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Rentenmärkte von Last-Minute-Rettung Zyperns beeinflusst


05.04.13 13:05
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - In den USA überwiegen momentan die positiven Nachrichten zur Lage der Wirtschaft, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

Die Anzahl der neu geschaffenen Stellen habe im März leicht über den Erwartungen gelegen. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe habe den dritten Monat in Folge ansteigen können und notiere auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren. Auch der Auftragseingang für langlebige Güter habe sich besser entwickeln können als erwartet. Im Immobiliensektor setze sich die Erholung fort. Die Anzahl der vergebenen Baugenehmigungen habe erneut deutlich zulegen können und liege auf dem höchsten Stand seit 2008. Einzig die US-Verbraucher würden sich weniger zuversichtlich zeigen, das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan sei im März gefallen. Die aktuellen Wirtschaftsdaten würden für die nächsten Monate ein robustes Wachstum der US-Wirtschaft andeuten, die im März in Kraft getretenen Budgetkürzungen könnten das Wirtschaftswachstum aber noch drosseln.

Die Stimmungsindikatoren für die deutsche Wirtschaft hätten zuletzt nicht an die positive Entwicklung der Vormonate anknüpfen können. Die Einkaufsmanagerindices sowohl für das Verarbeitende Gewerbe als auch für die Industrie seien wieder unter die Wachstumsschwelle gefallen, das ifo-Geschäftsklima sei zum ersten Mal seit fünf Monaten gefallen und auch der ZEW-Index habe nur noch minimal zulegen können. Das ifo-Geschäftsklima und der ZEW-Index würden allerdings nach wie vor auf hohem Niveau notieren und weiterhin Wachstum anzeigen.

Scheinbar habe die erneut aufkommende Unsicherheit in Bezug auf die Zukunft der Eurozone die Umfrageteilnehmer wieder etwas pessimistischer in die Zukunft blicken lassen. Zusätzlich sei der Auftragseingang der Industrie zum Jahresanfang unerwartet gesunken. Damit werde es unwahrscheinlicher, dass die Schwächephase der deutschen Wirtschaft bereits im 1. Quartal überwunden werde. Auch für die Eurozone würden die Einkaufsmanagerindices keine Erholung der wirtschaftlichen Aktivität signalisieren, beide Indices würden jetzt schon seit Monaten unterhalb der Wachstumsschwelle notieren.

Im letzten Monat hätten sich die Probleme der Eurozone mit aller Macht zurück in das Bewusstsein der Marktteilnehmer gedrängt. Das Rettungspaket für Zypern sehe erstmals eine Beteiligung der Bankeinlagen an den Rettungsmaßnahmen vor, dies habe viele Investoren stark verunsichert. Zusätzlich habe eine Einigung erst in letzter Sekunde erreicht werden können, dies könne nicht gerade als vertrauensbildende Maßnahme gewertet werden. In Italien sei seit der Wahl ein Monat vergangen, Pier Luigi Bersani sei es bisher nicht gelungen, eine Koalition zu bilden. Staatspräsident Napolitano wolle nun einen Expertenrat einsetzten, der Gesetzesvorschläge erarbeiten solle. Nach der Zypernrettung dürfte die politische Situation in Italien wieder mehr in den Fokus der Märkte geraten.

Wie erwartet seien die japanischen BIP-Zahlen für das vierte Quartal 2012 leicht nach oben revidiert worden. Die für das laufende Jahr bereits vorliegenden Zahlen würden das Bild einer moderaten Erholung zeigen. Die Industrieproduktion sei im Januar um 0,3% gestiegen, die Exporte seien in dem durch das chinesische Neujahrsfest beeinträchtigten Februar um 1,3% gewachsen. Da sich das Stimmungsbild im Dienstleistungsgewerbe schon seit Monaten kräftig verbessere, würden die Experten eine deutliche Belebung des Wirtschaftswachstums erwarten. Möglicherweise auch mit Unterstützung der japanischen Verbraucher, die bei einer rückläufigen Arbeitslosenquote und steigendem Verbrauchervertrauen zuletzt wieder tiefer in den Geldbeutel gegriffen hätten.

Die 10-jährige Bundrendite sei im März deutlich zurückgegangen, das Rettungspaket für Zypern habe die Risikoaversion der Marktteilnehmer erhöht. Momentan notiere die Bundrendite in der Nähe der Unterstützungslinie, die bei 1,30% verlaufe. Diese Marke sei seit dem letzten Sommer nicht mehr unterschritten worden, eine Gegenbewegung sei damit wahrscheinlich. Eine starke Aufwärtsbewegung sei allerdings nicht zu erwarten. Bei den 10-jährigen Treasuries zeige sich ein ähnliches Bild. Im letzten Monat habe es einen deutlichen Renditerückgang gegeben. Auch hier habe der Rückgang an der Unterstützungslinie bei 1,80% gestoppt werden können.

Das historische Niedrigzinsumfeld stelle Investoren vor Herausforderungen. Um eine Rendite oberhalb der Inflationsrate zu erzielen, müssten sie zwangsläufig höhere Risiken akzeptieren. Die über Jahrzehnte erprobte Strategie, einen hohen Anteil ihres Vermögens in Staatsanleihen bester Bonität anzulegen, funktioniere so nicht mehr. Gleichwohl würden sich Anlegern weiterhin lukrative Möglichkeiten eröffnen. Wenn die Prognose zutreffe, wonach die Weltwirtschaft in den kommenden Monaten Fahrt aufnehme, würden insbesondere Aktienfondsengagements lukrative Gewinnmöglichkeiten versprechen. Anleger, die mit Einmalbeträgen langfristig von der erwartet positiven Entwicklung profitieren möchten, sollten eine nach dem starken Kursanstieg der letzten Monaten gesunde Konsolidierung an den Märkten nutzen und sukzessive Fondsanteile an Aktienfonds erwerben. (Ausgabe April 2013) (05.04.2013/alc/a/a)