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Rentenmärkte: Weiterhin niedrige Renditen


06.11.13 15:28
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - lm Oktober wurden die Rentenmärkte zunächst vom US-Haushaltsstreit und der anstehenden Erhöhung der US-Schuldengrenze bzw. dem drohenden US-Default beeinflusst, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

Anschließend seien wieder die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (FED) und die realen ökonomischen Daten in den Vordergrund gerückt. Die Zentralbanken würden unverändert die Stützung der konjunkturellen Erholung durch eine expansive Geldpolitik signalisieren. So habe die FED das monatliche Ankaufsvolumen bei unverändert 85 Milliarden US-Dollar belassen.

lm Februar nächsten Jahres trete Janet Yellen ihr neues Amt als Präsidentin der amerikanischen Notenbank an. Inhaltlich stehe sie für eine konjunkturstützende Geldpolitik. So würden die Märkte zunächst nur eine geringe Einschränkung des Anleiheankaufprogramms (Tapering) erwarten.

Konjunkturell werde die Erholung der US-Wirtschaft vom Bausektor und vom Konsum getragen. In diesen Sektoren würden die Experten eine Abschwächung des Anstiegs erwarten. Die Erholung am Arbeitsmarkt sei eher enttäuschend. So sei die Arbeitslosenquote zwar auf 7,2% gefallen, die Anzahl der neu geschaffenen Stellen habe aber unter den Erwartungen gelegen. Die US-lnflation sei rückläufig und liege in der Kerninflation bei nur noch +1,2% nach 1,5% im Vormonat.

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe in ihrem Ausblick ebenfalls ein längerfristig niedriges Zinsniveau angekündigt. Die Stützungsmaßnahmen für die Banken insbesondere durch die Jahrestender würden sukzessive auslaufen, wodurch sich die Überschussliquidität der Banken reduziere und die Kurzfristzinsen leicht anziehen würden. Die EZB werde aber, wenn notwendig, dem Finanzsystem weitere Liquidität zuführen.

Ein Hauptproblem sei die starke Spreizung der Kreditzinsen der Unternehmen innerhalb der Eurozone, die aktuell sehr von der Länderzugehörigkeit und nicht vom Geschäftsmodell abhängig sei. Dies führe zu einer verschlechterten Wettbewerbssituation der Unternehmen in der Peripherie und zu einer Zurückhaltung bei den Unternehmensinvestitionen. Die Renditespreads der Peripheriestaaten würden sich aktuell auf stabilem Niveau bewegen.

Die beiden deutschen Stimmungsindikatoren ifo und ZEW hätten sich divergent entwickelt. Während der ifo leicht gefallen sei, habe der ZEW insbesondere in der Erwartungskomponente zulegen können. Die deutsche Industrieproduktion habe die Scharte des Vormonats wieder ausgleichen können und sei um +1,4% gestiegen.

Die Arbeitslosenquote habe sich leicht auf 6,9% erhöht, die Beschäftigung habe aber weiter zulegen können. Inflation sei kein Thema, in Deutschland habe der Preisanstieg im Jahresvergleich bei +1,2% gelegen.

ln der Eurozone scheine sich die konjunkturelle Lage zu stabilisieren, auch wenn der Reformwille und die Haushaltsdisziplin zu erlahmen scheine. So würden beispielsweise in Griechenland die Reformen nur unvollständig umgesetzt, in Portugal seien beschlossene Einsparungen durch höchstrichterliche Entscheidungen zurückgenommen worden.

lm Oktober sei die Rendite 10-jähriger US-Bonds leicht rückläufig gewesen. Sie sei von 2,61% auf 2,54% gefallen. Die Zinskurve hab sich dabei etwas abgeflacht, der Spread zwischen 10-jährigen Langläufern zu 2—jährigen US-Staatsanleihen liege aktuell aktuell bei 227 Basispunkten. Bundesanleihen hätten ebenfalls etwas schwächer rentiert.

Die Rendite 10-jähriger Bunds sei von 1,78% auf 1,68% gefallen. Die Zinskurve habe sich leicht versteilert, der Spread zwischen 10- und 2-jährigen Bunds liege derzeit bei 158 Basispunkten.

Technisch würden sich die Renditen 10-jähriger Anleihen diesseits und jenseits des Atlantiks in einem kurzfristigen Abwärtstrend befinden.

Die oberen Widerstandsmarken lägen bei 10-jährigen Treasuries bei 3,00% bzw. bei mit gleicher Laufzeit ausgestatten Bundesanleihen bei 2,00%. Aufgrund des technischen Bildes und der weiter expansiven Geldpolitik der Zentralbanken und zugleich niedriger lnflationsraten würden die Experten weiterhin niedrige Renditen erwarten. (Ausgabe November 2013) (06.11.2013/alc/a/a)