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Renten: Sichere Staatsanleihen im Minus


13.12.21 11:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Als sicher geltende Staatsanleihen wie deutsche Bundespapiere oder US-Schatzanweisungen waren in der Berichtswoche angesichts der Risikobereitschaft unter den Anlegern weitaus weniger gefragt, so die Experten von Union Investment.

Somit sei es an den dortigen Märkten zu Kursverlusten und damit einhergehend zu entsprechend steigenden Renditen gekommen. In den USA habe die Zehnjahresrendite im Wochenverlauf (bis Freitagvormittag) vor den wichtigen US-Inflationsdaten von 1,34 auf 1,51 Prozent zugelegt. Die US-Zinskurve habe sich in der Berichtswoche im Laufzeitband von einem bis zu 30 Jahren Laufzeit zwischen 13 und 20 Basispunkten nach oben verschoben.

Ein ähnliches Bild habe sich am deutschen Rentenmarkt ergeben. Der dortige Renditeanstieg sei aber mit maximal sechs Basispunkten um einiges geringer ausgefallen als bei den amerikanischen Pendants. Zehnjährige Bundesanleihen hätten mit knapp minus 0,35 Prozent rentiert. Die deutsche Zinskurve sei in der Berichtswoche aber weiter komplett im negativen Renditebereich geblieben.

Mit Blick auf die Spreadentwicklung in der Euro-Peripherie sei Griechenland aufgefallen. Eine seit Wochen zu beobachtende Ausweitung der Risikoaufschläge gegen Bundesanleihen habe sich fortgesetzt. Dies dürfte in erster Linie auf die Unsicherheit der Anleger bezüglich der weiteren Gestaltung der Anleiheankäufe der europäischen Zentralbank zurückzuführen sein. Der Renditeaufschlag (Spread) im Zehnjahresbereich habe sich seitdem auf mittlerweile 170 Basispunkte erhöht. Zum Vergleich: Mitte Oktober habe der Spread noch bei 100 Basispunkten gelegen.

Euro-Unternehmenspapiere und in US-Dollar oder Euro begebene Hartwährungsanleihen aus den Schwellenländern (Emerging Market) hätten sich im Zuge der erhöhten Risikobereitschaft erholen können. Die Risikoprämien hätten sich in beiden Anleihesegmenten nach der deutlichen Ausweitung gegen Ende November in den vergangenen Handelstagen wieder etwas eingeengt.

Vor uns liegt die Woche der Zentralbanken, so die Experten von Union Investment. Wie würden die Währungshüter mit den zuletzt stark gestiegenen Inflationsraten umgehen? In erster Linie dürften die Anleiheankaufprogramme im Blickpunkt stehen. Den Auftakt gebe am Mittwoch die US-Notenbank FED. Ein schnelleres Ende der Ankäufe zu Anfang 2022 sei wahrscheinlich, dem dann eine erste Zinserhöhung folgen könnte.

Am Donnerstag tage die Europäischen Zentralbank. Ähnlich wie die anderen Zentralbanken dürfte die EZB ihren Fuß etwas mehr vom Gaspedal nehmen, als in den letzten Wochen vom Markt erwartet worden sei. Allerdings könne die EZB deutlich länger als die US-FED oder auch die Bank of England davon absehen, geldpolitisch auf die Bremse zu treten. Die Experten würden davon ausgehen, dass die EZB darauf bedacht sei, auf kurze Sicht zu fahren und sich hinsichtlich ihrer geldpolitischen Maßnahmen größtmöglichen Spielraum einzuräumen. Es sei auch gut möglich, dass erwartete Entscheidungen in den Februar oder gar März vertagt würden. Letzteres würde die Unsicherheit am Markt, je nach Kommunikation, erhöhen.

Ebenfalls am Donnertag treffe sich die Bank von England (BoE). Bislang sei dort mit einer Zinserhöhung gerechnet worden, die aber aufgrund der Omikron-Variante nicht mehr als ausgemacht gelte. Darüber hinaus tage am Freitag noch die Bank of Japan. Bei den Konjunkturdaten dürften neben einer ganzen Reihe neuer Daten am Mittwoch die US-Einzelhandelsumsätze und am Donnerstag die Einkaufsmanagerindices sowohl im Euroraum/Deutschland als auch aus den USA von übergeordnetem Interesse sein. Am Freitag stehe dann noch der ifo-Index für Deutschland auf der Agenda. (Ausgabe vom 10.12.2021) (13.12.2021/alc/a/a)