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Rentenmärkte: Kühlt sich die US-Wirtschaft ab?
23.02.24 10:07
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - In der vergangenen Woche verzeichneten die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in den USA und Deutschland einen leichten Anstieg, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Derzeit würden sich die Renditen der T-Notes auf 4,26% und die der Bunds auf 2,40% belaufen. In den USA sei der Anstieg der Renditen hauptsächlich durch überraschend schwache Einzelhandelszahlen beeinflusst worden. Demgegenüber hätten die stärker als erwartet gestiegenen Produzentenpreise für den Januar kurzzeitig aufgekommene Spekulationen über bevorstehende US-Leitzinssenkungen schnell wieder gedämpft. Auch die deutschen Renditen seien von diesen Zahlen beeinflusst worden.
In Europa seien zudem Daten zur Industrie für den Berichtsmonat Dezember veröffentlicht worden, die einen etwas optimistischeren Ausblick auf die Konjunktur im Währungsraum ermöglichen würden. Die HCOB PMIs, die gestern Morgen (22.02) erschienen seien, würden die Hoffnung einer baldigen Erholung verstärken.
Die Einzelhandelsumsätze in den USA hätten die Märkte überrascht: Diese seien um 0,8% m/m gesunken, während lediglich ein Rückgang von 0,1% erwartet worden sei. Insbesondere die Umsätze in den Bereichen Baumaterialien (-4,1% m/m), Fahrzeuge (-1,7%) und Gesundheitswesen (-1,1%) seien deutlich zurückgegangen. Als Reaktion auf diese neuen Veröffentlichungen sei das HCOB Nowcast der Analysten für das US-Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2024 von 3,2% (annualisiert) auf 2,3% reduziert worden. Das Modell der Atlanta FED habe sich ebenfalls nach unten bewegt, wobei die Revision dort weniger stark ausgefallen sei (von 3,4% auf 2,9%).
Da die Einzelhandelsumsätze einen wesentlichen Bestandteil der persönlichen Konsumausgaben bilden würden, die etwa 70% der US-Wirtschaftsleistung ausmachen würden, hätten die Märkte diese Daten als erstes Signal für eine abkühlende Wirtschaft gedeutet. Jedoch seien einen Tag später die Produzentenpreise für den Januar herausgekommen, die um 0,3% gegenüber dem Vormonat gestiegen seien. Besonders stark sei der Anstieg bei den Produzentenpreisen für Dienstleistungen (0,6 % m/m) gewesen, während der entsprechende Index für Sachgüter nur um 0,2% zugelegt habe. Die Kernrate habe die Märkte negativ mit einem Anstieg um 0,5% überrascht.
In Europa wachse langsam die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung: Die jüngsten Daten zur Industrieproduktion hätten positiv überrascht, obwohl Deutschland schwache Zahlen verzeichnet habe. Das Industrieproduktion habe im Vergleich zum Vormonat um 2,6% zugelegt. Das Baugewerbe, separat von der Industrieproduktion ausgewiesen, habe hingegen ein Wachstum von 0,8% verzeichnet, wobei vor allem Italien mit einer beeindruckenden Rate von 4,4% gewachsen sei, was unter anderem auf staatliche Fördermaßnahmen zurückzuführen sei.
Die jüngsten HCOB Flash PMIs für den Februar seien insgesamt erfreulich ausgefallen. Der Composite Output PMI rücke immer weiter in Richtung der Expansionsgrenze von 50, wobei vor allem Frankreich diese Bewegung gestützt habe. Deutschland hingegen hinke in der wirtschaftlichen Entwicklung hinterher.
Mary C. Daly, die Präsidentin der Federal Reserve Bank von San Francisco, habe jüngst die Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung gewürdigt, jedoch hervorgehoben, dass noch Arbeit erforderlich sei, um Preisstabilität und Vollbeschäftigung sicherzustellen. In ähnlicher Weise habe der Präsident der Atlanta FED, Raphael Bostic, in einer Rede den erzielten Fortschritt betont, jedoch vor übermäßigem Optimismus gewarnt.
Er habe einen weiteren, kontinuierlichen Rückgang der Inflation prognostiziert, sei jedoch der Ansicht, dass die Inflation nicht so schnell zurückgehen werde, wie es derzeit von den Märkten erwartet werde. In eine ähnliche Richtung würden auch die am 21. Februar 2024 veröffentlichten FOMC Minutes gehen, in denen der Fortschritt betont worden sei, jedoch im gleichen Atemzug eine erhöhte Vorsicht vor zu frühen Zinssenkungen erwähnt worden sei.
Langsam zeige sich auch eine Veränderung im Ton der Äußerungen der EZB-Ratsmitglieder: Das EZB-Ratsmitglied Scicluna, der die Zentralbank von Malta leite, habe sich jüngst für eine erste Zinssenkung bereits im März ausgesprochen und auf die jüngsten Preisentwicklungen verwiesen, die hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe den vorlaufenden Lohntracker der EZB hervorgehoben, der weiterhin auf Lohndruck in den kommenden Monaten hinweise.
Sie habe die Vorsicht betont, die bei zu frühen Entscheidungen geboten sei, solange die Zinsen nicht gesenkt würden und die mittelfristige Inflation nicht eingedämmt sei. Diese Ansicht werde auch von EZB-Ratsmitglied Isabel Schnabel unterstützt, die ebenfalls in Äußerungen auf den höheren Lohndruck hingewiesen habe, der ihrer Meinung nach das Erreichen des Inflationsziels verzögern könne.
Datenseitig erwarten uns am 26. Februar die Verkäufe neuer Häuser aus den USA für den Berichtsmonat Januar, wobei dort vor allem der Medianpreis dieser Häuser von Interesse ist, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Dieser diene als vorlaufender Indikator (um etwa 18 Monate) für die Komponente der Äquivalenzmiete für Eigentümer im CPI-Warenkorb, die etwa 25% des gesamten statistischen US-Warenkorbs ausmache. Der Medianpreis habe zuletzt einen deutlichen Rückgang der CPI-Komponente angezeigt, der sich bislang bestätigt habe.
Am 29. Februar werde der PCE-Preisindex veröffentlicht, eines der beiden Datenhighlights der Woche. Bisher sei bekannt, dass sowohl der Konsumenten- als auch der Produzentenpreisindex höher als erwartet ausgefallen seien. Da beide Indices relativ gut mit dem PCE-Preisindex korrelieren würden, sei es naheliegend, anzunehmen, dass auch die PCE-Inflation in ähnlichem Maße gestiegen sei. Das HCOB Nowcast der Analysten gehe von einem Rückgang von 2,6% im Dezember auf 2,3% im Januar aus (0,3% m/m). Die Kernrate dürfte von 2,9% auf 2,6% gesunken sein.
Das zweite Datenhighlight sind die deutschen Inflationszahlen für den Februar, die ebenfalls am 29. Februar erscheinen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Zuletzt sei die Inflation durch statistische Basiseffekte von 3,7% im Dezember auf 2,9% y/y gefallen. Nun werde ein weiterer Rückgang auf 2,7% erwartet. Hierbei dürfte insbesondere die Lebensmittelinflation eine Rolle spielen, die von 3,8% auf etwa 3% fallen dürfte. (Ausgabe vom 22.02.2024) (23.02.2024/alc/a/a)
Derzeit würden sich die Renditen der T-Notes auf 4,26% und die der Bunds auf 2,40% belaufen. In den USA sei der Anstieg der Renditen hauptsächlich durch überraschend schwache Einzelhandelszahlen beeinflusst worden. Demgegenüber hätten die stärker als erwartet gestiegenen Produzentenpreise für den Januar kurzzeitig aufgekommene Spekulationen über bevorstehende US-Leitzinssenkungen schnell wieder gedämpft. Auch die deutschen Renditen seien von diesen Zahlen beeinflusst worden.
In Europa seien zudem Daten zur Industrie für den Berichtsmonat Dezember veröffentlicht worden, die einen etwas optimistischeren Ausblick auf die Konjunktur im Währungsraum ermöglichen würden. Die HCOB PMIs, die gestern Morgen (22.02) erschienen seien, würden die Hoffnung einer baldigen Erholung verstärken.
Die Einzelhandelsumsätze in den USA hätten die Märkte überrascht: Diese seien um 0,8% m/m gesunken, während lediglich ein Rückgang von 0,1% erwartet worden sei. Insbesondere die Umsätze in den Bereichen Baumaterialien (-4,1% m/m), Fahrzeuge (-1,7%) und Gesundheitswesen (-1,1%) seien deutlich zurückgegangen. Als Reaktion auf diese neuen Veröffentlichungen sei das HCOB Nowcast der Analysten für das US-Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2024 von 3,2% (annualisiert) auf 2,3% reduziert worden. Das Modell der Atlanta FED habe sich ebenfalls nach unten bewegt, wobei die Revision dort weniger stark ausgefallen sei (von 3,4% auf 2,9%).
Da die Einzelhandelsumsätze einen wesentlichen Bestandteil der persönlichen Konsumausgaben bilden würden, die etwa 70% der US-Wirtschaftsleistung ausmachen würden, hätten die Märkte diese Daten als erstes Signal für eine abkühlende Wirtschaft gedeutet. Jedoch seien einen Tag später die Produzentenpreise für den Januar herausgekommen, die um 0,3% gegenüber dem Vormonat gestiegen seien. Besonders stark sei der Anstieg bei den Produzentenpreisen für Dienstleistungen (0,6 % m/m) gewesen, während der entsprechende Index für Sachgüter nur um 0,2% zugelegt habe. Die Kernrate habe die Märkte negativ mit einem Anstieg um 0,5% überrascht.
In Europa wachse langsam die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung: Die jüngsten Daten zur Industrieproduktion hätten positiv überrascht, obwohl Deutschland schwache Zahlen verzeichnet habe. Das Industrieproduktion habe im Vergleich zum Vormonat um 2,6% zugelegt. Das Baugewerbe, separat von der Industrieproduktion ausgewiesen, habe hingegen ein Wachstum von 0,8% verzeichnet, wobei vor allem Italien mit einer beeindruckenden Rate von 4,4% gewachsen sei, was unter anderem auf staatliche Fördermaßnahmen zurückzuführen sei.
Mary C. Daly, die Präsidentin der Federal Reserve Bank von San Francisco, habe jüngst die Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung gewürdigt, jedoch hervorgehoben, dass noch Arbeit erforderlich sei, um Preisstabilität und Vollbeschäftigung sicherzustellen. In ähnlicher Weise habe der Präsident der Atlanta FED, Raphael Bostic, in einer Rede den erzielten Fortschritt betont, jedoch vor übermäßigem Optimismus gewarnt.
Er habe einen weiteren, kontinuierlichen Rückgang der Inflation prognostiziert, sei jedoch der Ansicht, dass die Inflation nicht so schnell zurückgehen werde, wie es derzeit von den Märkten erwartet werde. In eine ähnliche Richtung würden auch die am 21. Februar 2024 veröffentlichten FOMC Minutes gehen, in denen der Fortschritt betont worden sei, jedoch im gleichen Atemzug eine erhöhte Vorsicht vor zu frühen Zinssenkungen erwähnt worden sei.
Langsam zeige sich auch eine Veränderung im Ton der Äußerungen der EZB-Ratsmitglieder: Das EZB-Ratsmitglied Scicluna, der die Zentralbank von Malta leite, habe sich jüngst für eine erste Zinssenkung bereits im März ausgesprochen und auf die jüngsten Preisentwicklungen verwiesen, die hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe den vorlaufenden Lohntracker der EZB hervorgehoben, der weiterhin auf Lohndruck in den kommenden Monaten hinweise.
Sie habe die Vorsicht betont, die bei zu frühen Entscheidungen geboten sei, solange die Zinsen nicht gesenkt würden und die mittelfristige Inflation nicht eingedämmt sei. Diese Ansicht werde auch von EZB-Ratsmitglied Isabel Schnabel unterstützt, die ebenfalls in Äußerungen auf den höheren Lohndruck hingewiesen habe, der ihrer Meinung nach das Erreichen des Inflationsziels verzögern könne.
Datenseitig erwarten uns am 26. Februar die Verkäufe neuer Häuser aus den USA für den Berichtsmonat Januar, wobei dort vor allem der Medianpreis dieser Häuser von Interesse ist, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Dieser diene als vorlaufender Indikator (um etwa 18 Monate) für die Komponente der Äquivalenzmiete für Eigentümer im CPI-Warenkorb, die etwa 25% des gesamten statistischen US-Warenkorbs ausmache. Der Medianpreis habe zuletzt einen deutlichen Rückgang der CPI-Komponente angezeigt, der sich bislang bestätigt habe.
Am 29. Februar werde der PCE-Preisindex veröffentlicht, eines der beiden Datenhighlights der Woche. Bisher sei bekannt, dass sowohl der Konsumenten- als auch der Produzentenpreisindex höher als erwartet ausgefallen seien. Da beide Indices relativ gut mit dem PCE-Preisindex korrelieren würden, sei es naheliegend, anzunehmen, dass auch die PCE-Inflation in ähnlichem Maße gestiegen sei. Das HCOB Nowcast der Analysten gehe von einem Rückgang von 2,6% im Dezember auf 2,3% im Januar aus (0,3% m/m). Die Kernrate dürfte von 2,9% auf 2,6% gesunken sein.
Das zweite Datenhighlight sind die deutschen Inflationszahlen für den Februar, die ebenfalls am 29. Februar erscheinen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Zuletzt sei die Inflation durch statistische Basiseffekte von 3,7% im Dezember auf 2,9% y/y gefallen. Nun werde ein weiterer Rückgang auf 2,7% erwartet. Hierbei dürfte insbesondere die Lebensmittelinflation eine Rolle spielen, die von 3,8% auf etwa 3% fallen dürfte. (Ausgabe vom 22.02.2024) (23.02.2024/alc/a/a)


