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Politik lahmt, Wirtschaft boomt - Renten mit wenig Renditepotenzial


22.01.19 12:00
Hauck & Aufhäuser

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Politik wird in diesem Jahr das Börsengeschehen maßgeblich bestimmen. Davon geht Burkhard Allgeier, Geschäftsführer der H&A Global Investment Management GmbH (HAGIM) und Chief Investment Officer (CIO) bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG, in seinem Ausblick für 2019 aus.

Themen wie die ungeklärten Brexit-Modalitäten, der Handelsstreit zwischen China und den USA oder die Frage nach der Stabilität der Eurozone hätten die Kraft, Kapitalmarktturbulenzen auszulösen. Rückblickend seien das Zusammenwirken dieser Störfaktoren und ihr Effekt auf die Aktienmärkte im vergangenen Jahr unterschätzt worden.

Ein ausgeprägtes Rezessionsrisiko sehe Allgeier dabei 2019 nicht. Sicherlich zeige die globale Konjunktur im zehnten Jahr des Aufschwungs Ermüdungserscheinungen. Dennoch sei die Binnenkonjunktur in den einzelnen Ländern bei guter Arbeitsmarktlage und akkommodierender Geldpolitik zu robust für einen scharfen globalen Abschwung oder eine Rezession. Damit sei das konjunkturelle Umfeld für Aktien weiterhin günstig, denn echte Aktien-Baissen entstünden in aller Regel nur in ökonomischen Rezessionsphasen. Hinzu komme, dass spätzyklische Phasen oftmals genau jene Zeiträume seien, die mit zu den ertragreichsten für Aktieninvestoren gehörten. "Viele Investoren haben sich in den "mageren" Ertragsphasen zuvor bereits aus dem Markt verabschiedet - dabei kommt das Beste oft zum Schluss", so Allgeier.

Vor diesem Hintergrund beurteile der CIO die Aktienmärkte in diesem Jahr als aussichtsreich. Zwar hätten die Unternehmensgewinne ihren zyklischen Höhepunkt erreicht und würden nun flacher steigen. Trotzdem werde das Gewinnwachstum in den USA und Europa wohl bei knapp 10 Prozent liegen. "Dies ist zwar eine deutliche Verlangsamung der Gewinndynamik, aber keine Gewinnrezession", erläutere Allgeier. Aufgrund der höheren Profitabilität der Unternehmen favorisiere er den US-Aktienmarkt, während der europäische Markt seiner Einschätzung nach eine signifikante Verbesserung im hoch gewichteten Bankensektor brauche. Die Schwellenländer könnten nach Einschätzung des CIO in diesem Jahr vor einem Gewinn-Comeback stehen. Sollte der Handelsstreit gelöst und die Wachstumsdelle in China ausgebügelt werden, seien Aktien aus den Emerging Markets attraktiv.

Das geringere Gewinnwachstum und die genannten Risikofaktoren würden sich Allgeier zufolge bereits in den reduzierten Aktienmarktbewertungen widerspiegeln. Dies seien günstige Voraussetzungen für höhere Aktienmarktnotierungen. Deshalb setze die HAGIM für das Jahr 2019 auf eine Korrektur der Kursverluste aus dem vierten Quartal 2018, allerdings bei anhaltender Volatilität.

An den Rentenmärkten sei nach Einschätzung der HAGIM eine Zinswende für AAA-Titel staatlicher Schuldner wie US-Treasuries oder Bundesanleihen nicht in Sicht. US-Treasuries traue der Vermögensverwalter nur wenig Renditeauftriebspotenzial zu, da die Renditen seit anderthalb Jahren stiegen und sich die FED dem Ende des Zinszyklus nähere. Die niedrigen Renditen von Bundesanleihen spiegelten Knappheitspreise wider, da eine anhaltend hohe Nachfrage auf ein knapper werdendes Angebot treffe. Allerdings könnten strukturelle Faktoren zu einem späteren Zeitpunkt eine Niveauverschiebung der Renditen nach oben bewirken, etwa wenn sich die Notenbanken komplett aus unkonventionellen Politikinstrumenten zurückziehen würden oder die Baby-Boomer-Generation in die Phase des Entsparens eintreten würde. Das allerdings werde wohl erst in einigen Jahren zu einem Thema werden.

Corporate Bonds bescheinige Allgeier aufgrund der gestiegenen Verschuldung im nicht-finanziellen Sektor nur eine geringe Qualität: "Das Risk-Reward-Profil ist im Investment-Grade-Bereich - und hier insbesondere im Euroraum - nicht mehr sonderlich attraktiv." Kennzahlen wie die "Interest Coverage Ratio" könnten sich bei einem schärferen Konjunkturabschwung verschlechtern. Ein besseres Risk-Reward-Profil sehe er hingegen bei High-Yield-Anleihen oder bei Emerging Market Bonds in Landeswährung, dort sei der Spread-Puffer im Zuge der Aktienturbulenzen ansehnlicher geworden.

Im Jahr 2019 bleibe Flexibilität nach Einschätzung von Burkhard Allgeier das Gebot der Stunde in der Asset Allocation. Bei den Aktienquoten empfehle der HAGIM-Experte - ausgehend von einer aktuellen leichten Untergewichtung - eine Erhöhung bis hin zu einer deutlichen Übergewichtung. Auf der Rentenseite sehe er die Selektion 2019 als Schlüssel zum Erfolg. Ein Untergewicht bei Credits könnte ein sinnvoller Hedge gegen ein mögliches Übergewicht bei Aktien sein. Risiken drohten vonseiten der Politik. Eine Absicherung, beispielsweise mit Gold, sei nach Einschätzung von Allgeier deshalb sinnvoll - auch, weil bei Gold eine Bodenbildung zu beobachten sei und das Edelmetall auf dem aktuellen Preisniveau eine Versicherung mit günstiger Prämie darstelle. (22.01.2019/alc/a/a)