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Rentenmärkte: Rückkehr der unkontrollierten Inflation?
10.10.24 15:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen steigen deutlich an: US-Treasury Notes notieren bei 4,09%, deutsche Bunds bei 2,27%, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Dieser Anstieg werde vor allem von positiven US-Konjunkturdaten getrieben. Ein starker Arbeitsmarktbericht und positive Signale aus dem Dienstleistungssektor hätten das Vertrauen in ein "Soft Landing" gestärkt, was das Hochzinsumfeld tragbarer erscheinen lasse. Auch aus der Eurozone seien positive Signale gekommen, insbesondere aus Deutschland, wo Industrieproduktion, Exporte und Einzelhandelsumsätze unerwartet hätten zulegen können.
Trotzdem bleibe die Lage angespannt: Die deutsche Wachstumsprognose für 2024 sei von +0,3% auf -0,2% gesenkt worden. Vor der EZB-Sitzung am 17. Oktober stünden die Zentralbanker vor Herausforderungen. Während die Inflation unter Kontrolle zu sein scheine, bestünden mittelfristige Risiken durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten und eine mögliche Wiederwahl Donald Trumps, die den internationalen Handel belasten könnte. Laut der "ECB Watcher"-Publikation von HCOB Economics deute sich jedoch eine Mehrheit für eine Zinssenkung im Oktober an.
Eine weiche Landung der US-Wirtschaft werde zunehmend als realistisch eingeschätzt, insbesondere nach dem jüngsten Arbeitsmarktbericht. Im September 2024 sei die Beschäftigung um 254.000 gestiegen, deutlich mehr als der Anstieg von 159.000 im August und weit über den Erwartungen von 140.000. Dies habe das stärkste Beschäftigungswachstum seit sechs Monaten markiert und über dem durchschnittlichen Monatszuwachs von 203.000 der letzten zwölf Monate gelegen.
Die positive Arbeitsmarktlage sorge für deutlich steigende Löhne, das könnte auf die Verbraucherpreise durchschlagen. Die durchschnittlichen Stundenlöhne seien im September um 0,4% auf 35,36 US-Dollar gestiegen, über den Erwartungen von 0,3%, aber unter dem Vormonat mit 0,5%. Zusätzliche Zuversicht sei vom Dienstleistungssektor gekommen: Der ISM-Einkaufsmanagerindex sei im September auf 54,9 Punkte gestiegen, verglichen mit 51,5 im August, und habe die Prognosen deutlich übertroffen. Dies signalisiere das stärkste Wachstum seit Februar 2023 und stärke die Aussicht auf eine stabile wirtschaftliche Entwicklung trotz des Zinsumfelds.
Trotz der anhaltenden Herausforderungen in der Eurozone seien zuletzt ausgerechnet aus Deutschland positive Signale gekommen, die für vorsichtigen Optimismus sorgen könnten. Die Einzelhandelsumsätze seien im August 2024 um 1,6% gegenüber dem Vormonat gestiegen, nach einem Zuwachs von 1,5% im Juli. Auch die Industrieproduktion habe positiv überrascht: Sie habe im August um 2,9% (MoM) zugelegt, weit über den Erwartungen von 0,8%, und habe damit das stärkste Wachstum seit Oktober 2021 markiert. Besonders die Automobilindustrie habe maßgeblich zur Erholung beigetragen.
Zudem seien die deutschen Exporte im August um 1,3% auf 131,9 Mrd. EUR gestiegen, ein Dreimonatshoch, entgegen den Erwartungen eines Rückgangs um 1,0%. Trotz dieser positiven Daten bleibe die Lage angespannt: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck habe die Wachstumsprognosen nach unten korrigiert. Die deutsche Wirtschaft dürfte 2024 um 0,2% schrumpfen, nach einem Rückgang von 0,3% im Jahr 2023, womit Deutschland vor dem zweiten Rezessionsjahr in Folge stehe.
Mit Blick auf die bevorstehende EZB-Sitzung im Oktober rückten geopolitische und wirtschaftliche Risiken stark in den Vordergrund. Besonders beunruhigend sei die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten, der seit dem 7. Oktober 2023 zwischen Israel und der Hamas wüte und sich von Monat zu Monat ausgeweitet habe. Die angespannte Lage, insbesondere mögliche israelische Angriffe auf iranische Ölanlagen als Reaktion auf Raketenangriffe, lasse die Ölpreise schwanken. Der Preis für Brent-Öl liege derzeit bei etwa 77 USD/Barrel, nachdem er bereits über 80 USD/Barrel gestiegen gewesen sei.
Auch die Aussicht auf eine mögliche Wiederwahl von Donald Trump Anfang November könnte die EZB-Entscheidung beeinflussen. Trump habe Zölle von bis zu 20% auf alle Importe und 100% auf im Ausland produzierte Autos angekündigt, was den Welthandel und insbesondere die europäische Exportwirtschaft stark belasten würde. In diesem unsicheren Umfeld dürften die EZB-Ratsmitglieder weiterhin besorgt auf die Inflation blicken. Trotz der wirtschaftlichen Schwäche und der geopolitischen Spannungen würden Beobachter davon ausgehen, dass die EZB am 17. Oktober eine weitere Zinssenkung vornehmen werde. Dies werde in der Publikation von "ECB Watcher" bestätigt, die morgen publiziert werde.
In den kommenden Tagen stünden einige interessante Datenveröffentlichungen an. In den USA werde der Index für das Konsumentenvertrauen der Universität Michigan am 11. Oktober erwartet, wobei der Konsens eine Stabilität auf solidem Niveau prognostiziere. Am 13. Oktober würden zudem Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion für September folgen. In Deutschland werde am 15. Oktober der ZEW-Konjunkturerwartungsindex für Oktober veröffentlicht, gefolgt von den Auftragsbeständen der Industrie für August am 17. Oktober.
Für die Eurozone sei die Industrieproduktion am 15. Oktober von hoher Relevanz. Besonders im Fokus stünden jedoch die Konjunkturdaten aus China, die ab dem 13. Oktober veröffentlicht würden und das Bild des dritten Quartals prägen dürften. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Schwäche in China sei kaum mit einer Trendumkehr zu rechnen. Eine eingehende Analyse des dritten Quartals werde in der Veröffentlichung des "China Quarterly" von HCOB Economics erwartet, die morgen (11. Oktober) erscheine. (10.10.2024/alc/a/a)
Dieser Anstieg werde vor allem von positiven US-Konjunkturdaten getrieben. Ein starker Arbeitsmarktbericht und positive Signale aus dem Dienstleistungssektor hätten das Vertrauen in ein "Soft Landing" gestärkt, was das Hochzinsumfeld tragbarer erscheinen lasse. Auch aus der Eurozone seien positive Signale gekommen, insbesondere aus Deutschland, wo Industrieproduktion, Exporte und Einzelhandelsumsätze unerwartet hätten zulegen können.
Trotzdem bleibe die Lage angespannt: Die deutsche Wachstumsprognose für 2024 sei von +0,3% auf -0,2% gesenkt worden. Vor der EZB-Sitzung am 17. Oktober stünden die Zentralbanker vor Herausforderungen. Während die Inflation unter Kontrolle zu sein scheine, bestünden mittelfristige Risiken durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten und eine mögliche Wiederwahl Donald Trumps, die den internationalen Handel belasten könnte. Laut der "ECB Watcher"-Publikation von HCOB Economics deute sich jedoch eine Mehrheit für eine Zinssenkung im Oktober an.
Eine weiche Landung der US-Wirtschaft werde zunehmend als realistisch eingeschätzt, insbesondere nach dem jüngsten Arbeitsmarktbericht. Im September 2024 sei die Beschäftigung um 254.000 gestiegen, deutlich mehr als der Anstieg von 159.000 im August und weit über den Erwartungen von 140.000. Dies habe das stärkste Beschäftigungswachstum seit sechs Monaten markiert und über dem durchschnittlichen Monatszuwachs von 203.000 der letzten zwölf Monate gelegen.
Die positive Arbeitsmarktlage sorge für deutlich steigende Löhne, das könnte auf die Verbraucherpreise durchschlagen. Die durchschnittlichen Stundenlöhne seien im September um 0,4% auf 35,36 US-Dollar gestiegen, über den Erwartungen von 0,3%, aber unter dem Vormonat mit 0,5%. Zusätzliche Zuversicht sei vom Dienstleistungssektor gekommen: Der ISM-Einkaufsmanagerindex sei im September auf 54,9 Punkte gestiegen, verglichen mit 51,5 im August, und habe die Prognosen deutlich übertroffen. Dies signalisiere das stärkste Wachstum seit Februar 2023 und stärke die Aussicht auf eine stabile wirtschaftliche Entwicklung trotz des Zinsumfelds.
Zudem seien die deutschen Exporte im August um 1,3% auf 131,9 Mrd. EUR gestiegen, ein Dreimonatshoch, entgegen den Erwartungen eines Rückgangs um 1,0%. Trotz dieser positiven Daten bleibe die Lage angespannt: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck habe die Wachstumsprognosen nach unten korrigiert. Die deutsche Wirtschaft dürfte 2024 um 0,2% schrumpfen, nach einem Rückgang von 0,3% im Jahr 2023, womit Deutschland vor dem zweiten Rezessionsjahr in Folge stehe.
Mit Blick auf die bevorstehende EZB-Sitzung im Oktober rückten geopolitische und wirtschaftliche Risiken stark in den Vordergrund. Besonders beunruhigend sei die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten, der seit dem 7. Oktober 2023 zwischen Israel und der Hamas wüte und sich von Monat zu Monat ausgeweitet habe. Die angespannte Lage, insbesondere mögliche israelische Angriffe auf iranische Ölanlagen als Reaktion auf Raketenangriffe, lasse die Ölpreise schwanken. Der Preis für Brent-Öl liege derzeit bei etwa 77 USD/Barrel, nachdem er bereits über 80 USD/Barrel gestiegen gewesen sei.
Auch die Aussicht auf eine mögliche Wiederwahl von Donald Trump Anfang November könnte die EZB-Entscheidung beeinflussen. Trump habe Zölle von bis zu 20% auf alle Importe und 100% auf im Ausland produzierte Autos angekündigt, was den Welthandel und insbesondere die europäische Exportwirtschaft stark belasten würde. In diesem unsicheren Umfeld dürften die EZB-Ratsmitglieder weiterhin besorgt auf die Inflation blicken. Trotz der wirtschaftlichen Schwäche und der geopolitischen Spannungen würden Beobachter davon ausgehen, dass die EZB am 17. Oktober eine weitere Zinssenkung vornehmen werde. Dies werde in der Publikation von "ECB Watcher" bestätigt, die morgen publiziert werde.
In den kommenden Tagen stünden einige interessante Datenveröffentlichungen an. In den USA werde der Index für das Konsumentenvertrauen der Universität Michigan am 11. Oktober erwartet, wobei der Konsens eine Stabilität auf solidem Niveau prognostiziere. Am 13. Oktober würden zudem Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion für September folgen. In Deutschland werde am 15. Oktober der ZEW-Konjunkturerwartungsindex für Oktober veröffentlicht, gefolgt von den Auftragsbeständen der Industrie für August am 17. Oktober.
Für die Eurozone sei die Industrieproduktion am 15. Oktober von hoher Relevanz. Besonders im Fokus stünden jedoch die Konjunkturdaten aus China, die ab dem 13. Oktober veröffentlicht würden und das Bild des dritten Quartals prägen dürften. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Schwäche in China sei kaum mit einer Trendumkehr zu rechnen. Eine eingehende Analyse des dritten Quartals werde in der Veröffentlichung des "China Quarterly" von HCOB Economics erwartet, die morgen (11. Oktober) erscheine. (10.10.2024/alc/a/a)
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| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 27.03./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
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