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Rentenmarkt: EZB senkt Leitzins auf neues Rekordtief
23.05.13 16:23
Postbank Research
Bonn (www.anleihencheck.de) - Im Mai stand an den Märkten die Leitzinssenkung der EZB im Fokus, so die Analysten von Postbank Research.
Auf ihrer monatlichen Zinssitzung hätten die Währungshüter den Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte auf ein neues Rekordtief von 0,5% gesenkt. Die langfristigen Renditen hätten eine scheinbar paradoxe Entwicklung gezeigt. So sei die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen nach der Zinsentscheidung innerhalb einer Handelswoche um gut 20 Basispunkte bis auf knapp 1,4% gestiegen. Allerdings hätten die Renditen in den Wochen vor der Sitzung bereits kräftig nachgegeben und die Leitzinssenkung insofern vorweggenommen. Der nachfolgende Anstieg dürfte vor allem die Hoffnung auf eine Konjunkturerholung widerspiegeln, die mit der Zinssenkung aus Marktsicht wahrscheinlicher geworden sei.
Die Analysten würden die Effekte der Zinssenkung auf die Konjunkturentwicklung im Euroraum allerdings als eher geringfügig einschätzen. In den hochverschuldeten Euro-Staaten habe die Kreditvergabe trotz zahlreicher Leitzinssenkungen in den letzten Jahren weiter abgenommen. Auch die Zinssätze für Unternehmens- oder Baukredite hätten sich in diesen Ländern - anders als beispielsweise in Deutschland - kaum verbilligt. Dies liege vor allem am kriselnden Bankensektor, der angesichts hoher Risiken im Kreditportfolio und einer schwachen Ertragslage kaum in der Lage sei, die Kreditvergabe auszuweiten.
Damit kämen die geldpolitischen Impulse nicht in der Realwirtschaft an - konjunkturelle Impulse seien von immer niedrigeren Leitzinsen nicht zu erwarten. Folgerichtig mache sich die EZB daher Gedanken über Sondermaßnahmen zur Stimulierung der Kreditvergabe in den hochverschuldeten Euro-Staaten. Aktuell seien Verbriefungen von Mittelstandskrediten im Gespräch, die von der EZB refinanziert werden könnten.
Die Leitzinsen hätten inzwischen ein Niveau erreicht, das auf längere Sicht immense Risiken beinhalte. An erster Stelle seien hier negative Realzinsen zu nennen, die zu einer Erodierung der Ersparnisse führen würden. Für einen erheblichen Teil des angesparten Kapitals reiche die Verzinsung inzwischen nicht mehr aus, den inflationsbedingten Wertverlust zu kompensieren. Je länger die Niedrigzinsphase anhalte, desto schwieriger werde es für Anleger werden, überhaupt noch Anlageformen zu finden, die eine werterhaltende Verzinsung böten.
Darüber hinaus beinhalte eine Niedrigzinspolitik immer auch das Risiko von Vermögenspreisblasen. Denn auf der Suche nach höheren Renditen würden die Anleger die Kurse in einzelnen Assetklassen immer weiter nach oben treiben. Auch die Entstehung von Kreditblasen werde durch niedrige Zinsen begünstigt, da Privathaushalte, Unternehmen oder der Staat ihre Verschuldung über das normalerweise tragbare Niveau hinaus ausdehnen würden. Eine Normalisierung des Zinsniveaus werde dadurch quasi unmöglich, da bei einer raschen Anhebung der Leitzinsen eine Überschuldung und damit eine neue Krise drohen würden.
Anders als sonst üblich habe die EZB den Zinssatz für die Einlagenfazilität nicht mit dem Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte zusammen abgesenkt. Denn dieser befinde sich bereits seit einiger Zeit bei Null Prozent. Zu diesem Zinssatz könnten Geschäftsbanken überschüssige Liquidität bei der Notenbank parken. Von dieser Möglichkeit hätten in den vergangenen Krisenjahren insbesondere deutsche und niederländische Banken Gebrauch gemacht. Die EZB scheine allerdings grundsätzlich bereit, den Einlagenzins auch in den negativen Bereich abzusenken. Hiervon erhoffe sich die Notenbank ein Ankurbeln der Kreditvergabe, denn ein negativer Einlagenzins würde die Opportunitätskosten für das Halten eines Liquiditätspolsters erhöhen. Die Geschäftsbanken hätten somit einen Anreiz, das Geld an andere Banken oder Kreditnehmern aus der Realwirtschaft zu verleihen.
Erfahrungen mit einem negativen Leitzins gebe es in der Praxis bisher allerdings kaum. Zwar hätten Schweden und Dänemark Leitzinsen in der Vergangenheit bereits unter die Nulllinie abgesenkt. Die Rahmenbedingungen seien allerdings jeweils deutlich andere als im Euroraum gewesen, da es sich um relativ kleine Länder mit eigener Währung handle. Es bestehe ein erhebliches Risiko, dass die Banken bei negativem Zinssatz ihre Einlagen bei der EZB nicht in die Kreditvergabe an Unternehmen oder Privathaushalte umleiten würden, sondern in hochliquiden Anlageformen wie deutsche Bundesanleihen oder Anleihen anderer Staaten investieren würden.
Dies könnte in den betreffenden Anlageformen zu einer Preisblase führen und insofern die Finanzmarktstabilität bedrohen. Weitere Risiken einer Absenkung des Einlagenzinses unter Null Prozent seien die Verringerung der Sparneigung sowie Anreize zur Bargeldhortung. Insbesondere das Risiko einer verringerten Sparneigung müsse vor dem Hintergrund eines steigenden Bedarfs an privater Altersvorsorge hoch gewichtet werden.
Die Analysten würden davon ausgehen, dass die EZB den Leitzins nicht weiter senken und das risikoreiche Experiment eines negativen Zinssatzes für die Einlagenfazilität nicht wagen werde. Zielführender und mit weniger negativen Nebenwirkungen lasse sich eine Verbesserung des Kreditangebots in den hochverschuldeten Eurostaaten über spezielle Fördermaßnahmen erreichen. Sollte in den kommenden Monaten allerdings die von den Analysten erwartete konjunkturelle Erholung im Euroraum ausbleiben, seien weitere unkonventionelle Schritte zur Erhöhung des Expansionsgrads der Geldpolitik im Euroraum nicht ausgeschlossen. Der Trend steigender Renditen am langen Ende sollte sich vor dem Hintergrund besserer Konjunkturdaten in moderatem Tempo fortsetzen. Auf Sicht von zwölf Monaten erwarte man die Rendite zehnjähriger Bundesanleihe bei 1,8% und die zehnjähriger US-Treasuries bei 2,5%. (Perspektiven Juni 2013) (23.05.2013/alc/a/a)
Auf ihrer monatlichen Zinssitzung hätten die Währungshüter den Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte auf ein neues Rekordtief von 0,5% gesenkt. Die langfristigen Renditen hätten eine scheinbar paradoxe Entwicklung gezeigt. So sei die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen nach der Zinsentscheidung innerhalb einer Handelswoche um gut 20 Basispunkte bis auf knapp 1,4% gestiegen. Allerdings hätten die Renditen in den Wochen vor der Sitzung bereits kräftig nachgegeben und die Leitzinssenkung insofern vorweggenommen. Der nachfolgende Anstieg dürfte vor allem die Hoffnung auf eine Konjunkturerholung widerspiegeln, die mit der Zinssenkung aus Marktsicht wahrscheinlicher geworden sei.
Die Analysten würden die Effekte der Zinssenkung auf die Konjunkturentwicklung im Euroraum allerdings als eher geringfügig einschätzen. In den hochverschuldeten Euro-Staaten habe die Kreditvergabe trotz zahlreicher Leitzinssenkungen in den letzten Jahren weiter abgenommen. Auch die Zinssätze für Unternehmens- oder Baukredite hätten sich in diesen Ländern - anders als beispielsweise in Deutschland - kaum verbilligt. Dies liege vor allem am kriselnden Bankensektor, der angesichts hoher Risiken im Kreditportfolio und einer schwachen Ertragslage kaum in der Lage sei, die Kreditvergabe auszuweiten.
Damit kämen die geldpolitischen Impulse nicht in der Realwirtschaft an - konjunkturelle Impulse seien von immer niedrigeren Leitzinsen nicht zu erwarten. Folgerichtig mache sich die EZB daher Gedanken über Sondermaßnahmen zur Stimulierung der Kreditvergabe in den hochverschuldeten Euro-Staaten. Aktuell seien Verbriefungen von Mittelstandskrediten im Gespräch, die von der EZB refinanziert werden könnten.
Darüber hinaus beinhalte eine Niedrigzinspolitik immer auch das Risiko von Vermögenspreisblasen. Denn auf der Suche nach höheren Renditen würden die Anleger die Kurse in einzelnen Assetklassen immer weiter nach oben treiben. Auch die Entstehung von Kreditblasen werde durch niedrige Zinsen begünstigt, da Privathaushalte, Unternehmen oder der Staat ihre Verschuldung über das normalerweise tragbare Niveau hinaus ausdehnen würden. Eine Normalisierung des Zinsniveaus werde dadurch quasi unmöglich, da bei einer raschen Anhebung der Leitzinsen eine Überschuldung und damit eine neue Krise drohen würden.
Anders als sonst üblich habe die EZB den Zinssatz für die Einlagenfazilität nicht mit dem Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte zusammen abgesenkt. Denn dieser befinde sich bereits seit einiger Zeit bei Null Prozent. Zu diesem Zinssatz könnten Geschäftsbanken überschüssige Liquidität bei der Notenbank parken. Von dieser Möglichkeit hätten in den vergangenen Krisenjahren insbesondere deutsche und niederländische Banken Gebrauch gemacht. Die EZB scheine allerdings grundsätzlich bereit, den Einlagenzins auch in den negativen Bereich abzusenken. Hiervon erhoffe sich die Notenbank ein Ankurbeln der Kreditvergabe, denn ein negativer Einlagenzins würde die Opportunitätskosten für das Halten eines Liquiditätspolsters erhöhen. Die Geschäftsbanken hätten somit einen Anreiz, das Geld an andere Banken oder Kreditnehmern aus der Realwirtschaft zu verleihen.
Erfahrungen mit einem negativen Leitzins gebe es in der Praxis bisher allerdings kaum. Zwar hätten Schweden und Dänemark Leitzinsen in der Vergangenheit bereits unter die Nulllinie abgesenkt. Die Rahmenbedingungen seien allerdings jeweils deutlich andere als im Euroraum gewesen, da es sich um relativ kleine Länder mit eigener Währung handle. Es bestehe ein erhebliches Risiko, dass die Banken bei negativem Zinssatz ihre Einlagen bei der EZB nicht in die Kreditvergabe an Unternehmen oder Privathaushalte umleiten würden, sondern in hochliquiden Anlageformen wie deutsche Bundesanleihen oder Anleihen anderer Staaten investieren würden.
Dies könnte in den betreffenden Anlageformen zu einer Preisblase führen und insofern die Finanzmarktstabilität bedrohen. Weitere Risiken einer Absenkung des Einlagenzinses unter Null Prozent seien die Verringerung der Sparneigung sowie Anreize zur Bargeldhortung. Insbesondere das Risiko einer verringerten Sparneigung müsse vor dem Hintergrund eines steigenden Bedarfs an privater Altersvorsorge hoch gewichtet werden.
Die Analysten würden davon ausgehen, dass die EZB den Leitzins nicht weiter senken und das risikoreiche Experiment eines negativen Zinssatzes für die Einlagenfazilität nicht wagen werde. Zielführender und mit weniger negativen Nebenwirkungen lasse sich eine Verbesserung des Kreditangebots in den hochverschuldeten Eurostaaten über spezielle Fördermaßnahmen erreichen. Sollte in den kommenden Monaten allerdings die von den Analysten erwartete konjunkturelle Erholung im Euroraum ausbleiben, seien weitere unkonventionelle Schritte zur Erhöhung des Expansionsgrads der Geldpolitik im Euroraum nicht ausgeschlossen. Der Trend steigender Renditen am langen Ende sollte sich vor dem Hintergrund besserer Konjunkturdaten in moderatem Tempo fortsetzen. Auf Sicht von zwölf Monaten erwarte man die Rendite zehnjähriger Bundesanleihe bei 1,8% und die zehnjähriger US-Treasuries bei 2,5%. (Perspektiven Juni 2013) (23.05.2013/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,15 % | 2,15 % | - % | 0,00% | 31.05./17:30 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| XFARIV001614 | 2,65 % | 2,15 % | ||


