Erweiterte Funktionen
Politische Folgen des Wahlsiegs Macrons - Werden Bundesanleihen höher rentieren?
09.05.17 11:30
Franklin Templeton
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Was kommt nach dem Wahlsieg Macrons in Frankreich als Nächstes auf die Anleger zu? Matthias Hoppe, Senior Vice President und Portfoliomanager, Franklin Templeton Solutions, erläutert seine Einschätzung zum Markt und zu den politischen Folgen.
Aus Hoppes Sicht könnte es in Frankreich teilweise zu einem politischen Stillstand kommen, jedoch dürften Investoren stärker die fundamentalen Verbesserungen in Europa beachten.
Extrem niedrige Schwankungen an den Aktienmärkten kurz vor dem zweiten Wahlgang in Frankreich hätten signalisiert, dass die Investoren einen Wahlsieg von Emmanuel Macron für sehr wahrscheinlich gehalten hätten. Die Märkte sollten Recht behalten. Die Meinungsumfragen hätten richtig gelegen. Die Welle populistischer, gegen die Globalisierung gerichteter Strömungen in Kontinentaleuropa, dem Vereinigten Königreich bis in die USA scheine abzuebben.
Jetzt fange die Arbeit erst richtig an. Wenn Macron überhaupt eine Chance erhalten solle, seine Wahlversprechen umzusetzen, müsse er eine Machtbasis aufbauen können. Die Parlamentswahlen in Frankreich fänden im Juni statt und Macrons "En Marche!" sei eher eine Bewegung als eine organisierte politische Partei. Wenn überhaupt, könnte sie nur einige Sitze in der Nationalversammlung gewinnen, selbst wenn sie Kandidaten in allen Wahlbezirken hätte.
Im Prinzip könnte sich Macron einer Mehrheit im Parlament nicht sicher sein, wenn sich die traditionellen Parteien, wie die Mitte-Rechts-Republikaner, einer Zusammenarbeit verschließen. Da sich Macron in der Mitte positioniere, erscheine eine Koalition mehrerer Parteien für ihn wahrscheinlicher, als dies für seine Rivalin Marine Le Pen gewesen wäre.
Trotzdem könnte Macron als Präsident mit mehreren Einschränkungen zu kämpfen haben. Dadurch könnte kurzfristig durchaus ein Stillstand entstehen. Eine seiner Prioritäten sei die Reform des französischen Arbeitsrechts. Da die Gewerkschaften wahrscheinlich dagegen opponieren würden, wie sie es in der Vergangenheit bewiesen hätten, könnte dies Frankreich lähmen, mit den entsprechenden Schwierigkeiten. Wenn diese Bremsfaktoren am Anfang seiner Präsidentschaft wirken würden, könnte Macron rasch die Dynamik einbüßen, die er für den Erfolg benötige.
Frankreich benötige jedoch Schwung, um seine Wirtschaft zu reformieren. In den letzten 30 Jahren oder mehr sei dies wiederholt gestoppt worden. Werde sich Macron durchsetzen können, wo andere wiederholt versagt hätten? Das Wahlprogramm Macrons sehe eine weitere Integration der Europäischen Union (EU) vor, außerdem wolle auf europäischer Ebene einen gewissen Protektionismus einführen (z.B. eine Art "Kauf europäisch!-Gesetz"). Außerdem enthalte sein Programm Reformen der Angebotsseite, zusammen mit Verbesserungen auf der Nachfrageseite.
Auf die erste Wahlrunde seien die Marktreaktionen optimistisch gewesen. Die Aktienmärkte hätten kräftig zugelegt und traditionell als sicher betrachtete Anlagen wie Bundesanleihen und Gold hätten nachgegeben. Heute bleibe die Frage: Was könne Macrons Sieg für die Märkte sowie für die politische Landschaft in Frankreich und allgemein für die Europäische Union bedeuten?
Im Hinblick auf sofortige Anlagechancen sind die Experten von Franklin Templeton der Meinung, dass der Sieg bereits weitgehend eingepreist ist. Da jedoch das mit europäischen Wahlen verbundene Risiko schwinde, sollten sich globale Anleger aus unserer Sicht mehr auf die beeindruckende Verbesserung konzentrieren, die man in den Wirtschaftsdaten der Eurozone beobachte, und weniger auf die politischen Risiken einer weiteren Eurokrise - oder gar eines Zusammenbruchs der gesamten EU. Verbesserungen in der Wirtschaft und bei Unternehmen könnten Macron einigen Schwung für die ersten Wochen seiner Präsidentschaft verleihen.
Während das Risiko eines Zusammenbruchs der Währungsunion schwinde, dürften die Risikoprämien auf französische Staatsanleihen und solche der Länder an der Peripherie sogar noch stärker sinken. Deutsche Bundesanleihen dürften höher rentieren und die Risikoprämien französischer Staatsanleihen dürften nach ihrem Drei-Jahres-Höchststand nachgeben.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zeige in den ersten drei Monaten ein robustes Wachstum und für das vierte Quartal 2016 sei es von 0,4% auf 0,5% nach oben korrigiert worden, wobei Frankreich jedoch ein etwas schwächeres BIP-Wachstum ausgewiesen habe. Ökonomen würden von einem stärkeren realen BIP-Wachstum für 2017 in der Eurozone ausgehen. Was jedoch wichtiger sei: Die Wachstumsprognosen würden seit September 2016 stetig nach oben revidiert. Die Experten von Franklin Templeton meinen, dieser Trend könnte sich fortsetzen.
Gleichzeitig sei die Inflation bis April im Jahresvergleich auf 1,9% gestiegen und nähere sich dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), ohne dass die Gefahr einer Überhitzung bestehe. Dies bewirke, dass Deflationsängste schwinden und könnte möglicherweise dazu führen, dass die EZB früher als erwartet von ihrer ultralockeren Geldpolitik ablasse. Dieser Prozess könnte durch ein Nachlassen politischer Spannungen nach dem Wahlsieg Macrons Unterstützung finden.
Zwar sei die Arbeitslosigkeit in der Eurozone gesunken und die Auslastung der Industrie gestiegen, jedoch würden aus Sicht der Experten die verbleibenden Trägheitsmomente in der Wirtschaft noch recht hoch bewirken. Es werde noch dauern, bis sich ein nachhaltiger Aufwärtstrend bei der Kerninflation - die Voraussetzung für eine Änderung der EZB-Politik - und zu höheren Renditen in der Eurozone einstelle. In der jüngsten Sitzung habe die EZB ihre Haltung kaum geändert. Sie differenziere zwischen einem optimistischeren Wachstumsausblick und einer noch verhaltenen Prognose zur Inflation.
Eine Änderung dieser Haltung könnte einen rapiden Anstieg der Renditen von Bundesanleihen und einem Abschmelzen der Renditedifferenz bei US-Treasurys auslösen. Als Folge könnte der Euro gegenüber dem US-Dollar weiter aufwerten. Derzeit gehen die Experten von Franklin Templeton jedoch lediglich von einem vorübergehenden und begrenzten Effekt auf den Euro aus. Dieser Ausblick ändere sich auch nicht nach dem Sieg Macrons.
Das Gemisch aus regerer Wirtschaftstätigkeit, begrenztem Inflationsdruck und lockeren Finanzierungskonditionen könnte die Unternehmensgewinne in der Eurozone bei weiter anziehender Konjunktur stützen. In den USA sei die Konjunktur in einer recht reifen Phase und die Erholung in der Eurozone zeige sich erst seit einigen wenigen Quartalen. Im Verbund mit der geänderten geldpolitischen Einstellung in der Eurozone im Vergleich zu den USA könnte aus Sicht der Experten diese Großlage attraktiv für eine Favorisierung europäischer Aktien gegenüber denjenigen aus den USA sein.
Da bald nach den französischen Wahlen auch in Deutschland gewählt werde und ein Führungswechsel in Berlin möglich sei (die Wahlen seien für September angesetzt), bleibe die Prämie für politische Risiken aus Sicht der Experten wohl bestehen, jedoch sei sie nach dem Ausgang der französischen Wahlen zu einem großen Teil verschwunden. (09.05.2017/alc/a/a)
Aus Hoppes Sicht könnte es in Frankreich teilweise zu einem politischen Stillstand kommen, jedoch dürften Investoren stärker die fundamentalen Verbesserungen in Europa beachten.
Extrem niedrige Schwankungen an den Aktienmärkten kurz vor dem zweiten Wahlgang in Frankreich hätten signalisiert, dass die Investoren einen Wahlsieg von Emmanuel Macron für sehr wahrscheinlich gehalten hätten. Die Märkte sollten Recht behalten. Die Meinungsumfragen hätten richtig gelegen. Die Welle populistischer, gegen die Globalisierung gerichteter Strömungen in Kontinentaleuropa, dem Vereinigten Königreich bis in die USA scheine abzuebben.
Jetzt fange die Arbeit erst richtig an. Wenn Macron überhaupt eine Chance erhalten solle, seine Wahlversprechen umzusetzen, müsse er eine Machtbasis aufbauen können. Die Parlamentswahlen in Frankreich fänden im Juni statt und Macrons "En Marche!" sei eher eine Bewegung als eine organisierte politische Partei. Wenn überhaupt, könnte sie nur einige Sitze in der Nationalversammlung gewinnen, selbst wenn sie Kandidaten in allen Wahlbezirken hätte.
Im Prinzip könnte sich Macron einer Mehrheit im Parlament nicht sicher sein, wenn sich die traditionellen Parteien, wie die Mitte-Rechts-Republikaner, einer Zusammenarbeit verschließen. Da sich Macron in der Mitte positioniere, erscheine eine Koalition mehrerer Parteien für ihn wahrscheinlicher, als dies für seine Rivalin Marine Le Pen gewesen wäre.
Trotzdem könnte Macron als Präsident mit mehreren Einschränkungen zu kämpfen haben. Dadurch könnte kurzfristig durchaus ein Stillstand entstehen. Eine seiner Prioritäten sei die Reform des französischen Arbeitsrechts. Da die Gewerkschaften wahrscheinlich dagegen opponieren würden, wie sie es in der Vergangenheit bewiesen hätten, könnte dies Frankreich lähmen, mit den entsprechenden Schwierigkeiten. Wenn diese Bremsfaktoren am Anfang seiner Präsidentschaft wirken würden, könnte Macron rasch die Dynamik einbüßen, die er für den Erfolg benötige.
Frankreich benötige jedoch Schwung, um seine Wirtschaft zu reformieren. In den letzten 30 Jahren oder mehr sei dies wiederholt gestoppt worden. Werde sich Macron durchsetzen können, wo andere wiederholt versagt hätten? Das Wahlprogramm Macrons sehe eine weitere Integration der Europäischen Union (EU) vor, außerdem wolle auf europäischer Ebene einen gewissen Protektionismus einführen (z.B. eine Art "Kauf europäisch!-Gesetz"). Außerdem enthalte sein Programm Reformen der Angebotsseite, zusammen mit Verbesserungen auf der Nachfrageseite.
Im Hinblick auf sofortige Anlagechancen sind die Experten von Franklin Templeton der Meinung, dass der Sieg bereits weitgehend eingepreist ist. Da jedoch das mit europäischen Wahlen verbundene Risiko schwinde, sollten sich globale Anleger aus unserer Sicht mehr auf die beeindruckende Verbesserung konzentrieren, die man in den Wirtschaftsdaten der Eurozone beobachte, und weniger auf die politischen Risiken einer weiteren Eurokrise - oder gar eines Zusammenbruchs der gesamten EU. Verbesserungen in der Wirtschaft und bei Unternehmen könnten Macron einigen Schwung für die ersten Wochen seiner Präsidentschaft verleihen.
Während das Risiko eines Zusammenbruchs der Währungsunion schwinde, dürften die Risikoprämien auf französische Staatsanleihen und solche der Länder an der Peripherie sogar noch stärker sinken. Deutsche Bundesanleihen dürften höher rentieren und die Risikoprämien französischer Staatsanleihen dürften nach ihrem Drei-Jahres-Höchststand nachgeben.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zeige in den ersten drei Monaten ein robustes Wachstum und für das vierte Quartal 2016 sei es von 0,4% auf 0,5% nach oben korrigiert worden, wobei Frankreich jedoch ein etwas schwächeres BIP-Wachstum ausgewiesen habe. Ökonomen würden von einem stärkeren realen BIP-Wachstum für 2017 in der Eurozone ausgehen. Was jedoch wichtiger sei: Die Wachstumsprognosen würden seit September 2016 stetig nach oben revidiert. Die Experten von Franklin Templeton meinen, dieser Trend könnte sich fortsetzen.
Gleichzeitig sei die Inflation bis April im Jahresvergleich auf 1,9% gestiegen und nähere sich dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), ohne dass die Gefahr einer Überhitzung bestehe. Dies bewirke, dass Deflationsängste schwinden und könnte möglicherweise dazu führen, dass die EZB früher als erwartet von ihrer ultralockeren Geldpolitik ablasse. Dieser Prozess könnte durch ein Nachlassen politischer Spannungen nach dem Wahlsieg Macrons Unterstützung finden.
Zwar sei die Arbeitslosigkeit in der Eurozone gesunken und die Auslastung der Industrie gestiegen, jedoch würden aus Sicht der Experten die verbleibenden Trägheitsmomente in der Wirtschaft noch recht hoch bewirken. Es werde noch dauern, bis sich ein nachhaltiger Aufwärtstrend bei der Kerninflation - die Voraussetzung für eine Änderung der EZB-Politik - und zu höheren Renditen in der Eurozone einstelle. In der jüngsten Sitzung habe die EZB ihre Haltung kaum geändert. Sie differenziere zwischen einem optimistischeren Wachstumsausblick und einer noch verhaltenen Prognose zur Inflation.
Eine Änderung dieser Haltung könnte einen rapiden Anstieg der Renditen von Bundesanleihen und einem Abschmelzen der Renditedifferenz bei US-Treasurys auslösen. Als Folge könnte der Euro gegenüber dem US-Dollar weiter aufwerten. Derzeit gehen die Experten von Franklin Templeton jedoch lediglich von einem vorübergehenden und begrenzten Effekt auf den Euro aus. Dieser Ausblick ändere sich auch nicht nach dem Sieg Macrons.
Das Gemisch aus regerer Wirtschaftstätigkeit, begrenztem Inflationsdruck und lockeren Finanzierungskonditionen könnte die Unternehmensgewinne in der Eurozone bei weiter anziehender Konjunktur stützen. In den USA sei die Konjunktur in einer recht reifen Phase und die Erholung in der Eurozone zeige sich erst seit einigen wenigen Quartalen. Im Verbund mit der geänderten geldpolitischen Einstellung in der Eurozone im Vergleich zu den USA könnte aus Sicht der Experten diese Großlage attraktiv für eine Favorisierung europäischer Aktien gegenüber denjenigen aus den USA sein.
Da bald nach den französischen Wahlen auch in Deutschland gewählt werde und ein Führungswechsel in Berlin möglich sei (die Wahlen seien für September angesetzt), bleibe die Prämie für politische Risiken aus Sicht der Experten wohl bestehen, jedoch sei sie nach dem Ausgang der französischen Wahlen zu einem großen Teil verschwunden. (09.05.2017/alc/a/a)


