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Renten: Gefährliche Renditen an den Finanzmärkten


11.09.14 10:14
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Erwartungsgemäß hat die Leitzinssenkung der EZB am 04.09.14 von 0,15% auf 0,05% an den Finanzmärkten wenig Beifall erhalten, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Konjunkturelle Impulse würden von diesem Schritt nicht ausgelöst. Ein Unternehmen, das bei 0,15% eine geplante Investition nicht vornehme, werde es bei 0,05% erst recht nicht tun. Die Konjunkturrisiken würden bei dem neuen Zins jetzt noch größer als vorher erscheinen.

Nach der Theorie würden sinkende Leitzinsen die Kreditaufnahme für neue Investitionen verbilligen. Die Produktion von Produktionsgütern wiederum führe zu höherer Beschäftigung, was den Konsum fördere. Multiplikatorwirkungen mit Hebelwirkung würden die Konjunktur stimulieren. Doch je weiter die Leitzinsen sinken würden, desto weniger würden sie zur Stimulierung nutzen. Die letzte Senkung auf 0,05% werde von vielen Marktteilnehmern als ein Verzweiflungsakt zur Rettung der Südperipherie angesehen. Ohne dortige Reformen werde der Rettungsakt aber ebenso wie die vorangegangenen nutzlos verpuffen. Die Unternehmen würden sich in ihrer Vorsicht bestätigt sehen, die Konjunktur verlaufe ja viel schlechter als bisher angenommen, die Notenbank scheine ja einen schweren Konjunktureinbruch zu befürchten. Jetzt bloß keine neuen Investitionen vornehmen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch". Und dieses Verhalten belaste die Konjunktur zusätzlich. Der Grenznutzen der Leitzinssenkung sei längst erreicht, die letzte Senkung wirke kontraproduktiv.

Die ohnehin schon flache Zinsstruktur werde weiter verzerrt, Kredite würden nicht mehr optimal in produktive und aussichtsreiche Investitionen fließen und könnten dadurch neue Krisen auslösen. Wenn es so "leicht" werde, neue staatliche Schulden zu finanzieren, nehme der Treasurer umso lieber den Weg des geringsten Widerstandes, ohne sich um die künftige Zinsbelastung allzu viele Sorgen zu machen. Wie viel schwieriger und unpopulärer sei es doch, Steuern zu erhöhen oder gar Ausgaben zu kürzen. Reformen würden auf der Strecke bleiben, die Senkungen würden kontraproduktiv.

Die Notenbanken seien mit ihrer Geldpolitik vermutlich schon zu weit gegangen. Auf diesem Niveau würden bereits kontraproduktive Kräfte auf den Konjunkturverlauf wirken. Bei den Staatsbudgets habe der Reformwille zur Staatsverschuldung abgenommen. Aktien, Renten, Immobilien und andere Vermögensformen würden bereits spekulative Preisblasen erleben. (Ausgabe vom 10.09.2014) (11.09.2014/alc/a/a)