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Renten: Verluste an den Staatsanleihemärkten


25.10.21 10:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - An den Zinsmärkten waren in der Berichtswoche Verluste zu verzeichnen, so die Experten von Union Investment.

Die Inflationserwartungen seien, nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der Bank of England, zuletzt wieder angestiegen. In den USA habe die Zinskurve etwas steiler tendiert. US-Schatzanweisungen mit zehn Jahren Laufzeit hätten am Donnerstag in der Spitze zeitweise mit 1,7 Prozent rentiert. Zum Vergleich: Noch im Juli habe deren Verzinsung bei etwas weniger als 1,2 Prozent gelegen. Per Freitagvormittag habe sich aus Wochensicht ein Renditeanstieg um zehn Basispunkte auf 1,67 Prozent ergeben.

Parallel hierzu sei die Entwicklung im Euroraum verlaufen. Deutsche Bundesanleihen hätten mit rund minus acht Basispunkten (Vorwoche minus 17 Basispunkte) in Richtung Null-Prozentmarke tendiert. Langläufer (30 Jahre) würden sich ohnehin schont seit Ende August wieder positiv verzinsen, derzeit liege deren Rendite bei knapp 0,3 Prozent.

Damit einhergehend seien auch an den Peripheriemärkten steigende Zinsen zu beobachten gewesen. Auffällig sei gewesen, dass sich die Renditedifferenz (Spread) italienischer Staatsanleihen gegenüber Bundespapieren am Freitag um sieben auf 110 Basispunkte merklich ausgeweitet habe, ohne dass fundamentale Gründe hierfür ersichtlich gewesen seien. Der Euro-Gesamtmarkt (iBoxx Euro Sovereigns) habe bis Donnerstagabend rund 0,5 Prozent verloren.

Am Primärmarkt rolle die Emissionswelle bei den Green Bonds weiter. Großbritannien habe unter hoher Nachfrage ein zweites Papier aus diesem Marktsegment emittiert. Auch habe die Industrial and Commercial Bank of China in der Berichtswoche einen derartigen Titel begeben. Der Markt für Grüne Anleihen wachse weiterhin rasant und erfreue sich zunehmender Beliebtheit unter den Anlegern.

Die Türkische Zentralbank habe überraschend deutlich die Zinsen gesenkt. Angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten stehe die Politik unter Handlungsdruck, sodass entgegen den Erwartungen ein deutlicher Zinsschritt erfolgt sei. Statt der erwarteten 0,5 bis 1,0 Prozentpunkte sei der Leitzins überraschend um zwei Prozentpunkte auf 16 Prozent gesenkt worden. Die Türkische Lira habe fortgesetzt mit Schwäche reagiert und zum Euro bis auf 11,2 Lira je Euro (minus 4,1 Prozent) abgewertet.

Am Donnerstag tage die EZB. Nach der durch die Bank of England induzierten Unruhe und der folgenden Zinsentwicklung würden sich einige Teilnehmer von EZB-Präsidentin Lagarde das eine oder andere Zeichen erhoffen, um die Lage wieder etwas zu beruhigen. Darüber hinaus tage auch die Japanische Zentralbank.

Bezüglich der Wirtschaftsdaten würden in der zweiten Wochenhälfte die BIP-Daten für das dritte Quartal aus den USA und dem Euroraum bzw. Deutschland bekannt gegeben. In den USA werde mit rückläufiger Dynamik gerechnet. Für den Euroraum dürfte sich die Rechnung positiver gestalten. Am Montag stehe zudem der ifo-Index für Deutschland zur Veröffentlichung an. Am Donnerstag und Freitag würden dann die Teuerungsraten für Deutschland und den Euroraum bekannt gegeben. (Ausgabe vom 22.10.2021) (25.10.2021/alc/a/a)