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Renten: Die Märkte für Festverzinsliche werden von Regierungen dominiert


12.12.13 08:51
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Angebot und Nachfrage festverzinslicher Wertpapiere in der ganzen Welt werden für 2014 auf ca. USD 2.000 Mrd. geschätzt (Quelle: JP Morgan), so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Die Märkte würden nervös auf ein mögliches QE-Tapering reagieren. Die Zentralbanken hätten in 2013 für USD 1.600 Mrd. Obligationen gekauft, das sei mehr als die Hälfte der Gesamtnachfrage. Banken dagegen hätten inzwischen die Seiten gewechselt. Noch in 2007/2008 hätten sie die wichtigste Käufergruppe gestellt, doch in 2013/2014 seien sie netto Verkäufer geworden. Trotz extrem niedriger Geldmarktzinsen bzw. Refinanzierungskosten sei ihnen offensichtlich das Kursrisiko auf dem erreichten Renditenniveau zu groß geworden.

In 2014 stütze sich fast die gesamte Nachfrage ausschließlich auf den offiziellen Sektor, hauptsächlich Zentralbanken. Nicht auszudenken, was mit den Renditen geschehe, wenn die Notenbanken ihre Käufe deutlicher reduzieren würden.

Auf der Seite der Emittenten mit einem Gesamtangebot in 2014 von ca. USD 1800 Mrd. überwiege ebenfalls bei weitem der öffentliche Sektor. Mit anderen Worten, staatliche Stellen würden die vom Staat emittierten Schulden kaufen. Da die öffentlichen Schulden in der Welt in 2014 kaum sonderlich sinken würden, müssten sie weiter von Zentralbanken finanziert werden oder die Renditen müssten stärker ansteigen. Letzteres würde aufgrund der absurden Höhe der Staatsschulden öffentliche Haushalte und Konjunktur unerträglich belasten. Für Regierungen sei die Finanzierung der Budgetdefizite durch die Zentralbanken der bequemste Weg des geringsten Widerstandes. Ungleich schwieriger wäre es, durch Reformen staatliche Ausgaben zu senken bzw. Steuern zu erhöhen. Das führe nur zu Demonstrationen und Neuwahlen mit ungewissem Ausgang.

Deutlich erkennbar nehme bereits der Reformwille der Regierungen überall ab. Regierungen und Zentralbanken würden versuchen, Zeit zu gewinnen, und die Lösung der Schuldenproblematik in die Zukunft, auf kommende Generationen, verschieben. (12.12.2013/alc/a/a)