal kaum negative Effekte der US-Zölle zu sehen gewesen. Die Importe seien allerdings ebenfalls angestiegen, sodass der Außenbeitrag nahezu neutral für die Konjunkturdynamik gewesen sei. DekaBank habe der positiven Wachstumsüberraschung Rechnung getragen und die BIP-Prognose für 2025 und 2026 leicht angehoben. Der Rückgang der Inflationsdynamik verlaufe in Polen dieses Jahr deutlich weniger holprig als erwartet. Die vorläufigen Inflationszahlen für November hätten mit einer 0,1% mom (2,4% yoy) erneut nach unten überrascht. Die Lohnentwicklung falle am aktuellen Rand ebenfalls moderater aus. In diesem Umfeld habe die polnische Zentralbank am 3. Dezember den Leitzins um weitere 25 Bp auf nun 4,0% gesenkt, entgegen der jahrelangen Tradition von "Zinsruhe" im Weihnachtsmonat. Im kommenden Jahr dürfte erstmal eine Pause folgen, um den Effekt der bisherigen Senkungen sowie der saisonalen Preisanpassungen am Jahresanfang besser abschätzen zu können. Wegen der schwächeren Lohnentwicklung dürfte auf dem aktuellen Niveau allerdings nicht Schluss sein. DekaBank halte eine weitere Lockerung Richtung neutrales Zinsniveau im Bereich von 3,50% in der ersten Jahreshälfte 2026 für wahrscheinlich.
Perspektiven: Die bestehenden EU-Programme dürften für eine solide Konjunkturdynamik sorgen. Das neue EU-Verteidigungspaket könne je nach Allokation für zusätzliche Impulse sorgen. Im regionalen Vergleich sei Polen als eine Volkswirtschaft mit einem eher geringen Offenheitsgrad weniger anfällig gegenüber dem US-Protektionismus.
Länderrisiko: Derzeit werde die Bonität Polens durch die Ratingagenturen im unteren A-Bereich gesehen. Angesichts des hohen Drucks auf der Ausgabenseite (Verteidigungsausgaben, Soziales, steigende Finanzierungskosten) bleibe das Haushaltsdefizit hoch. Polen befinde sich im EU-Defizitverfahren und bis 2028 sei eine Konsolidierung Richtung Budgetdefizit von 3% des BIP geplant. Die hohe Schuldenquote habe bereits zu einer Verschlechterung des Ratingausblicks bei Moody’s und Fitch im September 2025 geführt. Polen müsse damit in den kommenden Jahren konsolidieren, um das Rating auf dem aktuellen Niveau zu halten. Nach dem Sieg des oppositionellen Kandidaten Karol Nawrocki bei der Präsidentschaftswahl dürften für die Regierungsparteien die Zustimmungswerte vor den nächsten Parlamentswahlen, die im Herbst 2027 regulär stattfinden sollten, noch stärker in den Fokus rücken. Das könnte zum einen die Bereitschaft zur Umsetzung politisch herausfordernder Maßnahmen, u.a. im Bereich Haushaltskonsolidierung, mindern. Zum anderen dürfte der anhaltende Konflikt zwischen der Regierung und dem Präsidenten den angestrebten Reformkurs generell ausbremsen und die Handlungsfähigkeit der Politik einschränken. Die Konsolidierungsmöglichkeiten könnten ebenfalls verringert werden, denn der neue Präsident lehne Steueranhebungen ab. Würden die Differenzen innerhalb der Regierungskoalition steigen, könne es zu vorgezogenen Neuwahlen kommen. Die Aggression Russlands gegen die Ukraine habe die Sicherheitslage für Polen als unmittelbares Grenzgebiet grundlegend verändert. Die Risiken würden durch den Schutz des Artikel 5 des NATO-Vertrages gemildert, könnten allerdings nicht eliminiert werden, auch weil die USA drohen würden, ihren Schutzschirm für Europa zu reduzieren. (Emerging Markets Trends vom 05.12.2025) (08.12.2025/alc/a/a)
Für die solide Konjunkturdynamik habe in erster Linie die inländische Verwendung gesorgt, dabei sei insbesondere die Investitionstätigkeit im Fokus gewesen. Die Exporte hätten ordentlich zugelegt, somit seien auch im vergangenen Quartal kaum negative Effekte der US-Zölle zu sehen gewesen. Die Importe seien allerdings ebenfalls angestiegen, sodass der Außenbeitrag nahezu neutral für die Konjunkturdynamik gewesen sei. DekaBank habe der positiven Wachstumsüberraschung Rechnung getragen und die BIP-Prognose für 2025 und 2026 leicht angehoben. Der Rückgang der Inflationsdynamik verlaufe in Polen dieses Jahr deutlich weniger holprig als erwartet. Die vorläufigen Inflationszahlen für November hätten mit einer 0,1% mom (2,4% yoy) erneut nach unten überrascht. Die Lohnentwicklung falle am aktuellen Rand ebenfalls moderater aus. In diesem Umfeld habe die polnische Zentralbank am 3. Dezember den Leitzins um weitere 25 Bp auf nun 4,0% gesenkt, entgegen der jahrelangen Tradition von "Zinsruhe" im Weihnachtsmonat. Im kommenden Jahr dürfte erstmal eine Pause folgen, um den Effekt der bisherigen Senkungen sowie der saisonalen Preisanpassungen am Jahresanfang besser abschätzen zu können. Wegen der schwächeren Lohnentwicklung dürfte auf dem aktuellen Niveau allerdings nicht Schluss sein. DekaBank halte eine weitere Lockerung Richtung neutrales Zinsniveau im Bereich von 3,50% in der ersten Jahreshälfte 2026 für wahrscheinlich.
Perspektiven: Die bestehenden EU-Programme dürften für eine solide Konjunkturdynamik sorgen. Das neue EU-Verteidigungspaket könne je nach Allokation für zusätzliche Impulse sorgen. Im regionalen Vergleich sei Polen als eine Volkswirtschaft mit einem eher geringen Offenheitsgrad weniger anfällig gegenüber dem US-Protektionismus.
Länderrisiko: Derzeit werde die Bonität Polens durch die Ratingagenturen im unteren A-Bereich gesehen. Angesichts des hohen Drucks auf der Ausgabenseite (Verteidigungsausgaben, Soziales, steigende Finanzierungskosten) bleibe das Haushaltsdefizit hoch. Polen befinde sich im EU-Defizitverfahren und bis 2028 sei eine Konsolidierung Richtung Budgetdefizit von 3% des BIP geplant. Die hohe Schuldenquote habe bereits zu einer Verschlechterung des Ratingausblicks bei Moody’s und Fitch im September 2025 geführt. Polen müsse damit in den kommenden Jahren konsolidieren, um das Rating auf dem aktuellen Niveau zu halten. Nach dem Sieg des oppositionellen Kandidaten Karol Nawrocki bei der Präsidentschaftswahl dürften für die Regierungsparteien die Zustimmungswerte vor den nächsten Parlamentswahlen, die im Herbst 2027 regulär stattfinden sollten, noch stärker in den Fokus rücken. Das könnte zum einen die Bereitschaft zur Umsetzung politisch herausfordernder Maßnahmen, u.a. im Bereich Haushaltskonsolidierung, mindern. Zum anderen dürfte der anhaltende Konflikt zwischen der Regierung und dem Präsidenten den angestrebten Reformkurs generell ausbremsen und die Handlungsfähigkeit der Politik einschränken. Die Konsolidierungsmöglichkeiten könnten ebenfalls verringert werden, denn der neue Präsident lehne Steueranhebungen ab. Würden die Differenzen innerhalb der Regierungskoalition steigen, könne es zu vorgezogenen Neuwahlen kommen. Die Aggression Russlands gegen die Ukraine habe die Sicherheitslage für Polen als unmittelbares Grenzgebiet grundlegend verändert. Die Risiken würden durch den Schutz des Artikel 5 des NATO-Vertrages gemildert, könnten allerdings nicht eliminiert werden, auch weil die USA drohen würden, ihren Schutzschirm für Europa zu reduzieren. (Emerging Markets Trends vom 05.12.2025) (08.12.2025/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,15 % | 2,15 % | - % | 0,00% | 31.05./17:30 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| XFARIV001614 | 2,65 % | 2,15 % | ||


