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Rentenmärkte: Flucht in Sicherheit durch Nahost-Krise


03.10.24 09:45
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Rentenmärkte stehen unter dem Eindruck der Spannungen im Nahen Osten, die am 1. Oktober 2024 eine neue Dimension erreichten, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Irans direkter Angriff auf Israel mit ballistischen Raketen wäre laut Beobachtern von einer anderen Qualität als der Beschuss, der im April stattgefunden haben könnte und vor allem mit relativ langsam fliegenden Drohnen und Raketen durchgeführt worden wäre. Entsprechend verunsichert seien die Märkte, und das mache sich in niedrigeren Renditen bei den zehnjährigen T-Notes und den entsprechenden Bunds bemerkbar. Bei den T-Notes sei der Rückgang der Renditen von 3,80% am Montag auf nunmehr 3,73% etwas milder als bei den Bunds, die von 2,16% auf 2,04% gefallen seien. Auch die Aktien- und Ölmärkte hätten reagiert. Der S&P 500 Index hätte am 1. Oktober 2024 0,9% verloren, der Dax 0,6%.

In den kommenden Tagen und vielleicht Wochen würde es darauf ankommen, ob und wie Israel auf die Angriffe antworten würde, die aufgrund des Abwehrschildes "Iron Dome" bislang nur zu wenigen Verletzten geführt hätten. Im Raum stünde die Möglichkeit, dass Israel die Atomanlagen Irans angreifen könnte, um zu verhindern, dass der Iran in den Besitz von Atombomben gelangte.

Abgesehen von den geopolitischen Einflüssen sei das große Thema an den Rentenmärkten der deutliche Rückgang der Inflation in der Eurozone und die Andeutung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde, bereits bei der Oktober-Sitzung die Zinsen zu senken. Im September sei die Inflation in der Eurozone auf 1,8% gefallen, von 2,2% im Vormonat. Hier hätten niedrigere Energiekosten eine entscheidende Rolle gespielt. Die Kernrate sei von 2,8% auf 2,7% zurückgegangen. Diese niedrigen Inflationszahlen in der Eurozone hätten sich bereits abgezeichnet, als Lagarde am 30.09. vor dem Europäischen Parlament gesprochen habe und gesagt habe, dass man die Entwicklung der Inflation bei der Oktobersitzung berücksichtigen werde.

Dass die Kombination besonders schwacher Konjunkturzahlen, die unter anderem durch die HCOB Flash PMI für die Eurozone zum Ausdruck gekommen seien, und der niedriger als erwarteten Inflation zu einem Umdenken bei der EZB führen würde, sei nachvollziehbar. In unserer Prognose gingen wir nunmehr davon aus, dass die EZB im Oktober, Dezember und im ersten Quartal die Zinsen jeweils um 25 Basispunkte senken würde. Weitere Zinssenkungen hielten wir derzeit noch für unwahrscheinlich, da die Inflation vermutlich wieder etwas anziehen würde und die Kernrate relativ hoch bleiben dürfte. Die Forward-Märkte preisten allerdings weitere 100 Basispunkte an Zinssenkungen bis Ende 2025 ein.

Auch US-Notenbankchef Jerome Powell habe den Marktteilnehmern für die nächste Sitzung im November eine gewisse Orientierung gegeben. Er habe angedeutet, dass man nach dem großen 50 Basispunkte-Zinsschritt vom September beim nächsten Treffen wohl eher einen kleinen Schritt von 25 Basispunkten anpeilen würde. Am Freitag (04.10.) würden die US-Arbeitsmarktdaten erscheinen und könnten, falls diese besonders schwach ausfielen, die Investoren dazu veranlassen, dennoch eine stärkere Lockerung zu erwarten.

Derweil seien die Zinsstrukturen dies- und jenseits des Atlantiks weiterhin dabei, sich zu normalisieren. Zehnjährige Bunds rentierten 2 Basispunkte über den zweijährigen Titeln, in den USA liege der entsprechende Abstand bereits bei 13 Basispunkten. Rund zwei Jahre sei in den USA die Zinsstruktur invers gewesen. Die Rückkehr in den Normalbereich werde empirisch mit dem baldigen Beginn einer Rezession in Verbindung gebracht. So sei es bei den letzten drei Abschwüngen (ohne die Covid-19 Rezession) zu beobachten gewesen. Bislang hielten wir eine weiche Landung dennoch immer noch für die wahrscheinlichste Möglichkeit.

Am heutigen Feiertag (03.10.) würden die HCOB PMI für den Dienstleistungssektor der Eurozone für September erscheinen. Wichtig seien auch die September ISM-Einkaufsmanagerindizes aus den USA, ebenfalls für den Dienstleistungssektor. Am Freitag würden die HCOB PMI für den Bausektor für den vergangenen Monat veröffentlicht und außerdem die Industrieproduktion für August in Frankreich und Spanien. Am Dienstag (08.10.) und Donnerstag (10.10.) folgten dann die entsprechenden Daten für Deutschland und Italien. Auftragseingänge für die deutsche Industrie (August) seien am 07.10. fällig. Das Highlight der kommenden Woche seien die CPI-Inflationszahlen aus den USA für September. (Ausgabe vom 02.10.2024) (03.10.2024/alc/a/a)