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Rentenmärkte: Die gefährliche Gewöhnung an die Krisen
29.05.13 16:27
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wenn in den Medien von der "Euro Krise" die Rede ist, dann ist damit nicht der Euro als Währung gemeint, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Die Gemeinschaftswährung sei seit vielen Wochen bemerkenswert stabil. Und wenn auf "deutsch-französische Spannungen" hingewiesen werde, dann seien damit ausschließlich Meinungsverschiedenheiten der beiden Regierungen gemeint über die optimale Wirtschaftspolitik zur Überwindung der Konjunkturkrise. Die deutsche Regierung verfolge eine strikte Politik zum möglichst baldigen Abbau der öffentliche Neuverschuldung, die französische sehe sich gezwungen, dies weiter in die Zukunft zu verschieben.
Die EZB fordere ehrgeizige Strategien für einen Schuldenabbau. Dies sei von entscheidender Bedeutung. An einer rigorosen Haushaltskonsolidierung führe kein Weg vorbei. Die Regierungen würden gewarnt, die Sanierung der Staatsfinanzen auf die lange Bank zu schieben, da hohe Schuldenstände negativ für das Wirtschaftswachstum seien. Die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen werde zusätzlich belastet. Die Notenbank beziehe klar Stellung gegen diejenigen Stimmen, die mehr Zeit für den Abbau der Budgetdefizite fordern würden.
In Deutschland seien unter den großen ER17-Mitgliedern die Sanierungspläne am weitesten fortgeschritten. Der Bund plane 2013 eine Nettokreditaufnahme von 17,1 Mrd. Euro. Sie solle 2014 auf 6,4 Mrd. Euro gedrückt werden. 2015 solle der Haushalt ausgeglichen sein und 2016 und 2017 Überschüsse in Höhe von 5,0 bzw. 9,4 Mrd. Euro aufweisen. Die anderen großen ER17 würden zwar auch einen ausgeglichenen Haushalt anstreben, müssten diesen Plan aber wegen hoher Arbeitslosigkeit wahrscheinlich um zwei bis drei Jahre verschieben. In Frankreich, Italien und Spanien komme es zu Demonstrationen gegen öffentliche Sparmaßnahmen. Die Börsen würden die Rating-Differenzen in den Spreads der Renditen bewerten.
Die EU-Kommission sei der Ansicht, das jährliche BIP dürfte dieses Jahr um 0,1% in der EU27 und um 0,4% im Euroraum sinken. 2014 sollte sich die Wirtschaftstätigkeit um 1,4% in der EU und um 1,2% im Euroraum ausweiten. Das Haushaltsdefizit sollte 2013 weiter fallen - auf 3,4% des BIP in der EU27 und 2,9% im ER17. Die strukturelle Konsolidierung werde dieses Jahr voraussichtlich langsamer erfolgen als im vergangenen Jahr. Die Schuldenquote dürfte in der EU 89,8% des BIP und im Euroraum 95,5% des BIP erreichen.
Der größte Zündstoff für die Finanzmärkte liege in der Ausweitung sozialer Turbulenzen. Größtenteils mache die Bevölkerung in den Krisenländern in der Regel die eigene Regierung für die Misere verantwortlich. Und wenn die Politiker diesem Druck mit Blick auf die nächsten Wahlen begegnen würden, seien sie eher geneigt, den Weg des geringsten Widerstandes einzuschlagen, indem sie die Einsparungen kürzen und die Neuverschuldung erhöhen würden. Die Verschuldungsprobleme würden damit nur auf die nächsten Generationen verschoben.
Das Gefährlichste an den ständigen Berichten über die vielseitigen Krisen sei ein Gewöhnungseffekt. Mancher sage sich dann: Bisher sei doch alles gut gegangen, das könne doch nicht so schlimm sein. Reformen würden bei dieser Einstellung ausbleiben. Das führe unweigerlich zu einer Krise an den Rentenmärkten. (29.05.2013/alc/a/a)
Die Gemeinschaftswährung sei seit vielen Wochen bemerkenswert stabil. Und wenn auf "deutsch-französische Spannungen" hingewiesen werde, dann seien damit ausschließlich Meinungsverschiedenheiten der beiden Regierungen gemeint über die optimale Wirtschaftspolitik zur Überwindung der Konjunkturkrise. Die deutsche Regierung verfolge eine strikte Politik zum möglichst baldigen Abbau der öffentliche Neuverschuldung, die französische sehe sich gezwungen, dies weiter in die Zukunft zu verschieben.
Die EZB fordere ehrgeizige Strategien für einen Schuldenabbau. Dies sei von entscheidender Bedeutung. An einer rigorosen Haushaltskonsolidierung führe kein Weg vorbei. Die Regierungen würden gewarnt, die Sanierung der Staatsfinanzen auf die lange Bank zu schieben, da hohe Schuldenstände negativ für das Wirtschaftswachstum seien. Die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen werde zusätzlich belastet. Die Notenbank beziehe klar Stellung gegen diejenigen Stimmen, die mehr Zeit für den Abbau der Budgetdefizite fordern würden.
Die EU-Kommission sei der Ansicht, das jährliche BIP dürfte dieses Jahr um 0,1% in der EU27 und um 0,4% im Euroraum sinken. 2014 sollte sich die Wirtschaftstätigkeit um 1,4% in der EU und um 1,2% im Euroraum ausweiten. Das Haushaltsdefizit sollte 2013 weiter fallen - auf 3,4% des BIP in der EU27 und 2,9% im ER17. Die strukturelle Konsolidierung werde dieses Jahr voraussichtlich langsamer erfolgen als im vergangenen Jahr. Die Schuldenquote dürfte in der EU 89,8% des BIP und im Euroraum 95,5% des BIP erreichen.
Der größte Zündstoff für die Finanzmärkte liege in der Ausweitung sozialer Turbulenzen. Größtenteils mache die Bevölkerung in den Krisenländern in der Regel die eigene Regierung für die Misere verantwortlich. Und wenn die Politiker diesem Druck mit Blick auf die nächsten Wahlen begegnen würden, seien sie eher geneigt, den Weg des geringsten Widerstandes einzuschlagen, indem sie die Einsparungen kürzen und die Neuverschuldung erhöhen würden. Die Verschuldungsprobleme würden damit nur auf die nächsten Generationen verschoben.
Das Gefährlichste an den ständigen Berichten über die vielseitigen Krisen sei ein Gewöhnungseffekt. Mancher sage sich dann: Bisher sei doch alles gut gegangen, das könne doch nicht so schlimm sein. Reformen würden bei dieser Einstellung ausbleiben. Das führe unweigerlich zu einer Krise an den Rentenmärkten. (29.05.2013/alc/a/a)


