Renten: Märkten bleibt US-Inflation zu hartnäckig


16.02.24 12:15
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in den USA und Deutschland erreichten in den letzten Tagen neue Höchststände, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Aktuell stünden die Renditen der T-Notes bei 4,29% und die der Bunds bei 2,34%. In den USA seien die Renditen vor allem durch die Inflationszahlen beeinflusst worden, die zwar im Januar gesunken seien, aber etwas über den Erwartungen gelegen hätten. Die Fantasien über Zinssenkungen seien jedoch leicht (aber nicht nachhaltig) angeregt worden, als die Erzeugerpreise im Dezember unter den Erwartungen geblieben seien.

In Europa hätten sich etwas optimistischere Datenpunkte, darunter stärker als erwartete ZEW-Konjunkturerwartungen für den Februar und eine deutlich stärkere als erwartete Industrieproduktion gezeigt. Angesichts der hartnäckiger als erwarteten Konsumentenpreise würden die Märkte keinen Spielraum mehr für Zinssenkungen im März durch die FED sehen. Die Markterwartungen für Zinsschritte im Rest des Jahres seien auf dreieinhalb gesenkt worden. Die Analysten würden davon ausgehen, dass der erste Zinsschritt sowohl in Washington als auch in Frankfurt nicht vor Juni 2024 erfolgen werde.

In den USA habe die Konsumentenpreisentwicklung die Märkte so richtig in Wallungen gebracht. Die jährliche Inflationsrate in den USA sei im Januar 2024 auf 3,1% gesunken, nach einem kurzzeitigen Anstieg im Dezember auf 3,4%, und habe damit die Prognosen von 2,9% übertroffen. Die Kerninflation sei stabil bei 3,9% geblieben, während eine Abschwächung auf 3,7% erwartet worden sei. Die monatliche Inflationsrate sei leicht auf 0,4% gestiegen. Es gebe aber auch Stimmen, die behaupten würden, dass der Markt die Inflationsdaten vom Januar total überbewerte. Angespornt durch die Inflation im Wohnungsbau (Unterkunft sowie Brennstoffe & Versorgung, jeweils 0,6% bzw. 1,2% m/m), seien die anderen Komponenten größtenteils normal und nicht wirklich überraschend positiv gewesen.

Die Erzeugerpreise für die Endnachfrage in den USA seien im Dezember 2023 um 0,2% gegenüber dem Vormonat gesunken, was über den erwarteten 0,1% Rückgang gelegen habe, wie die revidierten Zahlen des BLS zeigen würden. Die Daten für November und Oktober seien nicht revidiert worden und hätten Rückgänge um 0,1% bzw. 0,4% gezeigt. Obwohl die Erzeugerpreise den Anstieg der Konsumentenpreise etwas abgeschwächt hätten, hätten sie den Renditenanstieg nur geringfügig ausgleichen können.

In Europa gebe es leise Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung, der die Rally der Renditen der zehnjährigen TNotes und Bunds begünstigt habe. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland seien im Februar 2024 den siebten Monat in Folge auf +19,9 gestiegen, den höchsten Stand seit einem Jahr und über den Markterwartungen von +17,5. Allerdings sei die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in Europas größter Volkswirtschaft deutlich auf -81,7 gesunken, den niedrigsten Stand seit Juni 2020.

Das Sorgenkind Europas, die Industrie, habe dieses Mal sogar ein wenig glänzen können. Die Industrieproduktion in der Eurozone sei im Dezember 2023 gegenüber dem Vormonat um 2,6% gestiegen, entgegen den Markterwartungen eines Rückgangs um 0,2%. Dies sei der stärkste Anstieg seit August 2022 gewesen. Auf Jahresbasis sei die Industrieproduktion im Dezember um 1,2% gestiegen, der erste Anstieg seit zehn Monaten, während der Markt einen Rückgang von 4,1% erwartet habe.

Der Präsident der Federal Reserve Bank von Chicago, Austan Goolsbee, betone, dass trotz leicht höherer Inflation der Kurs beibehalten werde. Das Erreichen des 2%-Inflationsziels sei keine Bedingung für eine Zinssenkung, solange der Abwärtspfad nachhaltig beschritten werde. Er hebe hervor, dass Zinssenkungen mit dem Vertrauen in die Zielerreichung verbunden sein sollten und beobachte die Januar CPI-Daten kritisch. Die aktuelle Geldpolitik bleibe für Goolsbee recht restriktiv.

EZB-Ratsmitglied Pablo Hernandez de Cos betone, dass die für März erwartete Inflations- und Wachstumsprognose der EZB entscheidend für den Zeitpunkt einer Zinssenkung sein werde. EZB-Notenbanker Fabio Panetta deute eine bevorstehende Senkung der Zinsen in der Eurozone an und betone die Abwägung zwischen einer schnellen und schrittweisen Zinssenkung gegenüber einer späteren und aggressiveren, um die Volatilität der Finanzmärkte und der Wirtschaftstätigkeit zu minimieren.

Sowohl die FED als auch die EZB hätten es nicht eilig, Zinsen zu senken, aber die Signale würden darauf hindeuten, dass die aktuellen hohen Zinsen nicht dauerhaft zu halten seien. Ab dem zweiten Halbjahr 2024 würden die Analysten erwarten, dass die FED die Zinsspanne um 3 Zinsschritte á 25 Basispunkte reduzieren und die EZB vorsichtiger mit lediglich zwei Zinsschritten nach unten gehen werde.

Datenseitig erwarten uns am 19. Februar das Konsumentenvertrauen der Uni Michigan für den Monat Februar, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Im Januar habe der Index einen Wert von 79 Indexpunkten erreicht, der höchste Stand seit Juli 2021. Der Marktkonsens erwarte einen Wert von 80, was auf eine weiterhin positive Stimmung der Konsumenten hindeute. Des Weiteren stünden die FED-Protokolle der vergangenen FED-Sitzung am 21. Februar an, die detailliert darüber Aufschluss geben dürften, wie die Stimmung aktuell hinsichtlich einer nahenden ersten Zinssenkung sei.

Am 22. Februar würden die Flash PMIs von S&P Global für den Februar in den USA veröffentlicht. Der zusammengesetzte PMI habe im Januar einen deutlichen Sprung nach oben auf 52 Indexpunkte verzeichnet. Es werde spannend sein zu sehen, ob die USA auf diesem Wachstum im Februar aufbauen könnten. Ebenfalls am 22. Februar werde S&P Global die HCOB Flash PMIs zur Eurozone, Deutschland und Frankreich bekannt geben, die weitere Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung in Europa geben würden. (Ausgabe vom 15.02.2024) (16.02.2024/alc/a/a)