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Rentenmarkt: EZB lässt geldpolitische Hemmungen fallen
11.06.14 15:54
Alte Leipziger Trust
Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Zurückhaltung bei unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen endgültig aufgegeben und erstmals in ihrer Geschichte den Einlagensatz, den die Banken bezahlen müssen, wenn sie Gelder bei der EZB parken, von null auf -0,10% gesenkt, so die Experten der Alte Leipziger Trust.
Zugleich seien voluminöse Geldspritzen beschlossen und der Ankauf von Kreditverbriefungen angekündigt worden.
Die Märkte hätten in einer ersten Reaktion auf die angekündigte zusätzliche Liquidität Kurssprünge bei Aktien verzeichnet. Zugleich sei der Euro kurzfristig auf ein Viermonatstief bei 1,3503 US-Dollar eingebrochen. Der Trend habe jedoch schnell wieder gedreht - zum einen, weil die EZB letztlich nur die von ihr geweckten Erwartungen erfüllt habe und zur nachhaltigen Schwächung des Euro wohl stärkere Geschützte, also Anleihekäufe, nötig gewesen wären. Zum anderen habe die EZB beschlossen, den Hauptrefinanzierungssatz von 0,25% auf 0,15% zu senken.
Außerdem seien Geldspritzen für die Banken im Gesamtvolumen von 400 Milliarden Euro vereinbart worden, die an die Kreditvergabepraxis der Banken geknüpft seien. Über das sog. Targeted Longer Term Refinancing Operations (TLTRO) könnten sich die Banken zu extrem günstigen Konditionen bis zu 7% ihrer aktuellen Kreditvergabe an Zentralbankgeld leihen. Schließlich solle auch der Markt für Kreditverbriefungen, der im Zuge der Finanzkrise in Verruf geraten sei, wiederbelebt werden. So habe die EZB angekündigt, künftig ABS-Papiere von den Banken zu erwerben, sofern sie "einfach, transparent und mit Realwerten unterlegt" seien.
Die EZB habe das Maßnahmenpaket mit der niedrigen Inflation begründet, die auf längere Sicht neue Risiken entstehen lasse. So erwarte die EZB, dass sie mit den jetzt beschlossenen Maßnahmen ihr Ziel, eine Inflationsrate von 2% zu erreichen, mittelfristig stemmen könne. Im Mai 2014 sei die Inflationsrate in der Eurozone auf 0,5% gefallen. Zugleich möchten die Währungshüter mit ihren jüngsten Entscheidungen die Konjunktur in der Eurozone ankurbeln. Zuletzt seien die Prognosen für das Wachstum in der Eurozone für das laufende Jahr von 1,2 auf 1% gesenkt worden, für 2015 von 1,5 auf 1,7% heraufgesetzt.
Für die deutsche Wirtschaft habe sich im 1. Quartal 2014 ein Wachstum von 0,8% ergeben. Im Gegensatz zu den USA, wo die Witterung die wirtschaftlichen Aktivitäten ausgebremst habe, hätten die ungewöhnlich milden Temperaturen in Deutschland unterstützend gewirkt. Neben der Witterung, die die Bautätigkeiten erhöht habe, hätten auch die Unternehmen und die Verbraucher das Wachstum durch eine gestiegene Nachfrage nach Investitionsgütern bzw. Konsumgütern belebt. Die Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt sei in diesem Jahr dagegen schwächer ausgefallen als gewöhnlich, saisonbereinigt habe sich die Zahl der Arbeitslosen im Mai erhöht, die Quote verharre aber weiterhin auf einem niedrigen Niveau von 6,7%.
Sowohl das ifo-Geschäftsklima als auch der ZEW-Index hätten im Mai einen Rückwärtsgang eingelegt. Bei beiden Indices hätten die gestiegenen Unsicherheiten bezüglich der weltweiten Wirtschaftsentwicklung zu einer Verschlechterung der Konjunkturerwartungen geführt. Die aktuelle Lage werde von den Umfrageteilnehmern aber nach wie vor als sehr gut eingeschätzt. Die Wirtschaft dürfte sich im 2. Quartal solide entwickeln, das hohe Wachstumstempo des 1. Quartals werde allerdings nicht zu halten sein.
Die Wirtschaft der Eurozone sei im 1. Quartal nur um 0,2% gewachsen. Insbesondere Frankreich und Italien hätten mit einer Stagnation bzw. einer leichten Schrumpfung der Wirtschaft enttäuscht. Die Einkaufsmanagerindices hätten sich im Mai uneinheitlich entwickelt, der Index für die Dienstleister habe zulegen können, bei der Industrie habe sich ein Rückgang ergeben. Auch in den nächsten Monaten dürfte sich für die Eurozone per saldo nur ein kraftloses Wachstum ergeben.
Die US-Wirtschaft habe zum Jahresanfang eine regelrechte Vollbremsung hingelegt. So würden die revidierten Daten des Handelsministeriums eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um annualisiert 1% für das 1. Quartal 2014 anzeigen. Gleichwohl würden sich inzwischen die positiven Anzeichen für eine signifikant verbesserte Konjunkturlage mehren.
Vom Arbeitsmarkt habe es im Mai erneut positive Daten gegeben, denn die Zahl der Beschäftigten habe um 288.000 zugelegt. Die Werte für die Vormonate seien erneut nach oben revidiert worden. Der US-Auftragseingang für langlebige Güter habe sich in den letzten drei Monaten jeweils erhöht und auch der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor habe im Mai zulegen können und signalisiere aktuell eine Expansion der US-Wirtschaft.
Der Abwärtstrend bei den 10-jährigen Bundesanleihen habe sich im Mai fortgesetzt. Auch die Renditen 10-jähriger US-Treasuries würden tiefer notieren und hätten somit ihren bisherigen Seitwärtstrend nach unten verlassen. Bunds und Treasuries hätten im Mai neue Jahrestiefstände erreicht und würden zinsorientierten Anlegern ein trauriges Bild bieten. Die 10-jährige US-Rendite sei im Mai auf 2,46% gefallen.
Die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen seien ebenfalls rückläufig gewesen und von 1,47% Ende April auf 1,36% Ende Mai gefallen. 2-jährige deutsche Staatsanleihen würden aktuell nur noch eine Rendite von 0,06% abwerfen, 5-jährige Papiere gerade einmal 0,41%. Die Zinskurven in den USA und in der Eurozone hätten sich deutlich verflacht. Kurzfristig sei keine Trendwende der historischen Niedrigzinsphase absehbar. (Ausgabe Juni 2014) (11.06.2014/alc/a/a)
Zugleich seien voluminöse Geldspritzen beschlossen und der Ankauf von Kreditverbriefungen angekündigt worden.
Die Märkte hätten in einer ersten Reaktion auf die angekündigte zusätzliche Liquidität Kurssprünge bei Aktien verzeichnet. Zugleich sei der Euro kurzfristig auf ein Viermonatstief bei 1,3503 US-Dollar eingebrochen. Der Trend habe jedoch schnell wieder gedreht - zum einen, weil die EZB letztlich nur die von ihr geweckten Erwartungen erfüllt habe und zur nachhaltigen Schwächung des Euro wohl stärkere Geschützte, also Anleihekäufe, nötig gewesen wären. Zum anderen habe die EZB beschlossen, den Hauptrefinanzierungssatz von 0,25% auf 0,15% zu senken.
Außerdem seien Geldspritzen für die Banken im Gesamtvolumen von 400 Milliarden Euro vereinbart worden, die an die Kreditvergabepraxis der Banken geknüpft seien. Über das sog. Targeted Longer Term Refinancing Operations (TLTRO) könnten sich die Banken zu extrem günstigen Konditionen bis zu 7% ihrer aktuellen Kreditvergabe an Zentralbankgeld leihen. Schließlich solle auch der Markt für Kreditverbriefungen, der im Zuge der Finanzkrise in Verruf geraten sei, wiederbelebt werden. So habe die EZB angekündigt, künftig ABS-Papiere von den Banken zu erwerben, sofern sie "einfach, transparent und mit Realwerten unterlegt" seien.
Die EZB habe das Maßnahmenpaket mit der niedrigen Inflation begründet, die auf längere Sicht neue Risiken entstehen lasse. So erwarte die EZB, dass sie mit den jetzt beschlossenen Maßnahmen ihr Ziel, eine Inflationsrate von 2% zu erreichen, mittelfristig stemmen könne. Im Mai 2014 sei die Inflationsrate in der Eurozone auf 0,5% gefallen. Zugleich möchten die Währungshüter mit ihren jüngsten Entscheidungen die Konjunktur in der Eurozone ankurbeln. Zuletzt seien die Prognosen für das Wachstum in der Eurozone für das laufende Jahr von 1,2 auf 1% gesenkt worden, für 2015 von 1,5 auf 1,7% heraufgesetzt.
Sowohl das ifo-Geschäftsklima als auch der ZEW-Index hätten im Mai einen Rückwärtsgang eingelegt. Bei beiden Indices hätten die gestiegenen Unsicherheiten bezüglich der weltweiten Wirtschaftsentwicklung zu einer Verschlechterung der Konjunkturerwartungen geführt. Die aktuelle Lage werde von den Umfrageteilnehmern aber nach wie vor als sehr gut eingeschätzt. Die Wirtschaft dürfte sich im 2. Quartal solide entwickeln, das hohe Wachstumstempo des 1. Quartals werde allerdings nicht zu halten sein.
Die Wirtschaft der Eurozone sei im 1. Quartal nur um 0,2% gewachsen. Insbesondere Frankreich und Italien hätten mit einer Stagnation bzw. einer leichten Schrumpfung der Wirtschaft enttäuscht. Die Einkaufsmanagerindices hätten sich im Mai uneinheitlich entwickelt, der Index für die Dienstleister habe zulegen können, bei der Industrie habe sich ein Rückgang ergeben. Auch in den nächsten Monaten dürfte sich für die Eurozone per saldo nur ein kraftloses Wachstum ergeben.
Die US-Wirtschaft habe zum Jahresanfang eine regelrechte Vollbremsung hingelegt. So würden die revidierten Daten des Handelsministeriums eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um annualisiert 1% für das 1. Quartal 2014 anzeigen. Gleichwohl würden sich inzwischen die positiven Anzeichen für eine signifikant verbesserte Konjunkturlage mehren.
Vom Arbeitsmarkt habe es im Mai erneut positive Daten gegeben, denn die Zahl der Beschäftigten habe um 288.000 zugelegt. Die Werte für die Vormonate seien erneut nach oben revidiert worden. Der US-Auftragseingang für langlebige Güter habe sich in den letzten drei Monaten jeweils erhöht und auch der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor habe im Mai zulegen können und signalisiere aktuell eine Expansion der US-Wirtschaft.
Der Abwärtstrend bei den 10-jährigen Bundesanleihen habe sich im Mai fortgesetzt. Auch die Renditen 10-jähriger US-Treasuries würden tiefer notieren und hätten somit ihren bisherigen Seitwärtstrend nach unten verlassen. Bunds und Treasuries hätten im Mai neue Jahrestiefstände erreicht und würden zinsorientierten Anlegern ein trauriges Bild bieten. Die 10-jährige US-Rendite sei im Mai auf 2,46% gefallen.
Die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen seien ebenfalls rückläufig gewesen und von 1,47% Ende April auf 1,36% Ende Mai gefallen. 2-jährige deutsche Staatsanleihen würden aktuell nur noch eine Rendite von 0,06% abwerfen, 5-jährige Papiere gerade einmal 0,41%. Die Zinskurven in den USA und in der Eurozone hätten sich deutlich verflacht. Kurzfristig sei keine Trendwende der historischen Niedrigzinsphase absehbar. (Ausgabe Juni 2014) (11.06.2014/alc/a/a)


