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Positive Aussichten für Green Bonds 2022 dank EU-Initiativen


13.12.21 14:30
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - 2021 wuchs der Markt für grüne, soziale und nachhaltige Anleihen (Green, Social, Sustainablity = GSS) auf über 1,8 Billionen Euro, so die Experten von NN Investment Partners (NN IP).

Allein der Markt für grüne Anleihen habe im September den wichtigen Meilenstein von 1 Billion Euro erreicht. Dieses Wachstum dürfte sich im kommenden Jahr fortsetzen, wobei die Green-Bonds-Emissionen um 35% auf rund 600 Milliarden Euro steigen würden. Dieses kräftige Wachstum werde durch die Emissionen in der EU angekurbelt, aber auch die USA und die Schwellenländer würden im kommenden Jahr Marktanteile bei grünen Anleihen gewinnen.

Bram Bos, Lead Portfolio Manager, Green Bonds, bei NN Investment Partners, sage: "Wir sind überzeugt, dass sich die Wachstumsdynamik bei GSS-Anleihen in den kommenden Jahren weiter beschleunigen wird. Dieses Wachstum wird sowohl durch die Investorennachfrage als auch von Regulierungsbehörden und politischen Entscheidungsträgern vorangetrieben, die sich zum Ziel gesetzt haben, den CO2-Fußabdruck zu verringern. NN IP ist ein Vorreiter auf dem Green-Bonds-Markt und bietet vier spezifische Green-Bonds-Fonds an."

2021 im Rückblick

Das Jahr 2021 habe eine steigende Nachfrage nach nachhaltigen festverzinslichen Optionen erlebt. Der Markt für grüne Anleihen sei um 440 Milliarden Euro auf 1,1 Milliarden Euro (Stand: November 2021, Quelle: Bloomberg) gewachsen. Sozialanleihen hätten ebenfalls ein starkes Wachstum verzeichnet und seien um 189 Milliarden Euro auf 370 Milliarden Euro (Stand: November 2021, Quelle: Bloomberg) gestiegen. Mehr als verdoppelt habe sich der Markt für Nachhaltigkeitsanleihen (die eine Kombination aus grünen und sozialen Projekten finanzieren würden) mit einem Anstieg um 162 Milliarden Euro auf 303 Milliarden Euro (Stand: November 2021, Quelle: Bloomberg).

Einer der wichtigsten Faktoren, die die Emissionen im Jahr 2021 begünstigt hätten, sei die Wiederaufnahme der aufgrund der Pandemie und der daraus resultierenden Beeinträchtigung der Anleihenmärkte 2020 aufgeschobenen Emissionen gewesen. Die Märkte seien jedoch auch durch erstmalige Emissionen grüner Staatsanleihen in Italien, Spanien und Großbritannien unterstützt worden. Die Einführung der EU-Taxonomie, die klare grüne Kriterien für verschiedene Sektoren festlege, sei wichtig gewesen, um Investitionen zu fördern. Am bedeutendsten sei vielleicht gewesen, dass die EU mit der Emission grüner Anleihen begonnen habe, um das Konjunkturprogramm NextGenerationEU zu finanzieren.

Das kommende Jahr

Bos fahre fort: "Wir glauben, dass einige Faktoren für das Wachstum 2022 ausschlaggebend sein werden. Erstens ist die verstärkte Umsetzung der Regularien im Zusammenhang mit nachhaltiger Finanzierung ein Faktor, der positiv zum Wachstum der GSS beitragen wird. Zweitens wird das im Oktober angelaufene EU-Programm für grüne Anleihen eine wichtige Rolle spielen. Wir rechnen hier mit einem Emissionsvolumen von 50 bis 75 Milliarden Euro. Und schließlich gewinnt die nachhaltige Finanzierung in immer mehr Teilen der Welt an Bedeutung. In der Vergangenheit war Europa das Zentrum des GSS-Marktes, aber wir gehen davon aus, dass die USA und die Schwellenländer im Jahr 2022 Marktanteile gewinnen werden."

Die Regierungen würden sich zunehmend zu einer besseren Umweltpolitik verpflichten. Inzwischen hätten 70 Länder, auf die zwei Drittel der weltweiten Kohlenstoffemissionen entfallen würden, Netto-Null-Ziele, die bis 2050 (1) erreicht werden sollten. Auf der COP26 seien neue Ziele für die Bereiche biologische Vielfalt, Kohle und Methanemissionen festgelegt worden. All diese Initiativen sollten sich letztlich in regulatorischen Anpassungen niederschlagen. Unternehmen sollten damit rechnen, dass Investoren verstärkt nach der Überwachung der Abholzung, den Plänen für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und den Ausschlusskriterien fragen würden.

Der größte Faktor auf den Green-Bonds-Märkten dürfte 2022 die EU-Emissionen sein. Die EU habe sich verpflichtet, bis zu 250 Milliarden Euro an grünen Anleihen zu emittieren, um den Pandemiefonds zu unterstützen. Die EU-Emissionen grüner Anleihen dürften im nächsten Jahr gegenüber 2021 um 50 bis 75 Milliarden Euro zunehmen (Bloomberg). Je nach Tempo der EU-Emissionen könnte die Gesamtsumme diese Zahl aber durchaus übersteigen.

Die Emission von Sozialanleihen dürfte von 2021 um 75 Milliarden Euro auf 250 Milliarden Euro im Jahr 2022 ansteigen (Bloomberg). Langfristig dürfte das Wachstum jedoch begrenzt sein, da ohne eine EU-Sozialtaxonomie die Emittenten Schwierigkeiten haben würden, die zulässigen Verwendungszwecke der Erlöse zu definieren. Diese liege derzeit nur in Entwurfsform vor. Die Emission von Nachhaltigkeitsanleihen werde voraussichtlich von 105 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 250 Milliarden Euro ansteigen (Bloomberg), aber auch hier Definitionsfragen ein Problem darstellen.

Eine Reihe von Schwellenländern (Chile, Ägypten und Indonesien) hätten ihre Bestrebungen verstärkt und grüne, soziale und nachhaltige Anleihen emittiert. Da der Markt in diesem Bereich schnell wachse, stehe den Anlegern eine breitere Diversifizierung und Auswahl zur Verfügung, wovon die Anleger profitieren könnten.

Ein sich entwickelnder Ansatz

Bos sage, ein sich entwickelnder Sektor erfordert einen sich entwickelnden Ansatz: "Neue und detailliertere Regularien wie die SFDR erfordern die Erhebung von mehr Daten und einen regelmäßigen Dialog mit den Emittenten, um die Qualität der von uns bereitgestellten Daten zum Impact zu standardisieren und zu gewährleisten. Wir setzen innovative Technologien ein, darunter künstliche Intelligenz, um die Bewertung der Daten von Green-Bonds-Emittenten und allgemeiner Informationen zu verbessern. Dies hilft uns bei der Bewertung des Emittenten hinsichtlich des 1,5C-Szenario und des Impacts auf zahlreiche ökologische und soziale Faktoren."

"Spezialisierte Mitarbeiter, die die politischen und technischen Anforderungen an die Emittenten verstehen und die Emittenten darüber informieren können, was von der Berichterstattung erwartet wird, erhöhen die Qualität und Transparenz der Analyse."

1 Quelle: https://www.economist.com/the-world-ahead/2021/11/08/energy-investment-needs-to-increase-so-bills-and-taxes-must-rise. (13.12.2021/alc/a/a)